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Fußball-Bundesliga

Die ARD-«Sportschau» wird 60

Berlin (dpa)

Sie ist ein Klassiker in der TV-Landschaft. Die ARD-«Sportschau» ist aber längst nicht nur eine Sendung, sie ist zu einer Marke geworden. Und noch immer frisch - trotz ihrer 60 Jahre. Vor allem dank ihres Herzstücks.

Von Michael Rossmann und Claas Hennig, dpa

Heribert Faßbender war einer der prägenden Moderatoren der «Sportschau». Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Für eine Feier fehlt die Zeit. Wenn die wichtigste und erfolgreichste Sportsendung der Republik am Freitag 60 Jahre alt wird, steckt das Team der «Sportschau» im Endspurt der Vorbereitung zur Fußball-Europameisterschaft. Und am Samstag gibt es auch keine Ausgabe des ARD-Klassikers. Weil die Fußball-Bundesliga pausiert - das Herzstück der «Sportschau».

Ohne die Bundesliga wäre die Sendung nicht zu einer solchen TV-Legende geworden. Dabei gab es die Spielklasse noch gar nicht, als die «Sportschau» am 4. Juni 1961 - einem Sonntag - erstmals ausgestrahlt wurde. Kurze Filmbeiträge in Schwarz-Weiß über Handball, Rudern, Radrennen und Sandbahnfahren, gesendet am Sonntagabend um 21.45 Uhr - das war zunächst alles.

Der Fußball tauchte erstmals nach acht Sendungen auf, mit der Partie Tasmania Berlin gegen Altona 93. Erst ab 1965 gestattete der Deutsche Fußball-Bund bewegte Bilder aus der Bundesliga, da war die Liga schon zwei Jahre alt. «Die Sportschau durfte damals nur drei Spiele zeigen, weil der DFB die irrige Auffassung vertrat, wenn mehr Fußball gezeigt würde, gingen weniger Leute ins Stadion. Das Gegenteil erwies sich als richtig», sagt der langjährige WDR-Sportchef und «Sportschau»-Moderator Heribert Faßbender (80).

Die Arbeitsweise der ersten Sportschau-Jahre wirkt im digitalen Zeitalter heute abenteuerlich. «In der Halbzeitpause holte ein Motorradfahrer die ersten Filmrollen ab, um sie ins Kopierwerk nach Köln zu bringen. Der zweite riskierte nach Spielschluss manchmal Kopf und Kragen. Das waren die Helden der damaligen Zeit», erzählt Faßbender.

Es war die Zeit von Moderatoren wie Ernst Huberty und Addi Furler, später von Faßbender («'n Abend allerseits»). Sie wurden zu Fernsehstars wie Peter Frankenfeld oder Hans Rosenthal. Bis zu 15 Millionen Menschen schauten die «Sportschau» - «ohne die von der Zuschauerforschung noch nicht erfassten Zuschauer in der DDR», sagt Faßbender. «Samstags zwischen 18.00 Uhr und 19.00 Uhr war damals Sportschau-Zeit. Da durfte noch nicht einmal die Erbtante anrufen», schmunzelt er.

Jeder Fußball-Fan in all den Jahrzehnten hat seine eigene Verbindung mit der «Sportschau». «Ich kann mich wirklich an meine Kindheit erinnern, auch als ich jünger war als zehn, als ich mit meinem Vater zu Hause saß und "Sportschau" geguckt habe», sagte Jessy Wellmer (41) kurz vor ihrer ersten Moderation der Samstagsausgabe vor vier Jahren. Sie bezeichnete die Sendung als «Kulturerbe des Landes».

