1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Aus-aller-welt
  6. >
  7. Traumberuf Detektiv?

  8. >

Aus aller Welt

Traumberuf Detektiv?

Der Mensch besitzt einen natürlichen Entdeckungsdrang, der sich in der Evolution ausgeprägt hat und der stark zu seinem Erfolg beitrug. Computerspiele nutzen diese Bedürfnisse zum Beispiel durch das Konzept der 4X-Strategie (explore, expand, exploit und exterminate). Dass der Detektiv von Kindern immer wieder als späterer Traumberuf genannt wird, ist deshalb kein Zufall ebenso wenig wie der bei Kindern beliebte Detektivkasten, mit dessen Hilfe sie sich spielerisch in der Welt der Detektive erproben können. In Filmen und Literatur kommen immer wieder Detektive vor, sei es in „die drei ???“, „TKKG“, „Perry Clifton“, Sherlock Holmes und Miss Marple. Das Ravensburger Gesellschaftsspiel: „Jagd nach Mister X“ wurde 1983 zum Spiel des Jahres gekürt.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Die Realität hat durchaus Berührungspunkte mit dem, was sich landläufig unter der Detektivarbeit vorgestellt wird. Privatdetektiv zu sein, das ist ein durchaus abwechslungsreicher Beruf, bei dem es jede Menge aufzudecken gibt. Doch was genau sind die Aufgabenbereiche von Detektiven, an welche rechtlichen Vorgaben müssen sie sich halten und wie lässt sich ein Privatdetektiv für eigene Zwecke rekrutieren? Decken wir auf, was Detektive so machen.

Freie Berufe im freien Markt

Privatdetektive handeln im Auftrag von Privatpersonen. Es ist kein geschützter Beruf mit vorgeschriebenen Ausbildungsverfahren. Eine Anmeldung der Beschäftigung beim Gewerbeamt und das Vorlegen eines polizeilichen Führungszeugnisses sind aber erforderlich. Dafür genießen praktizierende Detektive auf dem Markt weitgehende Unabhängigkeit bei Selbstvermarktung und Akquirierung von Auftraggebern. Mit Zertifikaten, wie sie von der Zentralen Ausbildungsstelle im Detektivgewerbe (ZAD) angeboten werden, verbessern die Akteure auf dem freien Markt ihre Expertise und Reputation. Organisiert sind sie im Bundesverband Deutscher Detektive (BDD) und anderer Verbände, in denen sie ihre Interessen wahrnehmen. Wie unter Freiberuflern üblich ist jeder Detektiv seines Glückes Schmied und für seine Entwicklung selbst verantwortlich.

Der Privatdetektiv und seine Aufgaben

Privatdetektive handeln also im Auftrag ihrer Auftraggeber. Der klassische Fall ist der Verdacht eines Partners in einer Liebesbeziehung, dass die Bezugsperson fremdgeht. Hier sind es tatsächlich die berühmten gehörnten Ehepartner, die sich hilfesuchend an den Detektiven wenden. Andere Auftraggeber leiden unter Personen, die ihnen vorsätzlich schaden wollen, sodass ein Detektiv angeheuert wird, um den Täter, zum Beispiel beim Zerstechen von Autoreifen, in flagranti zu erwischen. Weitere Aufgaben sind Angelegenheiten rund um das Sorgerecht und Familienzahlungen sowie Lärmbelästigungen. Auch kommen Privatdetektive ins Spiel bei vermissten Personen, beim Aufspüren von Schuldnern, die sich mit dem Fremdgeld aus dem Staub gemacht haben, und beim Aufdecken von Datenmissbrauch. In der Praxis liegen die Auftraggeber mit ihrem Verdacht meistens richtig, denn im Laufe der Ermittlungen bestätigen sich 75 % aller Annahmen.

Was darf ein Privatdetektiv, was darf er nicht?

Rechtlich sind die Befugnisse von Detektiven klar geregelt. Sie dürfen nur tätig werden, wenn ein „berechtigtes Interesse“ für ihre Detektivarbeit vorliegt und der Verdacht „begründet“ ist. Die Erkenntnisse, die ein Detektiv im Rahmen seiner Observationen gewinnt, müssen dokumentiert werden. Außerdem muss ein Privatdetektiv die Persönlichkeitsrechte der zu beschattenden Person wahren. Er darf zum Beispiel keine Wanzen legen oder eine GPS-Ortung vornehmen. Auch darf er sie nicht in sogenannten Intimräumen beobachten. Der Privatdetektiv besitzt anders als Polizei und Grenzschutz keine Hoheitsrechte, sodass ihm eigenmächtige Untersuchungen von Personen verboten sind. Ein Eingreifen ist ihm lediglich im Rahmen des „Jedermanns-Recht“ gestattet.

Dieses Recht erlaubt es jedem Bürger, einen Täter bei einer Straftat bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Von diesem Jedermanns-Recht machen zum Beispiel Kaufhausdetektive Gebrauch, wenn sie Diebe in Gewahrsam nehmen. Ein Privatdetektiv darf also die Personen, die er überwacht, an Straftaten hindern und sie der Polizei überführen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Zielobjekt eine Brandstiftung vornimmt. Die Verwendung von Gewalt ist in jedem Fall unzulässig, es sei denn, der Detektiv verteidigt sich in Notwehr.

Privatdetektive observieren Personen, doch nicht immer lassen sich auf diese Weise ausreichende Erkenntnisse gewinnen. Deswegen führen die Ermittler gern auch Befragungen aus den Bezugskreisen des Zielobjekts durch. Diese nehmen, um nicht aufzufallen, oft einen unverfänglichen Charakter ein und immer gibt sich der Detektiv dabei als jemand anderes aus. Außerdem beschaffen Privatdetektive ihren Auftraggebern Beweise, die sich für einen Prozess nutzen lassen. Sind die Quellen öffentlich verfügbar, dann darf der Privatdetektiv sie sichten. In begründeten Ausnahmefällen darf er sogar nicht öffentliche Quellen zur Fallanalyse heranziehen.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Privatdetektiv Kosten müssen nicht im astronomischen Bereich liegen. Außerdem hilft auch hier ein Anbietervergleich, um die Kosten zu senken. Neben der Individualität der Preise spielen bei der Höhe der Bezahlung weitere Faktoren wie Aufwand, verwendete Geräte und Auftragsdauer mit hinein. Seriöse Dienstleister bieten Kunden deshalb eine Preisberatung an und halten ihn über die preislichen Entwicklungen während der Einsätze auf dem Laufenden. Grundsätzlich liegt der Stundenlohn von Privatdetektiven in Deutschland ungefähr in der Spanne zwischen 70 und 95 Euro. Die Fahrtkosten berechnen sich in der Regel nach Kilometergeld, wobei für einen Kilometer ca. ein Euro gezahlt werden muss. Kunden sollten bei dem Kontaktgespräch auf absolute Transparenz der Preise achten, um nicht später von versteckten Kosten böse überrascht zu werden.

Startseite