1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Kultur
  6. >
  7. Der neue Asterix-Band ist da

  8. >

Titelheldin ist »Die Tochter des Vercingetorix«

Der neue Asterix-Band ist da

Paris (WB/dpa). Vier alte, weiße Männer werden in diesem Jahr 60 oder sind es bereits: Didier Conrad, Jean-Yves Ferri, Asterix, Obelix. Das wird gefeiert: Am Donnerstag erscheint der 38. Asterix -Band, der vierte, der von Ferri getextet und von Conrad gezeichnet wurde. Titelheldin ist »Die Tochter des Vercingetorix«.

Das Cover des neuen Asterix-Comics »Die Tochter des Vercingetorix« Foto: 2019 Les Éditions Albert René/dpa

Zum ebenfalls vierten Mal – nach Kleopatra (Band 2), Maestria (29) und Latraviata (31) – spielt eine Frau eine tragende Rolle. Über den Inhalt drang, wie üblich, vor der Veröffentlichung nicht viel an die Öffentlichkeit. Nur so viel: Adrenaline, die Nachfahrin des berühmten, historisch belegten Avernerfürsten, ist ebenso hübsch wie trotzig. Caesar will das Teenagermädchen entführen und zur Römerin umerziehen lassen. Doch er hat die Rechnung ohne die tapferen Gallier gemacht.

»Die junge Dame ist weder Greta Thunberg noch Marine Le Pen« versicherte Didier Conrad vorab. »Aber mehr Greta als Marine«, fügte Ferri hinzu. »Es geht einfach um ein Mädchen, das einen Promi als Vater hat. Und es geht um die Pubertät im Allgemeinen.«

Es wird unruhig im Dorf der Gallier

Das muss auch Obelix erfahren, der mit kritischen Sprüchen der Dorfjugend konfrontiert wird. »Hinkelstein und Zaubertrank sind die Stützen des Wildschweinesystems«, rüpelt ihn Selfix, der Sohn des Dorfschmieds, an. Und als der Fischhändlersohn Aspix Andeutungen über den möglichen Zusammenhang von Zaubertrank und Fettleibigkeit macht, ist bei dem gutmütigen Dickerchen Schluss mit lustig. Man darf also vermuten, dass es ziemlich unruhig werden wird zwischen Majestix’ Hütte und dem Baum, auf dem Miraculix Misteln schneidet.

Der kleine Gallier und seine Bande waren 1959 aus der Verzweiflung geboren. Dem Autor René Goscinny und dem Zeichner Albert Uderzo war ein Auftrag durch die Lappen gegangen, in dem ein Fuchs mit langen Ohren vorkam. Auf der Suche nach Ersatz, bei Uderzo auf dem Balkon, blätterten sie in Schulbüchern.

Frankreichs Geschichte beginnt mit Höhlenmenschen, aber die Familie Feuerstein war schon an die Amerikaner vergeben. Über die damals populären Sandalenfilme im Stil von »Ben Hur« und »Quo vadis« kamen die beiden auf Cäsars »Gallischen Krieg« – und den wollten sie jetzt mal ein bisschen anders erzählen.

Asterix und Obelix sind ein Exportschlager

Ein paar Gläser Pastis später, noch bei Uderzo auf dem Balkon, entstanden ein kleiner Held (Uderzo hätte lieber einen großen gehabt) mit Adlerflügeln am Helm, die aus den Fuchsohren der ursprünglich geplanten Geschichte hervorgingen, ferner ein Zaubertrank brauender Druide, ein Häuptling und ein Barde. In der Bretagne hatte Uderzo Menhire gesehen, riesige prähistorische Steine, weshalb er, historisch etwas fragwürdig, dem kleinen Helden einen Menhire schleppenden Kraftprotz an die Seite stellte. Die Marktforscher von 1959 behaupteten, die Welt verlange nach jungen, schönen Helden, und weil Asterix und Obelix eher schnauzbärtig als schön und zum Zeitpunkt ihrer Erfindung schon 2000 Jahre alt waren, redet heute über die beiden kein Mensch mehr, äh, nein, da ist jetzt was durcheinander geraten. Richtig ist:

Asterix und Obelix sind ein Exportschlager. Ein Klassiker. Kult. Unsterblich. Zitierfähig (»Die spinnen, die Römer!«). 370 Millionen Hefte. Vorlage für 17 Filme. Und unkaputtbar: Allen Weltverbessererinitiativen zum Trotz hat der schwarze Pirat immer noch dicke Lippen, und die gallischen Frauen sind entweder sexy (Me­thusalix’ namenlose Gattin) oder mütterlich (Gutemine). Das funktioniert aber nur deswegen, weil die gallischen Männer im Prinzip alle Trottel sind: Selbstironie ist eine wirksame Waffe gegen Ideologen. Auch im neuen Band.

Startseite
ANZEIGE