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Land schließt 24-Jährigen vom Auswahlverfahren aus, doch der hat mit Klage Erfolg

Polizeibewerber darf tätowiert sein

Mülheim (WB). Am Mittwoch wird Robin K. (24) sich erneut dem Auswahlverfahren bei der Polizei stellen – trotz Tätowierung. Denn auch größere Motive an gut sichtbaren Körperstellen sind laut einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf kein Einstellungshindernis mehr für den Polizeidienst. Das hat die 2. Kammer in einer am Freitag veröffentlichten Eilentscheidung festgestellt.

Bernd Bexte

Um diese Tätowierung geht es im Rechtsstreit. Foto: privat

»Bereits 2014 hatten wir in einem anderen Fall erfolgreich geklagt«, sagt K.s Anwalt Urban Hessling (Duisburg) dem WESTFALEN-BLATT. Damals habe man noch angeboten, dass die Tätowierung durch ein langärmeliges Hemd verdeckt werde. Das ist im aktuellen Fall aber keine Bedingung mehr. »Läuft am Mittwoch alles gut, wird er am Freitag seine Ausbildung beginnen.«

Der junge Mann aus Mülheim an der Ruhr hatte sich für die Einstellung in den NRW-Polizeidienst beworben. Das zuständige Landesamt hatte ihn jedoch nach zwei von drei Tagen vom Auswahlverfahren ausgeschlossen, weil er auf der Innenseite des linken Unterarms einen 20 mal 14 Zentimeter großen Löwenkopf tätowiert hat.

Für einen Eignungsmangel reiche es nicht aus

Gegen das Motiv hat das Land keine Bedenken. Es beruft sich aber auf einen Erlass des Innenministeriums, wonach großflächige Tätowierungen im sichtbaren Bereich einen Eignungsmangel des Bewerbers darstellten. Tätowierungen, die die durchschnittliche Größe eines Handtellers überschritten, seien etwa am Unterarm unzulässig, und zwar unabhängig vom Motiv. Die »Legitimation und Autorität von Polizeibeamten« solle durch solche Tätowierungen nicht beeinträchtigt werden.

Das Gericht hält diese Praxis für rechtswidrig. Für einen Eignungsmangel reiche es nicht aus, dass Teile der Bevölkerung große Tätowierungen für unpassend oder unästhetisch hielten. Die Zunahme von Tätowierungen gerade an den Armen deute auf einen gesellschaftlichen Wandel hin. Die Ablehnung eines Bewerbers aufgrund der Gestaltung der Tätowierung – etwa gewaltverherrlichende Motive – sei allerdings weiterhin zulässig.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Land kann innerhalb von zwei Wochen Beschwerde einlegen.

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