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Kommentar zum Aktionsplan der EU zur Müllvermeidung

Weg vom schnellen Wegwerfen

Dieses Papier bringt Schwung in den Grünen Deal der EU. Denn die Brüsseler Kommission hat mit großer Gründlichkeit die Produktpalette unserer Gesellschaft auf Wiederwendbarkeit, Rohstoffverbrauch und CO-Belastungen bei der Herstellung durchleuchtet. Herausgekommen ist zwar vieles, was bereits 2015 in dem damaligen Gesetz zur Kreislaufwirtschaft enthalten war – wie das „Recht auf Reparatur“ .

Detlef Drewes

Ausrangierte Haushaltsgeräte und andere Elektrogeräte liegen in einem Sammelbehälter für Elektroschrott. Die Vernichtung unverkaufter haltbarer Waren soll nach Plänen der EU-Kommission europaweit verboten werden. Foto: dpa

Aber nach fünf verlorenen Jahren, in denen sich kein Hersteller um die Auflagen der EU gekümmert hat, könnte nun tatsächlich etwas passieren. Denn es kann ja nicht sein, dass wir (elek­tronische) Geräte, Kleidung oder Autos erwerben, die schon am Verkaufstag ihren unaufhaltbaren Alterungs- und Verfallsprozess beginnen. Natürlich werden wieder viele Hersteller aufjaulen, bis sie merken, dass es durchaus Geschäftsmodelle gibt, die einen großen Teil ihres Umsatzes nicht aus der Abgabe eines Gerätes beziehen, sondern aus den späteren Service-Leistungen – wie bei Autos.

Große Umstellung

Es ist an der Zeit, die verbauten Rohstoffe zurückzugewinnen, die Produkte so weit wie eben möglich wiederverwertbar zu konstruieren und den Verbraucher anzuhalten, die angebotenen Rücknahmemöglichkeiten auch zu nutzen. Im Hintergrund der Brüsseler Entwürfe steht der Gedanke, dass Waren nicht mehr nur Wegwerf-Artikel sein dürfen.

Ihre Bestandteile und übrigens auch der Ressourcenverbrauch bei der Produktion müssen sich lohnen, indem sie länger im Kreislauf aus Herstellung und Benutzung verbleiben. Für Produzenten und Einzelhandel ist das eine große Umstellung. Denn künftig wird ein Verkaufsgeschäft noch intensiver vom angebotenen Reparatur- und Erhaltungsservice abhängen als bisher schon.

Zu früh für Euphorie

Wir kehren zurück zu den kleinen und großen Meisterbetrieben, die noch wissen, wie etwas funktioniert und es deshalb auch reparieren können. Bei allem Lob für diese Reform der EU ist es aber zu früh für Euphorie. Die Vorlage wurde zwar am Mittwoch von vielen Seiten als mutig gewürdigt. Um aber verbindlich zu werden, sind nicht nur Mehrheiten im weiteren parlamentarischen Verfahren nötig. Wenn es nicht gelingt, die Hersteller mitzunehmen, wird das Anliegen der Kommission genauso enden, wie der erste Entwurf vor fünf Jahren.

Da haben sich die Produzenten beispielsweise bei einheitlichen Ladegeräten für Handys und Tablets stur gestellt und somit einen richtigen Ansatz ins Leere laufen lassen. Die EU-Kommission braucht also noch einen langen Atem, ehe ihre Vorstellungen umgesetzt werden und sich auswirken.

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