Welche Bedeutung die Fußball-Bundesliga für die «Sportschau» hat, zeigte sich insbesondere in ihrer schlimmsten Krise. «Die Privatsender trieben die Rechtekosten enorm in die Höhe und sicherten sich die Rechte an der höchsten deutschen Fußballklasse», erinnert sich Faßbender. In der Zeit von RTL ab 1988 konnte die «Sportschau» noch Bilder aus der Bundesliga zeigen. Die erste Vorwahl hatte dabei der Privatsender. «Wir hatten aber noch einige Zeit höhere Einschaltquoten als die bis zu drei Stunden hinziehende Sendung "Anpfiff", für die aus Kostengründen nach vier Jahren schon wieder Abpfiff war», sagt Faßbender.

Als danach Sat.1 die Bundesliga bei «ran» zusammenfasste, musste die «Sportschau» vorübergehend ohne bewegte Bundesliga-Bilder auskommen. Die Einschaltquoten sanken drastisch, weil die Zuschauer nur noch eingeblendete Fotos zu vorgelesenen Bundesliga-Ergebnissen geboten bekamen. 2003 feierte die «Sportschau» dank der zurückgekehrten Bundesliga-Berichte ein Comeback, der TV-Mythos erwachte zu neuem Leben.

«Es ist immer noch eine Familienveranstaltung», sagt Steffen Simon. Der heutige Leiter der Sendung, zuvor selber im Privatfernsehen unter Vertrag, stellte die rhetorische Frage: «Kriegt man Kinder vor das lineare Fernsehen? Ja, mit der "Sportschau". Wir haben das i-Phone überlebt, das ist vielleicht die größte Leistung.»

Im Durchschnitt schauten in der abgelaufenen Spielzeit 4,789 Millionen Menschen zu. Nur einige Live-Übertragungen locken mehr Sportliebhaber vor den Bildschirm. Mindestens vier weitere Jahre darf die «Sportschau» dank der im Vorjahr erworbenen TV-Rechte am späten Samstagnachmittag ein Millionenpublikum vor den Bildschirm locken.

Und dank weiterer Rechte wird es - neben der Sonntagsausgabe im Ersten - ab dem Sommer weitere Ableger geben. Beim ARD-Spartensender One soll es freitags ab 22.30 Uhr Zusammenfassungen der 2. Fußball-Bundesliga unter dem Namen des Sport-Klassikers geben und montags ab 0.00 Uhr Highlight-Clips im Internet bei «sportschau.de» und in der App.

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Für eine Feier fehlt die Zeit. Wenn die wichtigste und erfolgreichste Sportsendung der Republik am Freitag 60 Jahre alt wird, steckt das Team der «Sportschau» im Endspurt der Vorbereitung zur Fußball-Europameisterschaft. Und am Samstag gibt es auch keine Ausgabe des ARD-Klassikers. Weil die Fußball-Bundesliga pausiert - das Herzstück der «Sportschau».

Ohne die Bundesliga wäre die Sendung nicht zu einer solchen TV-Legende geworden. Dabei gab es die Spielklasse noch gar nicht, als die «Sportschau» am 4. Juni 1961 - einem Sonntag - erstmals ausgestrahlt wurde. Kurze Filmbeiträge in Schwarz-Weiß über Handball, Rudern, Radrennen und Sandbahnfahren, gesendet am Sonntagabend um 21.45 Uhr - das war zunächst alles.

Der Fußball tauchte erstmals nach acht Sendungen auf, mit der Partie Tasmania Berlin gegen Altona 93. Erst ab 1965 gestattete der Deutsche Fußball-Bund bewegte Bilder aus der Bundesliga, da war die Liga schon zwei Jahre alt. «Die Sportschau durfte damals nur drei Spiele zeigen, weil der DFB die irrige Auffassung vertrat, wenn mehr Fußball gezeigt würde, gingen weniger Leute ins Stadion. Das Gegenteil erwies sich als richtig», sagt der langjährige WDR-Sportchef und «Sportschau»-Moderator Heribert Faßbender (80).

