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Nationalsozialismus

«Final Account»: Dokumentarfilm über Täter im Holocaust

Berlin (dpa)

Im Dokumentarfilm von Luke Holland sprechen Menschen, die den Nationalsozialismus erlebt oder selbst unterstützt haben. Sie müssen sich der Frage stellen, welche Verantwortung sie tragen. Wo beginnt Täterschaft?

Von dpa

Margarete Schwarz hat als Kindermädchen für eine SS-Familie gearbeitet. Foto: -/Focus Features/UPI/dpa

Schon der erste Satz könnte aktueller kaum sein. Der Dokumentarfilm «Final Account» beginnt mit einem Zitat, das dem Holocaust-Überlebenden Primo Levi zugeschrieben wird.

«Monster existieren», heißt es im Film, «aber sie sind zu wenige, um wirklich gefährlich zu sein. Gefährlicher sind die einfachen Männer, die bereit sind zu glauben und zu handeln, ohne Fragen zu stellen.»

Der Dokumentarfilm von Luke Holland, der 2020 bei den Filmfestspielen in Venedig lief, kommt nun ins Kino. Für den Film wurde mit Menschen gesprochen, die den Nationalsozialismus erlebt oder selbst unterstützt haben. Sie müssen sich in den Gesprächen der Frage stellen, welche Verantwortung sie tragen. Wo beginnt Täterschaft?

Tatsächlich zeigen die Videointerviews teils erschreckende Zitate. Die Menschen erzählen von antisemitischer Propaganda, von der Hitlerjugend oder der Waffen-SS («Ich wollte den Heldentod sterben» - «alles so ein Blödsinn»). Einer berichtet von KZ-Flüchtlingen, die er verraten hat. Manche erzählen, dass man sich hinter vorgehaltener Hand zugeflüstert habe, wenn es von den rauchenden Schornsteinen wieder süßlich roch.

Dabei gelingen außergewöhnliche Szenen. Etwa wenn ein Mann erzählt, er habe damals kein Mitleid gehabt, als die Synagoge abgebrannt worden sei. Für ihn sei das also kein Verbrechen gewesen? «Naa», sagt der Mann, um dann kurz inne zuhalten. «Moment... Verbrechen. Da müsste man eigentlich fast (...) Ja sagen.»

Hollands Film zeigt Aufnahmen, die auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende noch wichtig und erschütternd sind. Regisseur Holland, der mittlerweile selbst nicht mehr lebt, hat den Film seinen ermordeten Großeltern gewidmet und den anderen Millionen Opfern. Eingeblendet werden dabei auch historische Aufnahmen. Die Zitate der Interviewpartner werden ohne Kommentar aneinander geschnitten. Im Film geht es auch um die Mitschuld, die man trägt, wenn man nichts unternimmt. Und die Frage, was man daraus lernt.

Ein Zeitzeuge streitet darüber beispielsweise mit einem jungen Mann in der Berliner Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, dort waren Nationalsozialisten 1942 zusammengekommen, um die massenhafte Ermordung der Juden zu planen. «Ich gehörte einer Mörderorganisation an», sagt der Mann und ergänzt später, er könne das bis heute nicht verkraften. Er finde es wichtig, mit jungen Menschen darüber zu sprechen. Und er habe nur die Bitte: «Lasst euch nicht verblenden.»

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