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Aktion der Landeselternschaft der Gymnasien

Umfrage zur Corona-Politik: Schulleiter in NRW beklagen sich über Ministerium

Münster/Düsseldorf (WB). „Man hat manchmal das Gefühl, das Ministerium befindet sich auf einem anderen Planeten.“ So frustriert antwortete eine Schulleitung in einer Blitzumfrage der Landeselternschaft der Gymnasien bei den Gymnasien auf die Frage, wie sie die Zusammenarbeit mit dem Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalens einschätzt.

Dorle Neumann

Ein Lehrer hängt auf dem Flur eines Gymnasiums ein Einbahnstraßen-Schild auf. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Dass dies kein vereinzelter Eindruck ist, belegen Zahlen: 87 Prozent der 239 teilnehmenden Schulen erklärten, sie fühlten sich vom Ministerium nicht ausreichend unterstützt. Und 83 Prozent fühlen sich nicht gut informiert. So klagt eine andere Schulleitung, dass das Ministerium zunächst die Presse mit (Halb)-Informationen versorge. Das führe zu Elternnachfragen und -erwartungen, noch bevor die Schulen informiert seien, geschweige denn planen oder Konzepte erarbeiten könnten.

„Informationen auf den letzten Drücker“

„Die Informationen kommen immer auf den letzten Drücker“, beschwert sich die Spitze eines anderen Gymnasiums und stößt damit ins selbe Horn wie der Vertreter eines Kollegiums, der meint: „Mails, die Samstagabend um 22.30 Uhr verschickt werden und deren Umsetzung zwei Tage später erfolgen soll, erzeugen massiven Druck.“

Die Corona-Lage bringt einige Schulleitungen dazu, den kategorischen Wunsch zu äußern, das Schuljahr zu wiederholen.

In der Frage, ob eine zentrale Organisation des Distanzunterrichts sinnvoll sei, sind die Schulleitungen aber gespalten: 50,4 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage meinen ja, 49,6 Prozent lehnen dies ab.

Die Kollegien bereiten sich auch sehr unterschiedlich auf das kommende Schuljahr vor. 152 erklärten, sie nähmen für die Zeit nach den Sommerferien nur eine Option der möglichen Szenarien – Präsenzunterricht, Mischung aus Präsenz und Online, vollständiger Onlineunterricht – in Angriff. 71 bereiten zwei Optionen vor, nur 16 wappnen sich für alle drei.

Allzu flexibel geben sich die Schulleitungen auch in anderer Hinsicht nicht. Auf die Frage, ob Samstagsunterricht ein probates Mittel zur Bewältigung der Situation sei, antworteten 70 Prozent mit Nein. Erklärung: Dann fehle die Zeit zur Erholung und für Korrekturarbeiten.

„Kein Konzept“

Das Fazit des Landeselternrats in puncto planvolle Pandemie-Bewältigung an den Schulen ist ebenso ernüchtert wie vorwurfsvoll: „Wenn es um die Bildung unserer Kinder geht, zählt jeder Tag. Nach einem Vierteljahr ist immer noch kein Konzept bekannt. Weder Schülern noch Lehrern und vor allem nicht den Schulleitungen – drei Wochen vor Beginn der Sommerferien!“

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