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Mindestens 30 tote Soldaten

Anschlag überschattet afghanische Friedensgespräche

Seit mehr als zwei Monaten verhandeln Kabul und Taliban bereits über Frieden. Nach langer Zeit des Stillstands melden sich die Konfliktparteien nun mit Fortschritten. Doch die Gewalt geht weiter.

dpa

Militärfahrzeuge stehen in der Nähe des Ortes der Explosion in der Provinz Ghasni. Foto: Rohullah

Doha/Kabul (dpa) - Mehr als zwei Monate nach Beginn der afghanischen Friedensgespräche haben die Konfliktparteien erstmals wichtige Fortschritte gemeldet.

Unterhändler der militant-islamistischen Taliban und der Regierung hätten in Katar wesentliche Verfahrensfragen geklärt, bestätigten beide Seiten am Samstag. Offiziell ist die Einigung der Regierungsseite zufolge aber noch nicht. Der Konflikt geht unterdessen weiter.

Am Sonntag wurden bei einem Anschlag im Osten des Landes mindestens 30 Soldaten getötet und Dutzende weitere verletzt, wie lokale Behörden mitteilten. Demnach sei ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug auf einem Armeestützpunkt in der Provinz Ghasni detoniert. Zunächst bekannte sich niemand zu der Attacke in der schwer umkämpften Provinz. Sowohl die Taliban als auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten ähnliche Anschläge verübt.

Taliban und Kabul hatten sich einer Mitteilung der Islamisten zufolge bereits am 15. November auf 21 Grundsätze für die eigentlichen inhaltlichen Verhandlungen der Friedensgespräche geeinigt. Die Verhandlungsdelegation der Regierung teilte jedoch mit, dass «weitere Diskussion und Klärung» erforderlich seien. Die Vereinbarung müsse noch durch eine Sitzung beider Verhandlungsteams bestätigt werden. Bisher trafen sich beide Parteien meist in kleinen Gruppen.

Berichte des afghanischen Senders Tolonews über einen Durchbruch hatte die Regierungsseite jüngst noch dementiert. Regierungssprecher Sedik Sedikki sagte am Mittwoch, dass einige Forderungen der Taliban nicht mit der Verfassung vereinbar seien. Details nannte Sedikki nicht.

Am Dienstag hatte die internationale Gemeinschaft auf einer virtuellen Geberkonferenz Afghanistan weitere Milliardenhilfen für die nächsten vier Jahre in Aussicht gestellt. Die Spendenbereitschaft nahm jedoch ab. Die Geberländer machten die Entwicklungshilfe auch von der Zukunft der Friedensgespräche abhängig. Das Land ist nach Jahrzehnten des Konflikts weiter auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Seit dem 12. September sprechen die Taliban mit Vertretern der afghanischen Republik über Frieden. Der Prozess war im Streit um die Verfahrensfragen ins Stocken geraten. Eine Waffenruhe lehnen die Taliban weiter ab. Das Gastgeberland Katar hatte die Rolle eines Vermittlers eingenommen. Der Konflikt im Land geht brutal weiter.

Ende Februar unterzeichneten die Taliban ein Abkommen mit den USA, das einen schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan vorsieht. Die Friedensverhandlungen sind das wichtigste Zugeständnis, das die USA den Taliban abringen konnten. Im Gegenzug verpflichteten sich die Islamisten, Verbindungen zu anderen Terroristen zu beenden.

© dpa-infocom, dpa:201129-99-503205/6

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