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Plädoyers

Hohe Haftstrafen im Missbrauchskomplex Münster gefordert

Münster 

Als Höchststrafe drohten Adrian V. und drei mitangeklagten Männern im Missbrauchskomplex Münster Freiheitsstrafen von 15 Jahren. Die Staatsanwaltschaft blieb etwas darunter, aber im zweistelligen Bereich. Und beantragte noch eine einschneidende Maßnahme.

Von Dirk Anger 

Adrian V. auf dem Weg zur Anklagebank Foto: Dirk Anger

In einem der größten Missbrauchsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik hat die Staatsanwaltschaft Münster am Dienstag lange Freiheitsstrafen für den Münsteraner Adrian V. und drei weitere Männer gefordert. Auch nach der Haft sollen die vier Angeklagten nicht auf freien Fuß kommen, sondern wegen der Gefahr neuer Sexualstraftaten in Sicherungsverwahrung genommen werden, wie der Staatsanwalt bei seinem Plädoyer am 48. Verhandlungstag in diesem Mammutverfahren vor dem Landgericht Münster erklärte.

Staatsanwalt für 14 Jahre Haft für Hauptangeklagten

Der Hauptbeschuldigte im Missbrauchskomplex Münster, der 28-jährige Adrian V., soll wegen 32 Taten des schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt werden. Er gilt als Schlüsselfigur in dem Netzwerk pädosexueller Männer, die sich in der Regel zunächst in einschlägigen Internet-Chats kennengelernt und später zu Missbrauchstaten persönlich getroffen hatten. Unter anderem haben die vier in dem Verfahren angeklagten Männer  an einem Wochenende im im April 2020 ihre Geburtstage in einer inzwischen abgerissenen Gartenlaube einer Kleingartenanlage in Münsters Norden gefeiert. Dabei missbrauchten sie den damals zehn Jahre alten Ziehsohn von Adrian V. sowie den zu dieser Zeit fünfjährigen Sohn von Tobias S. aus dem hessischen Staufenberg. Aus der Gartenlaube stellten die Ermittler stundenlange Videoaufzeichnungen dieser Vorgänge sicher.

Weitere Haftstrafen gefordert 

Tobias S. (31) soll wegen schweren sexuellen Missbrauchs in sieben Fällen für zwölf Jahre in Haft. Für Enrico L. (43) aus Schorfheide forderte der Ankläger wegen fünf Taten eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten, Marco S. (36) aus Hannover soll für vier Missbrauchstaten zehn Jahre ins Gefängnis. Als Höchstmaß für diese Verbrechen sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren vor. Für Carina V. (46), die Mutter des Hauptbeschuldigten, die ihrem Sohn im Wissen um das Geschehen die Gartenlaube zur Verfügung gestellt haben soll, wurde von Seiten der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von sechs Jahren beantragt – wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch. Die Plädoyers der Nebenklage sowie der Verteidigung folgen an den kommenden Verhandlungstagen. Ein Urteil wird frühestens Ende des Monats erwartet.

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