Prozessauftakt in Düsseldorf - Ex-Nationalspieler räumt Weiterleitung kinderpornografischer Fotos ein

Metzelder legt Teilgeständnis ab

Düsseldorf (WB/dpa)

Fußball-Vizeweltmeister Christoph Metzelder hat vor dem Amtsgericht Düsseldorf ein Teilgeständnis abgelegt.

wn

Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder auf dem Weg zum Amtsgericht in Düsseldorf-Oberbilk Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Der 40-Jährige räumte am Donnerstag die Weiterleitung von 18 kinder- und jugendpornografischen Dateien ein.

Den Besitz von nahezu 300 Dateien wie angeklagt, gestand er nicht. «Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meines Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen», sagte Metzelder. Das Amtsgericht hatte für den Fall eines Geständnisses eine Haftstrafe zwischen zehn und zwölf Monaten auf Bewährung in Aussicht gestellt. Es hatte betont, dass der frühere Fußball-Nationalspieler bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens als unschuldig gilt.

Drei Prozesstage sind bis zum 10. Mai angesetzt im Amtsgericht in Düsseldorf-Oberbilk (Kz. 126 Ds – 71 Js 1108/19 – 590/20) – begleitet von einem gewaltigen Medienaufgebot. Metzelder muss sich wegen „des Unternehmens, einer anderen Person Besitz an kinderpornografischen Schriften zu verschaffen, in 29 Fällen und Besitzes kinderpornografischer und jugendpornografischer Schriften in einem weiteren Fall“ verantworten. Er hatte sich vor Prozessbeginn zu den Vorwürfen nicht öffentlich geäußert.

Die Chronologie der Ereignisse beginnt 2019, im August werden Ermittlungen gegen den Ex-Nationalspieler aufgenommen. Metzelder befindet sich zu diesem Zeitpunkt in der Ausbildung zum Fußballlehrer in der Sportschule Hennef, er wird aber auch als zukünftiger Präsident des Deutschen Fußball-Bundes gehandelt – oder könnte Sportchef von Schalke 04 werden. Gefühlt befindet sich der gebürtig aus Haltern stammende Metzelder auf der beruflichen Überholspur, alle Türen im Fußball stehen ihm offen.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe lebt der ehemalige Fußballprofi weiter in Düsseldorf-Derendorf. Das Verfahren wurde vom Amtsgericht Hamburg an das Amtsgericht Düsseldorf verwiesen, zum Wohnsitz Metzelders. Metzelder war vor den Vorwürfen in der Stadt und den Medien trotz Karriereendes durchaus omnipräsent. Als Sky-Experte, als Mitinhaber einer Werbeagentur oder Stifter der Christoph-Metzelder-Stiftung, die sich für Chancengleichheit von Kindern einsetzte. Dann aber ist auf einen Schlag alles anders.

Jobs aufgegeben, Rücktritt von allen Ämtern

Es wird still um ihn. Einsam. Seine Jobs gibt er auf, tritt von allen Ämtern zurück, ist nirgendwo mehr Kandidat. Was auch sein aktueller Rechtsbeistand, Prof. Ulrich Sommer, zu dem er im Oktober vergangenen Jahres wechselt, in einem Interview mit rtl.de bestätigt. Dessen Kernaussage im Gespräch mit Journalist Ulrich Klose ist, Christoph Metzelder sei „natürlich nicht pädophil“. Dass er eine Art Doppelleben führe, „sei gar nicht so weit hergeholt“. Und: „Der Sachverhalt als solcher ist in seiner moralischen Bewertung nicht wegzudiskutieren.“

Sommer gilt als Schwergewicht in der Branche der Strafverteidiger. Der 69-Jährige gilt als streitbar und Mann für besondere Fälle. Seine jüngste Empfehlung: Die Verteidigung des bekannten Ex-Geheimagenten Werner Mauss vor dem Bochumer Landgericht wegen angeblicher Steuerhinterziehung von 14 Millionen Euro. Sommer erreichte, dass der Prozess im zweiten Anlauf wegen formaler Rechtsfehler platzte. Den Richtern fehlten laut Gerichtssprecher noch Unterlagen, um die Schuld des prominenten Angeklagten beurteilen zu können.

Christoph und Malte Metzelder als Zuschauer bei einem Spiel Preußen Münster gegen Jahn Regensburg Foto: Jürgen Peperhowe

Sommers Plan könnte sein, dass Christoph Metzelder durch den Medien-Boost eine Art Vorverurteilung und so auch schon seine Strafe erhalten habe, eine Art öffentliches Gefängnis. Was nicht von der Hand zu weisen ist: Der Handlungsreisende in Sachen Fußball hat praktisch sein berufliches Leben einstellen müssen. Und, so sein Rechtsbeistand, Metzelder befinde sich in Therapie, in der es „um Sexualität und Umgang mit Frauen“ gehe.

Sommer zielt aber offenbar auch auf die Hauptzeugin aus Hamburg ab. Sie sei die Provokateurin seines Mandanten im Austausch kinderpornografischer Inhalte. Was deren Anwalt Leon Kruse gegenüber der dpa vorweg abstreitet: „Das Verhalten meiner Mandantin hat mit Provokation nichts zu tun. Metzelder hat das Gespräch auf sexuelle Fantasien mit Minderjährigen gelenkt. Sie hat das Notwendige getan, um Straftaten gegen Kinder zu verhüten. Das verlangt viel Mut.“ Ob die 40 Jahre alte Hamburgerin, die Details des Austauschs mit Metzelder der Wochenzeitung „Die Zeit“ offenbart hat, im Prozess in Düsseldorf aussagen wird, ist noch ungeklärt. Gegen sie wurde ein Strafbefehl in Höhe von 1000 Euro erlassen, das Verfahren in Hamburg ist noch nicht abgeschlossen, sie kann das Aussageverweigerungsrecht in Anspruch nehmen.

Startseite