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Sonderveröffentlichung

eSportler ernähren sich gesünder als der Durchschnitt

Der eSport hat sich in den letzten Jahren in den meisten Ländern zu einem wesentlichen Bestandteil der Jugendkultur entwickelt. Inzwischen schauen sich mehr als 380 Millionen Zuschauer regelmäßig die kompetitiven Matches in den unterschiedlichen Computerspielen an oder nehmen selbst auf Amateur- oder Profilevel an Wettkämpfen teil. Trotzdem ist über den eSport aus wissenschaftlicher Perspektive bis heute wenig bekannt.

Von Aschendorff Medien

Foto: colourbox.de / #821

Die Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) hat deshalb gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und der AOK das Projekt eSportwissen.de gestartet. Bisher haben die Wissenschaftler um Prof. Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der DSHS, das Trainings- und Gesundheitsverhalten sowie den Medienkonsum und das mentale Wohlbefinden von eSportlern untersucht.

Studie mit 820 eSportler aller Leistungsstufen

Im Rahmen der eSport Studie 2021 „Ernährung im eSport - Mehr als nur Pizza und Energydrinks (?)“ (PDF) hat das Team um Froböse sich nun mit der Ernährung eSportler beschäftigt. Dazu wurden 820 eSportler aller Leistungsstufen befragt. Die Daten wurden aufgrund der Covid-19-Pandemie komplett online erhoben. Bei den vorherigen Studien führten die Forscher Befragungen auf eSport-Events durch.

Energy Drinks im eSport

Energy Drinks, die wach machen und die Konzentration erhöhen sollen, werden häufig mit dem eSport assoziiert. Laut den nun publizierten Studiendaten handelt es sich dabei um mehr als nur ein Klischee. Viele eSportler (40 %) konsumieren die Getränke mehr als einmal pro Woche. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass Hersteller von Energydrinks zu den größten Sponsoren von eSport-Veranstaltungen und -Teams gehören.

Foto: eSportwissen.de

„Der hohe Zuckeranteil dieser Getränke ist aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive natürlich negativ zu bewerten. Entsprechend sollte der Konsum deutlich reduziert werden“, so Froböse. Stattdessen empfiehlt der Wissenschaftler für einen Energieschub im Spiel einen leicht gesüßten Tee oder eine Handvoll Nüsse. Eine weitere Alternative zu herkömmlichen Energy Drinks sind sogenannte Booster, die speziell für die Bedürfnisse von Sportlern entwickelt wurden. Diese enthalten meist deutlich weniger Zucker und eine Kombination aus belebendem Koffein und weiteren Inhaltsstoffen, die die Leistung der eSportler erhöhen sollen.

Zuckerkonsum bei eSportler überraschend niedrig

Obwohl viele eSportler regelmäßig Energy Drinks beim Training und bei Wettkämpfen konsumieren, liegt ihr gesamter Zuckerkonsum laut der Studie deutlich unterhalb der Allgemeinbevölkerung. Dies liegt primär daran, dass eSportler weniger Softdrinks, Schokolade oder andere Süßwaren konsumieren als andere Gruppen. Umgerechnet liegt der Süßigkeitenkonsum bei eSportler bei nur einer Tafel Schokolade pro Woche. Laut den Autoren ist dies ein Indiz für ein gesundheitsbewusstes Essverhalten.

Auch Chips und Salzgebäck werden von eSportlern nur unterdurchschnittlich häufig konsumieren. Im Wochendurchschnitt essen eSportler davon nur eine Müslischale. Fertigprodukte und Fast Food stehen im Mittel zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan. Das Klischee des pizzaessenden Zockers entspricht damit bei eSportlern nicht der Realität.

Hoher Fleischkonsum bei eSportler

Froböse sieht dennoch Optimierungsbedarf in der Ernährung vieler eSportler. „Wir sehen bei den eSportlerinnen und eSportlern dasselbe Problem wie in der Allgemeinbevölkerung: Es landet nach wie vor zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse auf dem Teller“, so der Wissenschaftler. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich fünf Portionen Obst und Gemüse. Tatsächlich essen jedoch nur wenige Frauen (25 %) und Männer (15 %) so viel Obst und Gemüse.

Obwohl überdurchschnittlich viele eSportler (14,8 %) vegetarisch oder vegan leben, konsumieren eSportler im Durchschnitt zu viel Fleisch. „Insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch, das mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit assoziiert wird, sollte entsprechend reduziert werden“, erklärt Froböse.

Selbst Kochen statt Lieferdienst

Die Studie offenbart zudem, dass die Hälfte der eSportler trotz des oft zeitintensiven Trainings an mindestens fünf Tagen pro Woche selbst kocht. Nur ein kleiner Teil (5 %) kocht nie. Dieses Ergebnis ist besonders überraschend, weil ein Großteil (86 %) der eSportler Männer ist, die laut vorherigen Studien nur selten kochen. „Wer selbst kocht, entscheidet auch selbst, was im Kochtopf landet. Damit ist ein erster Schritt für eine gesunde und ausgewogene Ernährung getan. Wir hoffen natürlich, dass sich diese Entwicklung verstetigt und unterstützen die eSportlerinnen und eSportler genau an der Stelle mit unseren Präventionsangeboten“, so Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg.

Gesundheitsverhalten kaum durch Covid-19 beeinflusst

Überdies belegen die Umfrageergebnisse, dass die Covid-19-Pandemie das Gesundheitsverhalten der eSportler kaum beeinflusst hat. Die Gruppe absolvierte noch immer regelmäßig Sport und lag dabei deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Im Mittel sind eSportler neuneinhalb Stunden pro Woche sportlich aktiv.

Die Umfrageteilnehmer erklärten zudem, dass sie ihre Gesundheit und das eigene Wohlbefinden als gut beurteilen. „Wir hätten erwartet, dass sich die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen des Alltagslebens negativ auf die eigene Gesundheitseinschätzung und das Wohlbefinden auswirken würden. Stattdessen konnte die Zielgruppe das Niveau der Vorjahre aufrechterhalten und teilweise sogar verbessern“, erklärt Froböse.

„Im Großen und Ganzen sind die Klischees vom Junk-Food essenden Gamer überholt. Die Reduktion des Konsums von Fleisch und Energydrinks kann ein wichtiger Ansatzpunkt für eine gezielte Gesundheitsförderung sein, die sowohl die Gesundheit als auch die Leistung auf das nächste Level bringt“, konstatiert Froböse.

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