Pfarrer Bernd Mönkebüscher (53) outet sich als homosexuell

»Der Zeitpunkt war richtig«

Hamm (WB). Bernd Mönkebüscher ist Pfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Hamm-Mitte-Ost. Anfang des Jahres hat er sich als homosexuell geoutet – über Facebook.

Lukas Brekenkamp

»Es war lange Zeit ein Geheimnis«: der katholische Geistliche Bernd Mönkebüscher vor der St.-Agnes-Kirche in Hamm. Foto: Robert Szkudlarek

»Es war lange Zeit ein Geheimnis. Auch meine Familie wusste nichts«, sagt der 53-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Nur engen Kollegen habe er sich anvertraut. »Das Thema war ansonsten zu meiner Studienzeit einfach nicht ansprechbar«, sagt er.

»Natürlich« sei es ihm schwer gefallen, so lange mit dem Geheimnis zu leben. Wie lange er dieses Geheimnis hütete, kann er weder genau sagen noch schätzen. Dass er seine Homosexualität so lange für sich behielt, hatte seine Gründe: »In meiner Ausbildung wurde das Thema Sexualität trotz der Zölibatsforderung stiefmütterlich behandelt. Offene Gespräche waren nicht möglich«, sagt Bernd Mönkebüscher, der 1992 geweiht wurde.

Outig wegen Aussagen des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck

Aber gerade das habe ihm gefehlt: »Ich hätte mir schon gewünscht, über solche Themen mit einem Priester zu sprechen – mit jemandem, bei dem ich das Gefühl von Verständnis habe«, sagt Mönkebüscher, der in Paderborn und Freiburg Theologie studierte. »Es hätte mir auch schon geholfen, von einem Priester zu wissen, dass er homosexuell ist.«

Letztendlich habe die Vernachlässigung des Themas Sexualität auch zu Denunziationen geführt. »Etwa von Leuten, denen ein Partner oder eine Partnerin nachgesagt wurde«, berichtet der Pfarrer. Das habe für ein Angstklima unter den Studierenden gesorgt.

Dass sich Mönkebüscher Anfang des Jahres geoutet hat, begründet er mit Aussagen des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck. Dieser warb kurz vor Mönkebüschers Facebookbeitrag für eine neue Haltung gegenüber Homosexuellen. Die Kirche müsse Vorurteile überwinden. »Sonst hätte ich mich auch nicht geoutet«, sagt Bernd Mönkebüscher.

Positive Rückmeldung auf seinen Schritt

Natürlich sorgt ein solcher Schritt für eine Menge Reaktionen – bundesweit. »Die Rückmeldungen, die ich bekommen habe, auch hier im Pastoralverbund, waren aber durchweg positiv«, betont der Pfarrer. Er habe viel Post aber auch persönliche Rückmeldungen bekommen, in denen Menschen von ihren eigenen Erfahrungen mit einer engen kirchlichen Sexualmoral und den dadurch verursachten Ängsten erzählten. Laut Mönkebüscher gebe es viele Geistliche, denen es ähnlich gehe.

»Ich weiß von einigen Kollegen, die schwul sind. Aber die trauen sich diesen Schritt aus verschiedenen Gründen nicht, was ich auch irgendwie verstehen kann«, sagt er. Bisher, so nimmt es Mönkebüscher wahr, sei ihm noch keiner bei diesem Schritt gefolgt. Er hätte es sich jedoch gewünscht. »Das Thema braucht Gesichter. Da will ich nicht alleine stehen«, sagt der Pfarrer.

»Die Kirche stellt die Sicherung von Beziehungen in den Fokus«

Dass sich die Kirche von Grund auf ändern müsse, sieht Bernd Mönkebüscher in manchen Themenbereichen: die liturgische Gebetssprache, die Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Er meint, dass die Kirche an Erdung verloren habe – besonders mit Blick auf den Umgang von Sexualität. »Die Kirche stellt die Sicherung von Beziehungen in den Fokus«, erklärt er. Das sei wichtig. »Das sollte aber auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen gelten.« Bisher habe die Kirche aber noch keinen angemessenen Umgang mit dem Thema gefunden.

In seinem Buch »Unverschämt katholisch sein« widmet er sich verschiedenen Themen und Ansichten. Auch seinem Outing. Diesen Schritt hat Bernd Mönkebüscher nicht bereut. »Im Gegenteil«, betont er. »Der Zeitpunkt war für mich richtig.«

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