1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. EU plant „Recht auf Reparatur“

  8. >

Aktionsplan soll „Warenvernichtung“ beenden und Recycling fördern

EU plant „Recht auf Reparatur“

Brüssel (dpa). Handys, die pünktlich nach Ablauf der Garantie kaputt gehen. Fabrikneue Ware, die auf den Müll kommt. Verpackungen, mit denen nichts mehr anzufangen ist. All das will die EU-Kommission mit einem am Mittwoch vorgestellten Aktionsplan zur Müllvermeidung stoppen.

Ein defekter Schallplattenspieler liegt in einem Nürnberger „Repair Café“ zur Reparatur neben Werkzeugen auf einem Tisch. Die EU will Reparaturen wieder zur Regel machen. Foto: dpa

Geräte sollen länger nutzbar werden, Verbraucher ein „Recht auf Reparatur“ bekommen und Hersteller ihre Produkte von vorneherein entsprechend konstruieren. Umweltschützer und Entsorger finden den Ansatz gut. Aus der Industrie kommt Gegenwind.

Mit ihrem Aktionsplan will die EU-Kommission endlich der seit Jahrzehnten angestrebten „Kreislaufwirtschaft“ näher kommen. Denn heute produziert jeder Europäer nach Angaben der Entsorger jährlich 488 Kilogramm Haushaltsmüll. Pro Kopf entfallen 176 Kilo Verpackungsabfall. „Der einzige Weg ist: nach unten“, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius. Sonst sei auch das Ziel einer klimaneutralen EU bis 2050 nicht zu schaffen.

Katalog von Ankündigungen

Der Aktionsplan ist im wesentlichen ein Katalog von Ankündigungen, die in den nächsten Monaten und Jahren in Gesetzesvorlagen gegossen werden sollen:

– neue Vorschriften für die Konstruktion von Handys, Tablets und Laptops, die in der EU verkauft werden. Die Geräte sollen grundsätzlich reparierbar und dadurch länger nutzbar werden, etwa mit austauschbaren Akkus und Software-Updates. Der Rahmen dazu ist die Ökodesign-Richtlinie.

– ein Verbot der Vernichtung unverkaufter haltbarer Waren

– neue Vorschriften gegen „übermäßige“ Verpackungen

– neue Vorschriften zur Verwendung von recyceltem Material in Kunststoffen, zur Vermeidung von Mikroplastik und zur Nutzung von biologisch abbaubaren Kunststoffen.

– ein Gesetzesvorstoß, um Fast-Food-Wegwerfverpackungen und -besteck durch wiederverwendbare Alternativen zu ersetzen

– eine Strategie zum Recycling von Kleidung und Textilien

– eine Strategie zur Wiederverwendung von Baustoffen, die heute zu 80 Prozent als Schutt enden.

Die Kommission argumentiert vor allem mit dem Nutzen für Umwelt und Klima. Die Hälfte aller Treibhausgase entstehe beim Abbau und bei der Verarbeitung neuer Rohstoffe, die bei Wiederverwendung geschont werden.

Entsorger sehen Vorstoß positiv

Entsorger und Recycler sehen den Vorstoß aus Brüssel positiv. „Die Initiative könnte ein Meilenstein für den Klima- und Ressourcenschutz in der EU werden“, lobte der Verband Kommunaler Unternehmen, in dem auch Entsorger organisiert sind. Bundesumweltministerin Svenja Schulze lobte ebenso den EU-Aktionsplan.

Der Elektronik-Branchenverband Bitkom kritisiert dagegen unter anderem die Pläne für ein „Recht auf Reparatur“. „Eine Verpflichtung, eine Vielfalt von Ersatzteilen für lange Jahre auf Vorrat zu produzieren und einzulagern, dürfte mehr Müll erzeugen als vermeiden“, warnt Bitkom. Zudem könnten Smartphones, die flach, leicht, leistungsfähig, wasser- und staubdicht sein sollten, nicht so konstruiert werden, dass Nutzer sie einfach aufschrauben könnten.

Startseite