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Auch für Selbstdarsteller wird es teuer: Höhere Bußgelder für Auto-Poser

Rund ein Jahr nach Inkrafttreten der fehlerhaften StVO-Novelle am 28. April 2020 konnten Bund und Länder endlich eine Einigung erzielen. Durch den neuen Bußgeldkatalog wird es für Verkehrssünder in Zukunft bei zahlreichen Ordnungswidrigkeiten erheblich teurer. Auch Bewohnern von Städten und Gemeinden sollen die Änderungen zugutekommen: Unnötige Lärm- und Abgasbelastungen durch Auto-Poser könnten bald abnehmen – das Bußgeld für Car-Posing wird verfünffacht.

Aschendorff Medien

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Einigung zur StVO-Novelle verspricht zahlreiche Bußgelderhöhungen

Nach einem Formfehler in der Novelle der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) 2020 und dem damit verbundenen Streit über die Anpassungen des Bußgeldkatalogs konnten Bund und Länder Mitte April 2021 einige Einigung erzielen. Die geplanten Änderungen der StVO sollen noch im Jahr 2021 in Kraft treten und unter anderem eine Verdoppelung einiger Bußgelder bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nach sich ziehen. 400 statt 200 Euro Bußgeld werden beispielsweise fällig, wenn sich Autofahrer innerorts nicht an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h halten und stattdessen mit 91 km/h unterwegs sind (WB berichtete). Hartes Durchgreifen ist auch hinsichtlich der unerlaubten Nutzung oder des Durchfahrens von Rettungsgassen geplant: Der neue Tatbestand sieht ein Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro vor sowie einen Monat Fahrverbot.

Auto-Posing: Lästige Selbstdarstellung im Straßenverkehr

Neben satten Bußgeldern für Geschwindigkeitsüberschreitungen und ordnungswidrigem Parken soll außerdem das sogenannte Auto-Posing deutlich härter bestraft werden. Die Bezeichnung Auto-Posing beziehungsweise Car-Posing wurde in den vergangenen Jahren durch Autofahrer geprägt, die mit ihrer Fahrweise gezielt die Aufmerksamkeit anderer erregen. Der englische Begriff leitet sich von to pose ab – zu Deutsch sich darstellen. Auto-Poser fahren beispielsweise besonders hochtourig oder jagen ihre Motoren im Leerlauf bewusst hoch, um die Lautstärke ihres Fahrzeugs zu verstärken und damit die Blicke von Passanten auf sich zu ziehen. Andere erzeugen gezielt quietschende Reifen bei Kurvenfahrten oder drehen unnötige Runden um den Block, um andere durch laute Sprints mit Vollgas zu beeindrucken. Nicht selten kommen ergänzende Active-Sound-Systeme zum Einsatz, um den Lärm aus der Auspuffanlage zu verstärken. Gleiches gilt für Klappenauspuffanlagen.

Politik schiebt Riegel vor Imponierverhalten

Was den einen Spaß bringt, sorgt bei anderen für Stress. Insbesondere Anwohner leiden unter der zusätzlichen Lärmbelästigung durch Auto-Posing. Doch nicht nur der massive Krawall ist ein Problem, sondern auch die Abgas-Belästigung. Auto-Poser steigern durch ihr Fahrverhalten die Menge an gasförmigen Abfallprodukten in der Luft und schaden damit Mensch, Tier und Umwelt.

Um dem unkontrollierten Imponiergehabe von Autofahrern ein Ende zu setzen, zielt die Politik mit dem neuen Bußgeldkatalog vermehrt auf den Geldbeutel der Poser ab. Treten die Änderungen in Kraft, müssen nach Aufmerksamkeit buhlende Fahrer mit wesentlich höheren Strafen rechnen. Verkehrsteilnehmer, die beispielsweise unnötigen Lärm verursachen, müssen nach der Novellierung mit bis zu 100 Euro Geldbuße – statt wie bisher 20 Euro – rechnen. Durch die Anpassung des Bußgeldkatalogs werden die Strafen für Car-Poser bundeseinheitlich angehoben.

Verbot wurde bereits in der Vergangenheit gerichtlich durchgesetzt

Dass sich Kommunen die Lärm- und Abgasbelästigung von Auto-Posern nicht gefallen lassen müssen, verdeutlicht eine offizielle Entscheidung, die das Verwaltungsgericht Karlsruhe Ende 2018 (AZ: 1 K 4344/17) im Zusammenhang mit einem Jaguar-Fahrer getroffen hat. Dieser wurde in der Innenstadt vermehrt beim Verursachen genannter Belästigungen erwischt. Wie die Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. (KÜS) berichtete, meldeten Bürger den Auto-Poser zuvor innerhalb von rund vier Wochen 14 Mal der Polizei. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe untersagte dem Jaguar-Fahrer die entsprechende Fahrweise, die gemäß § 30 Abs. 1 StVO generell verboten ist. Insbesondere das Motoren-Hochjagen im Leerlauf, hochtouriges Fahren, plötzliches Abbremsen, hohe Kurvengeschwindigkeiten und durchdrehende Räder bei starken Beschleunigungen seien mit unzumutbarem Lärm und Emissionen verbunden.

Ob die Erhöhung der Bußgelder für das Auto-Posing tatsächlich eine Besserung bringt und die Lärm- sowie Abgasbelästigung in Städten und Gemeinden verringern wird, bleibt abzuwarten.

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