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Perry Rhodan erlebt in der Science-Fiction-Reihe seit 60 Jahren immer neue Weltraum-Abenteuer

Galaktischer Held auf ewiger Mission

Rastatt

Er tut es wieder und wieder. Planeten retten, Intelligenzen vereinen, Kriege verhindern, Völker befrieden. Perry Rhodan rackert sich redlich durch die Galaxien. Nun wird die weltbekannte Science-Fiction-Reihe 60 Jahre alt.

Von Anika von Greve-Dierfeld

Der Weltraumheld und einer seiner Wegbegleiter: Hartmut Kasper schreibt unter dem Pseudonym Wim Vandemaan für die Science-Fiction-Serie „Perry Rhodan“ Foto: epd

Auf Perry Rhodan ist einfach Verlass. Woche für Woche ist der Weltraumheld unterwegs, um im All alle möglichen Abenteuer zu bestehen und der Menschheit endlich Frieden zu bescheren. Bislang vergeblich, aber glücklicherweise ist ja auch kein Ende von Rhodans Mission in Sicht. Im Gegenteil: Mehr als 3100 Hefte sind seit dem Start der Reihe am 8. September 1961 erschienen, um nur einige Zahlen zu nennen. Mehr als 120 Bücher, in denen mehr als 1000 Heft­romane zusammengefasst sind, wurden bisher veröffentlicht. Und nun feiert die Serie rund um den galaktischen Helden 60. Geburtstag.

An diesem Mittwoch erscheint ein Jubiläumsheft, zwei Tage später steht auch eine Online-Jubiläumsfeier an. „Wir werden in Erinnerungen schwelgen, Anekdoten teilen und aus dem Nähkästchen plaudern“, schreibt die Perry-Rhodan-Redaktion. Fans sind aufgerufen, einen speziellen „Perry-Rhodan-Moment“ auf einem Foto mit Gleichgesinnten zu teilen – „Dieser Perry-Rhodan-Moment kann alles sein. Euer Lieblingsstammtisch, die schönste Veranstaltung...“, heißt es weiter.

Der Sonderband zum Jubiläum. Foto: -/Pabel Moewig Verlag KG, Rastatt

Die Fans sind enthusiasmiert. „Das ist ein absoluter Höhepunkt, 60 Jahre Perry Rhodan ist schon eine Hausnummer“, schwärmt Volker Hoff. Er ist Fan der ersten Stunde, griff schon als 15-Jähriger zu den Heftchen und schreibt seit vielen Jahren einen Blog zu Perry Rhodan. Rhodan ist für ihn ein Mensch, der offen ist für andere Intelligenzen, technisch versiert und immer darauf aus, sein Wissen zu erweitern. „Perry Rhodan ist ein Pazifist“, betont Hoff – allerdings einer, der auch mal eine Waffe in die Hand nimmt, ergänzt der Chefredakteur der Reihe, Klaus N. Frick.

Die Science-Fiction-Serie hat sich seit Erscheinen von Band 1 namens „Unternehmen Stardust“ zum Welterfolg entwickelt und stets auch gewandelt: Stark militaristisch geprägt gewesen sei sie in den 1960er Jahren; „in den 80ern war sie so pazifistisch, dass es mir fast schon zu lahm war“, erläutert Frick. Ausufernde Gewaltdarstellungen schätzen die Leser seinen Worten zufolge bis heute gar nicht. „Der Leser mag es, wenn es Krachbumm gibt, aber ei­gentlich ist es eine entspannende Lektüre nach Feierabend.“ Noch immer würden wöchentlich rund 60.000 Hefte verkauft, plus einer wachsenden Zahl von E-Books.

Folge 3000. Inzwischen sind es schon 3100. Foto: -/Pabel Moewig Verlag KG, Rastatt

Aktuelle gesellschaftliche Geschlechter- oder Genderdebatten finden aus Sicht von Hoff und anderen Experten durchaus Eingang in den Rhodan-Kosmos: „Perry Rhodan ist auch immer mit einer Frau verbandelt, die gleichberechtigt ist“, erzählt er. „Jeder hat verstanden, dass die alten Zeiten vorbei sind.“ Laut dem Literaturwissenschaftler und Perry-Rhodan-Experten Johannes Rüster wurden gesellschaftliche Grundströmungen seit Start der Serie immer deutlich eingefangen – vielfach sichtbar erst im Rückblick.

Zwar wolle man sich aus der Tagespolitik heraushalten, erläutert Frick. Aber schon seit Band 200 im Jahr 1965 gebe es beispielsweise das Volk der Haluter, das aus geschlechterneutralen Wesen bestehe. Auch lesbische oder schwule Paare habe es schon längst gegeben – ebenso wie eine Figur, die gleichzeitig Frau und Mann ist, ergänzt Rüster. In der Welt von Science-Fiction kann eben seit jeher einiges untergebracht werden, „und Fantasy-Fans zeichnet ohnehin ein hoher Grad an Toleranz aus“.

Ein Problem bleibt aber: Jüngere Leser kommen nur spärlich nach, zu umfangreich ist inzwischen die Perry-Rhodan-Welt mit all ihren Zyklen, Völkern, Intelligenzen, Planeten. „Viele wissen dann gar nicht, wo sie einsteigen sollen“, meint Hoff. Das sagt auch die junge Science-Fiction-Autorin Jacqueline Mayerhofer, die sich schon als Kind für Rhodan interessierte. „Es ist eine irrsinnig umfangreiche Reihe, und ich habe mich erstmal nicht drangewagt“, erzählt die 29 Jahre alte Österreicherin.

Inzwischen aber liest sie jedes neue Heft. Vor allem die starken Frauen hätten es ihr angetan, die mittlerweile wesentliche Rollen spielen in den Romanen. Sie selbst würde auch „sehr gerne mal für Perry schreiben“.

Laut Neuer Galaktischer Zeitrechnung – die aktuellen Romane spielen im Jahr 2071, was dem Jahr 5658 unserer Zeit entspricht – hat Rhodan noch viele Jahrtausende Zeit, um die Menschheit zu befrieden: Rund 20.000 Jahre räumte die Superintelligenz „Es“ bis zum prophezeiten Untergang einst ein. Rhodan hat erst einen Bruchteil der Zeit für ihren Fortbestand und den galaktischen Frieden geackert. Er steht also noch ganz am Anfang.

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