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Meteorologen haben schon zwei Tage vor dem Unwetter gewarnt

„Monumentales Versagen“

Berlin

Im Fall der schweren Unwetter in der vergangenen Woche haben die Rechenmodelle des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bereits am Montag, 12. Juli, klare Hinweise gegeben.

Blick von einer Brücke bei Erftstadt auf die überflutete B 265. Foto: imago images/Bonnfilm

„Wir haben am Montag die Vorabinfo herausgeben können, in der schon stand, dass bis zu 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erwartet werden. Früher ging es eigentlich nicht“, sagt Franz-Josef Molé, Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wet­terdienstes (DWD).

Die Vorhersageexperten arbeiteten mit etwa 100 verschiedenen Simulationen ihrer unterschiedlichen Rechenmodelle – „und die haben im Prinzip mehrheitlich ziemlich sicher auf den Westen Deutschlands gezielt für den Zeitraum Nacht von Mittwoch auf Donnerstag.“ Molé: „Wir haben nicht nur vor Starkregen gewarnt, sondern vor Dauerregen. Normalerweise ist den Wasserverbänden klar, dass das die schlimmste Lage ist, die man im Sommer haben kann – Starkregenfälle eingebettet in ein Dauerregengebiet.“

Eine britische Wissenschaftlerin hat den deutschen Behörden „monumentales“ Systemversagen vorgeworfen. Klare Hinweise, die im Rahmen des europäischen Frühwarnsystems EFAS vier Tage vor den ersten Überschwemmungen he­rausgegeben wurden, seien offenbar nicht bei der Bevölkerung angekommen, sagte Hannah Cloke von der Universität Reading der britischen Zeitung „Times“.

Die Forscherin war am Aufbau von EFAS („European Flood Awareness System“) beteiligt, das nach den verheerenden Überschwemmungen an Elbe und Donau im Jahr 2002 gegründet wurde. Obwohl die genaue Vorhersage schwierig gewesen sei, hätte es „sicherlich Zeit“ geben müssen, um größere Gemeinden mit Warnungen und Evakuierungen vorzubereiten, sagte Cloke.

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