Die Arbeitsweise der ersten Sportschau-Jahre wirkt im digitalen Zeitalter heute abenteuerlich. «In der Halbzeitpause holte ein Motorradfahrer die ersten Filmrollen ab, um sie ins Kopierwerk nach Köln zu bringen. Der zweite riskierte nach Spielschluss manchmal Kopf und Kragen. Das waren die Helden der damaligen Zeit», erzählt Faßbender.

Es war die Zeit von Moderatoren wie Ernst Huberty und Addi Furler, später von Faßbender («'n Abend allerseits»). Sie wurden zu Fernsehstars wie Peter Frankenfeld oder Hans Rosenthal. Bis zu 15 Millionen Menschen schauten die «Sportschau» - «ohne die von der Zuschauerforschung noch nicht erfassten Zuschauer in der DDR», sagt Faßbender. «Samstags zwischen 18.00 Uhr und 19.00 Uhr war damals Sportschau-Zeit. Da durfte noch nicht einmal die Erbtante anrufen», schmunzelt er.

Jeder Fußball-Fan in all den Jahrzehnten hat seine eigene Verbindung mit der «Sportschau». «Ich kann mich wirklich an meine Kindheit erinnern, auch als ich jünger war als zehn, als ich mit meinem Vater zu Hause saß und "Sportschau" geguckt habe», sagte Jessy Wellmer (41) kurz vor ihrer ersten Moderation der Samstagsausgabe vor vier Jahren. Sie bezeichnete die Sendung als «Kulturerbe des Landes».

Welche Bedeutung die Fußball-Bundesliga für die «Sportschau» hat, zeigte sich insbesondere in ihrer schlimmsten Krise. «Die Privatsender trieben die Rechtekosten enorm in die Höhe und sicherten sich die Rechte an der höchsten deutschen Fußballklasse», erinnert sich Faßbender. In der Zeit von RTL ab 1988 konnte die «Sportschau» noch Bilder aus der Bundesliga zeigen. Die erste Vorwahl hatte dabei der Privatsender. «Wir hatten aber noch einige Zeit höhere Einschaltquoten als die bis zu drei Stunden hinziehende Sendung "Anpfiff", für die aus Kostengründen nach vier Jahren schon wieder Abpfiff war», sagt Faßbender.

Als danach Sat.1 die Bundesliga bei «ran» zusammenfasste, musste die «Sportschau» vorübergehend ohne bewegte Bundesliga-Bilder auskommen. Die Einschaltquoten sanken drastisch, weil die Zuschauer nur noch eingeblendete Fotos zu vorgelesenen Bundesliga-Ergebnissen geboten bekamen. 2003 feierte die «Sportschau» dank der zurückgekehrten Bundesliga-Berichte ein Comeback, der TV-Mythos erwachte zu neuem Leben.

«Es ist immer noch eine Familienveranstaltung», sagt Steffen Simon. Der heutige Leiter der Sendung, zuvor selber im Privatfernsehen unter Vertrag, stellte die rhetorische Frage: «Kriegt man Kinder vor das lineare Fernsehen? Ja, mit der "Sportschau". Wir haben das i-Phone überlebt, das ist vielleicht die größte Leistung.»

Im Durchschnitt schauten in der abgelaufenen Spielzeit 4,789 Millionen Menschen zu. Nur einige Live-Übertragungen locken mehr Sportliebhaber vor den Bildschirm. Mindestens vier weitere Jahre darf die «Sportschau» dank der im Vorjahr erworbenen TV-Rechte am späten Samstagnachmittag ein Millionenpublikum vor den Bildschirm locken.

Und dank weiterer Rechte wird es - neben der Sonntagsausgabe im Ersten - ab dem Sommer weitere Ableger geben. Beim ARD-Spartensender One soll es freitags ab 22.30 Uhr Zusammenfassungen der 2. Fußball-Bundesliga unter dem Namen des Sport-Klassikers geben und montags ab 0.00 Uhr Highlight-Clips im Internet bei «sportschau.de» und in der App.

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