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Bilanz der Talkshows kurz vor der Sommerpause

Was bringen Illner & Co.?

Berlin (dpa). Am Donnerstag muss Maybrit Illner noch einmal ran – dann sind alle vier Talksendungen von ARD und ZDF in der Sommerpause. Kritiker dürften aufatmen.

Andreas Heimann

Eine Talkrunde mit Maybrit Illner (Zweite von links). Foto: dpa

So viele Diskussionen über »Hart aber fair«, »Maischberger«, »Anne Will« und »Maybrit Illner« wie in den zurückliegenden Monaten gab es schon lange nicht mehr. Dass Deutschlands Talkern vorgeworfen wird, die falschen Themen zu behandeln, die falschen Gäste einzuladen, zu oberflächlich, zu einförmig, zu mainstreamig zu sein, kommt immer wieder vor.

Aber zuletzt war die Kritik deutlicher. Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, forderte im Juni sogar, darüber nachzudenken, ob ARD und ZDF nicht ein Jahr lang Talkpause machen sollten, um in Ruhe über ihre Formate nachzudenken.

»Mehr als 100 Talkshows in ARD und ZDF haben uns seit 2015 über die Themen Flüchtlinge und Islam informiert und dabei geholfen, die AfD bundestagsfähig zu machen«, argumentierte Zimmermann angesichts der Talkflut.

Themenauswahl nach Grad der Popularität?

ARD-Chefredakteur Rainald Becker wies die Kritik als »vollkommen übertrieben« zurück: »Uns ein Jahr Talkpause zu verordnen wäre so, als würden wir dem Kulturrat sagen, er solle sich ein Jahr lang nicht um Kultur kümmern.«

Auch Bernd Gäbler, ehemaliger Direktor des Grimme-Instituts, hält nichts von Zimmermanns Vorschlag: »Er zielt nicht auf seriöse Auseinandersetzung, sondern auf Schlagzeilen«, kritisiert der Verfasser einer Studie über Talkformate (2015), der in Bielefeld Journalistik lehrt. »Ein vernünftiger Umgang mit Medien ist eine Bildungsaufgabe, aber nicht durch Boykotte oder Verbote zu erzielen.«

Es sei Recht und Pflicht des Journalismus, Themen aufzugreifen, die er für wichtig hält. »Das ist nicht zu kritisieren. Zu kritisieren ist aber, wenn die Beurteilung der Relevanz eines Themas nach dem Grad der Popularität erfolgt. Das führt zu Einseitigkeiten«, meinte Gäbler.

Ähnlich sieht es Riem Spielhaus, Islamwissenschaftlerin der Uni Göttingen: »Ich gehe seit 2007 nicht mehr in Talkshows, weil durch sie bestimmte Themen, bestimmte Perspektiven, bestimmte Rahmungen gesetzt werden, was für eine lösungsorientierte Diskussion nicht hilfreich ist.«

»Diskussionskultur ist wenig lösungsorientiert«

Gerade an dem Aspekt der Rahmungen – Framing genannt – gab es mehrfach Kritik. Zu Recht, findet Gäbler: »Ein Titel wie ›Flüchtlingskrise – mehr Kriminalität in unseren Städten?‹ stellt einen Zusammenhang her. Niemand denkt das Fragezeichen mit.«

Riem Spielhaus sieht das ebenso: »Allein bei den Titeln mit Bezug auf den Islam gibt es immer eine ähnliche Rahmung: immer eine islamkritische, nie in die andere Richtung zugespitzt.« Meist sei schon die Fragestellung suggestiv, zum Beispiel: »Ist der Islam eine Gefahr für die Demokratie?«

Riem Spielhaus findet es wie Gäbler nicht nötig, die Talkshows pausieren zu lassen. »Wichtiger wäre es, mal richtig zuzuhören«, sagt sie. »Mir fällt in unserer Gesellschaft immer wieder auf, dass die Diskussionskultur wenig lösungsorientiert ist. Es wird eher pauschalisiert, Menschen werden in Gruppen geordnet und bewertet oder gar abgewertet.« Nach Alternativen zu den Talks zu suchen, wäre ihrer Ansicht nach ein wichtiges Ziel.

Diskurse nehmen an Schärfe zu

Unlängst wandte sich Sandra Maischberger, ungewöhnlich genug, in der »Zeit« an ihre Kritiker: »Tatsächlich wird öffentlich immer heftiger gestritten. Die Diskurse nehmen an Schärfe zu, sie fördern nicht nur Empörung, sondern auch Intoleranz und Unversöhnlichkeit zutage«, schrieb sie. »Die so vehement geführten Debatten spiegeln sich natürlich auch in politischen Talkshows wider.«

Und wer wie die Talker den Streit auf offener Bühne führen wolle, begebe sich zwangsläufig auf unsicheres Terrain. »Wer aber aus Angst vor einem falschen Wort gleich die Debatte vermeiden will, überlässt erst recht denen die Bühne, die diese Angst nicht haben, sondern sie zu nutzen wissen.« Nach der Sommerpause geht es also weiter wie gehabt.

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