1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Politik
  6. >
  7. Lockerungen: Niederlande öffnen Läden und Terrassen

  8. >

Trotz hoher Infektionszahlen

Lockerungen: Niederlande öffnen Läden und Terrassen

Shoppen und ein Bierchen in der Sonne: Die Niederländer machen einen großen Schritt zurück zur Normalität. Doch Ärzte und Virologen warnen: Das kann schiefgehen.

dpa

Gut besucht ist der Außenbereich einer Gaststätte in Utrecht. Foto: Peter Dejong

Amsterdam (dpa) - Trotz anhaltend hoher Infektionszahlen und eines starken Drucks auf die Krankenhäuser haben die Niederlande nach gut vier Monaten den strengen Lockdown gelockert und einen großen Schritt zurück zur Normalität gemacht.

Die Geschäfte durften am Mittwoch wieder Kunden empfangen - ohne vorherigen Termin. Seit 12.00 Uhr bedienten auch wieder Cafés und Restaurants Gäste im Außenbereich. Auch die unpopuläre abendliche Ausgangssperre wurde abgeschafft.

Während die meisten Niederländer jubelten, warnten aber Mediziner und Virologen vor negativen Folgen. Am Mittwoch war die Infektionsrate erneut gestiegen; sie ist jetzt etwa doppelt so hoch wie in Deutschland.

Bei strahlend blauem Himmel und Frühlingstemperaturen füllten sich die Innenstädte von Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag schnell. Vor Kaufhäusern, Boutiquen und Möbelläden bildeten sich lange Warteschlangen. Denn Geschäfte dürfen nicht uneingeschränkt Kunden zulassen, der 1,5 Meter Abstand muss eingehalten werden.

Um Punkt 12 Uhr öffneten dann auch die Gaststätten ihre Terrassen. Auf dem Vrijthof im Zentrum von Maastricht jubelten und sangen die Leute und es wurde Konfetti verstreut. «Es ist voll», sagte eine Kellnerin im Radio, «Aber super-gesellig.» Seit mehr als sechs Monaten sind Gaststätten geschlossen. «Das ist doch endlich wieder mehr Freiheit», sagten zwei Freundinnen in Utrecht dem TV-Sender NOS.

Die Regierung hatte die Lockerungen beschlossen, obwohl die wissenschaftlichen Berater dringend davon abgeraten hatten. Denn die Infektionszahlen sind hoch und der Druck auf Krankenhäuser ist groß. Ärzte warnten vor einem Notzustand in den Kliniken. Es sei ein «kalkuliertes Risiko», erklärte der geschäftsführende Ministerpräsident Mark Rutte. Die Regierung rechnet damit, dass der Druck durch schnelle Impfungen abnehmen werde. Mehr als fünf Millionen Bürger wurden bereits mit mindestens einer Dosis geimpft, das sind etwa 30 Prozent der Erwachsenen.

Cafés und Restaurants dürfen im Außenbereich unter Auflagen bis 18.00 Uhr Kunden bedienen. Die Öffnung der «terrasjes» (Terrassen) ist für den Gaststättenverband «ein kleiner Lichtblick». Doch für viele Wirte rentiere sich die eingeschränkte Öffnung nicht, sagte ein Sprecher. So dürfen an einem Tisch nur zwei Personen sitzen.

Zu Hause dürfen Bürger statt bisher eine Person zwei Gäste am Tag empfangen. Und auch Studenten bekommen zumindest einen Tag in der Woche wieder Präsenzunterricht.

Weiterhin verboten sind aber alle Veranstaltungen mit Publikum wie Sportwettkämpfe, Museen, Theater, Kinos. Es gilt auch Maskenpflicht in öffentlichen Gebäuden.

Die Niederlande bleiben weiterhin ein Hochinzidenzland mit 317 Infektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Das heißt, dass jeder nach einem Aufenthalt im Nachbarland nach wie vor nur mit einem negativen, maximal 48 Stunden alten Covid-Test nach Deutschland einreisen darf. In Niedersachsen gilt auch eine Quarantänepflicht. Ausnahmeregelungen gibt es allerdings für Pendler.

Für deutsche Urlauber oder Tagesbesucher gibt es auch keine Entwarnung. Politiker aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Belgien riefen ihre Bürger dringend dazu auf, auch nicht zu einer Stippvisite über die Grenze zu fahren.

© dpa-infocom, dpa:210428-99-389677/2

Startseite