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Corona-Pandemie

Deutsche am Ballermann: «Doppelt geimpft, doppelt Spaß»

Palma (dpa)

Spanien wird Hochinzidenzgebiet - und der Urlaub auf Malle damit für Deutsche etwas schwieriger. Die Touristen nehmen es meist gelassen. Für manche Einheimische ist die Lage schon jetzt dramatisch.

Von Ralf Petzold und Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Touristen genießen die Sonne am Strand von Arenal. Foto: Clara Margais/dpa

Die Sonne brennt vom Himmel über Mallorca, saubere Strände und ein türkisfarbenes Mittelmeer laden zum Entspannen ein. Ideale Voraussetzungen für einen schönen Sommerurlaub.

Ebenfalls Teil der Realität im Sommer 2021: Die Corona-Pandemie, die in Spanien und auf Mallorca gerade wieder die Infektionszahlen durch die Decke gehen lässt. Die Bundesregierung hat nun die Notbremse gezogen und ganz Spanien zum Hochinzidenzgebiet erklärt. Wer ab Dienstag ungeimpft oder nicht von Corona genesen in die Heimat zurückkehrt, darf mindestens fünf Tage in der Quarantäne Däumchen drehen.

Aber was noch im ersten Corona-Sommer 2020 wie eine Hiobsbotschaft eingeschlagen wäre und eine Stornierungswelle, Hotelschließungen und eine hastige Rückholaktion deutscher Urlauber ausgelöst hätte, wird nun von der Politik, der Tourismusbranche und den Urlaubern relativ gelassen aufgenommen. «Das ist keine gute Nachricht», meint Iago Negueruela lakonisch. Er ist der Tourismusminister der Balearen, zu denen neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören. Er verweist auf die Impfkampagne und hofft auf ein baldiges Sinken der Infektionszahlen. Tui-Sprecher Aage Dünhaupt berichtet, die allermeisten Urlauber aus Deutschland wollten auf der Insel bleiben.

Europäische Regelung gefordert

Die Präsidentin des Verbandes der Hoteldirektoren auf den Balearen (AEDH), Alicia Reina, fordert, dass es endlich eine europäische Regelung für die Befreiung vollständig Geimpfter von den Corona-Beschränkungen geben sollte. Insofern sei die Entscheidung Deutschlands, Spanien zum Hochinzidenzgebiet zu erklären zwar bedauerlich, aber richtig. Denn sie privilegiere die Geimpften.

Privilegiert fühlen sich offenbar auch junge deutsche Urlauber am berühmt-berüchtigten Ballermann, der Partymeile in Palma. «Wir sind schon seit längerer Zeit geimpft, wir haben die zwei Wochen durch, also alles safe», sagt ein junger Mann, seine Freundin nickt. Klar, die Inzidenz sei relativ hoch und man frage sich schon, ob das gut sei. Aber «doppelt geimpft, doppelt Spaß, so sage ich immer», fügt er mit hochgestrecktem Daumen hinzu, während ein anderer zum Besten gibt: «Eine Woche saufen».

Einer der Migranten aus Afrika mit einer großen Plastiktüte in der Hand bahnt sich seinen Weg durch die Menge und bietet «Bier, Bier, Bier» an. Obwohl solche Trinkgelage unter freiem Himmel schon seit langem verboten sind und seit dem Wochenende Bußgelder von 1000 Euro aufwärts drohen, ist die Polizei ziemlich machtlos. Kein Abstand, kein Mund-Nasen-Schutz - eigentlich Pflicht, wenn der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann. Sogar eine Drohne wurde eingesetzt, um das Partyvolk zu vertreiben. Vergeblich, wie die Zeitung «Diario de Mallorca» berichtete.

Urlaubsabbruch käme nicht in Frage

Ältere und Urlauber mit kleineren Kindern bevorzugen ruhigere Teile der Insel. «Wir nehmen die Quarantäne für unsere große Tochter in Kauf», sagt Sabrina aus Remagen, die mit ihrem Mann und zwei Kindern im Alter von sieben Jahren und zehn Monaten in einer Ferienwohnung untergekommen ist. «Wir fühlen uns eigentlich sicher auf Mallorca, sagt die geimpfte Deutsche. Ein vorzeitiger Urlaubsabbruch käme aber nicht infrage. «Wir bleiben bis Mitte August. Wir haben uns vorgenommen, mit einem Boot die Insel zu umrunden.»

Urlauberin Vanessa hingegen ist froh, dass sie bereits am Montag abreist, also einen Tag bevor die Hochinzidenzgebietsregeln gelten. «Ich hatte das eigentlich gar nicht richtig auf dem Schirm. Mein Freund und ich sind beide noch nicht komplett geimpft. Wir haben zwar im Anschluss noch eine Woche Urlaub, die wollen wir gewiss aber nicht daheim abhocken», sagt die Deutsche. Für manche Einheimische bringt die Corona-Krise aber mehr als nur Unannehmlichkeiten. Einer von ihnen ist Fernando Moscardo, Leiter der Strandbar «Kokomo» in Palmas Stadtviertel Cala Mayor. «Am Strand dürfen die Leute machen, was sie wollen. Sie treffen sich in großen Gruppen. Auf meiner Terrasse nur wenige Meter weiter dürfen nur acht Leute an einem Tisch sitzen, in den Innenbereichen gar nur vier», klagt er. Große Sorgen macht sich der Wirt jedoch noch nicht. «Unsere Kunden sind in der Regel über 50 Jahre alt und schon geimpft. Ihnen droht keine Quarantäne.» Während die Bar im Vorjahr rote Zahlen schrieb, läuft der Laden in dieser Saison zumindest kostendeckend.

Wirtin will Insolvenz anmelden

Die vor allem von Einheimischen frequentierte Bar «Carpe Diem» in Palma hingegen musste für immer schließen. «Wasser und Strom wurden mir abgestellt», sagt die Wirtin Carolina Cucoch-Petraello. Der Eigentümer will das Lokal nun verkaufen, nachdem sie ein Jahr lang die Miete nicht zahlen konnte. «Ich werde Insolvenz anmelden und einen Neuanfang versuchen. Vielleicht muss ich auch auswandern, um wieder Arbeit zu finden», sagt die 42-Jährige Chilenin.Ein solches Schicksal droht mehr Einheimischen, befürchtet Heimke Mansfeld von der deutschen Hilfsorganisation Hope Mallorca. Sie hält die Entscheidung, Spanien zum Hochinzidenzgebiet zu erklären, für falsch. «Die Krankenhäuser sind nicht ausgelastet. Es ist nicht so, dass die Leute massenhaft sterben.» Schlimmer sei der wirtschaftliche Kollaps, der durch ausbleibende Touristen drohe. «Es wird zu Entlassungen kommen. In der kurzen Saison konnten die Leute kaum Geld ansparen, es drohen Hunger, Elend und eine steigende Kriminalität.»

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