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Birgit Ernst überzeugt Delegierte – Listenplatz 7 ist keine Garantie

Mit dieser Rede war mehr drin

Siegburg (WB). »Ich wäre auch in eine Kampfabstimmung um Platz 6 gegangen«, sagte Birgit Ernst nach der CDU-Landesvertreterversammlung. Doch das hatte der Landesvorstand nicht vorgesehen. Nun steht die 50-Jährige, wie berichtet, auf Platz 7 der Europawahl-Liste der NRW-CDU.

Andreas Schnadwinkel

Birgit Ernst hat mit einer persönlichen Rede die Sympathien der CDU-Delegierten in Siegburg gewonnen. Foto: Andreas Schnadwinkel

Nach Elmar Broks Verzicht auf die erneute Kandidatur soll nun Birgit Ernst am 26. Mai das Mandat der ostwestfälisch-lippischen CDU im Eu­ropaparlament verteidigen. Die Aussichten sind nicht so schlecht, aber eine Garantie für Brüssel ist Listenplatz 7 nicht – anders als Platz 6.

»Ich will einen starken Wahlkampf machen und brauche auch ein Quäntchen Glück«, sagte die 50-Jährige aus Werther (Kreis Gütersloh), die sich aufgrund ihrer Vita aber eher als Bielefelderin sieht: »Ich bin in Bielefeld geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen. Und heute arbeite ich dort als Steuerberaterin.«

Große Freude bei Andreas Rüther

Entsprechend groß war die Freude des Bielefelder CDU-Kreisvorsitzenden Andreas Rüther, der sich in der Rhein-Sieg-Halle bei Ralph Brinkhaus für die Nominierung von Birgit Ernst bedankte.

Der Bezirksvorsitzende der CDU in OWL hatte am frühen Samstagmorgen vor Beginn der Landesvertreterversammlung mit dem CDU-Landesvorstand über die neue Reihenfolge verhandelt.

Mehr als Platz 7 konnte er nicht rausholen. Erst am Freitagabend hatte sich der CDU-Bezirksvorstand knapp für Birgit Ernst und gegen Bernd Schulze-Waltrup aus Paderborn entschieden.

»Die Stimmung im Landesvorstand war trotz der Nominierung einer Frau nicht pro OWL. Der Bezirk ist mit einem blauen Auge davongekommen«, sagte ein Mitglied des Landesvorstands dem WESTFALEN-BLATT. »Wir können zufrieden sein. Mehr war nicht drin«, sagte auch Brinkhaus.

Verzicht von Bunse

Für Birgit Ernst hatte Antoinette Bunse aus Bottrop (Bezirksverband Ruhr) auf Platz 7 verzichtet. Nun ist jeder der acht CDU-Bezirksverbände unter den ersten acht Plätzen vertreten: Peter Liese (Südwestfalen), Markus Pieper (Münsterland), Sabine Verheyen (Aachen), Axel Voss (Mittelrhein), Dennis Radtke (Ruhr), Stefan Berger (Niederrhein), Birgit Ernst (Ostwestfalen-Lippe) und Uwe Pakendorf (Bergisches Land).

Warum gab sich Brinkhaus mit dem wackligen Platz 7 zufrieden, obwohl OWL mit 17.500 Mitgliedern der zweitgrößte CDU-Bezirk in NRW ist und Birgit Ernst als Frau Anspruch auf Platz 6 gehabt hätte? Eine Erklärung: Als Chef der Unionsfraktion im Bundestag kann Brinkhaus nicht nur an OWL denken. So verzichtete er darauf, Stefan Berger (holte mit 78,4 Prozent das schlechteste Votum) vom Niederrhein anzugreifen. Denn dessen Bezirksvorsitzender Günter Krings ist Chef der NRW-Landesgruppe der CDU im Bundestag. Mit ihm wollte es sich Brinkhaus wohl nicht verderben.

Die Stimmung im Saal war eine andere und weniger taktisch geprägt. »Mit ihrer Rede hätte Birgit Ernst den Berger doch locker in die Tasche gesteckt«, hieß es bei den 34 Delegierten aus OWL. In der Tat präsentierte sich die Mutter zweier Söhne und einer Tochter (13, 14 und 16 Jahre alt) überaus sympathisch und kompetent – und noch dazu als überzeugte Europäerin: »Meine Idee von Europa lasse ich mir von den Orbáns, Ka­czyńskis, Le Pens und Gaulands dieser Welt nicht nehmen.«

Kuper: »Besser kann man sich nicht vorstellen.«

Stolz war André Kuper. »Besser kann man sich nicht vorstellen. Wer gedacht hat, dass wir aus OWL mit einer Quotenfrau kommen, staunt jetzt. Das ist politische Qualität«, sagte der NRW-Landtagspräsident aus Rietberg (Kreis Gütersloh). CDU-Generalsekretär Josef Hovenjürgen machte den Kandidaten auf den Plätzen 7 und 8 Mut: »Wenn wir klarmachen, dass die CDU die Europapartei ist, dann können wir ein gutes Wahlergebnis erzielen und mit acht Abgeordneten ins Europaparlament einziehen.«

Vermisst wurde Elmar Brok, der sich in Abwesenheit für seine Lebensleistung loben ließ. Dass der dienstälteste Europaabgeordnete nicht nach Siegburg kam, hielt der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Goeken aus Bad Driburg für klug: »So hatte Birgit Ernst die ganze Aufmerksamkeit.«

Brok erklärte gestern, dass er Birgit Ernst »mit voller Kraft un­terstützen« werde. »Ich halte sie für eine geeignete Kandidatin für das Eu­ropaparlament. Sie ist eine überzeugte Europäerin und befähigt, OWL in Europa zu vertreten«, sagte Brok und kündigte an, im Wahlkampf viele Termine für und mit Birgit Ernst wahrnehmen zu wollen.

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