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Pandemie

Von Parkplatz bis Festival: Länder planen neue Impf-Angebote

Berlin (dpa)

Im Kampf gegen Corona sollen möglichst viele für Impfungen gewonnen werden - vor Ort sind auch ungewöhnliche Aktionen geplant.

Von dpa

Ein zum Impfmobil umgebautes Wohnmobil in Dresden. Mehrere Bundesländer bereiten neue, einfachere Angebote für Impf-Unentschlossene vor. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Angesichts des teils nachlassenden Andrangs bei den Corona-Impfungen in Deutschland bereiten mehrere Bundesländer neue, einfachere Angebote für bisher Unentschlossene vor.

Angedacht sind Aktionen unter anderem auf Parkplätzen, bei Veranstaltungen, in Bürgerhäusern, Kirchen und Moscheen oder in Jobcentern, wie es von zuständigen Ministerien heißt. Ziel sind zusätzliche unkomplizierte Impfgelegenheiten ohne größeres Kümmern um Termine in Praxen und Impfzentren - auch dort sind nach monatelangen Wartezeiten jetzt aber häufig leichter Termine zu bekommen, wie mehrere Länder betonen.

Ein Überblick über einige Ideen, die die Impfkampagne vor Ort ankurbeln sollen:

In BAYERN wollen etwa Bamberg und Augsburg künftig auf Impfaktionen in Stadtteilen und auf Impfbusse setzen. Der oberbayerische Landkreis Pfaffenhofen will derweil das Terminsystem bei seinen beiden Impfzentren komplett abschaffen. «Eine Terminbuchung ist weiterhin möglich, dadurch können gegebenenfalls anfallende Wartezeiten vermieden werden», hieß es. Die niederbayerische Stadt Straubing sowie der Landkreis Straubing-Bogen organisieren «Feierabendimpfungen» bis 20.00 Uhr am Abend.

In BRANDENBURG will das Gesundheitsministerium nach dem Ende der Sommerferien eine Kampagne starten, die sich an jüngere Leute richten soll. «Wir wollen einen Paradigmenwechsel: Der Impfstoff soll zu den Menschen kommen, nicht wie bislang die Menschen zum Impfstoff», sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ziel seien unkomplizierte Angebote: «Impfen auf Parkplätzen, am Strand und auf Festivals, ohne Termin.» Man sei mit den Kommunen im Gespräch.

In HAMBURG sollen mobile Teams zu mehreren Aktionen ausrücken, wie ein Sprecher der Gesundheitsbehörde der dpa sagte. Geplant sind ab Ende Juli Impfangebote für bis zu 40 000 Sozialleistungsbezieher - Termine sollen wie übliche Beratungstermine direkt mit dem Jobcenter gemacht werden können, die Impfungen werden dann auch wohnortnah am gewohnten Jobcenter-Standort verabreicht. Geplant seien parallel Impfangebote in Bürgerhäusern und auch in Elternschulen, Kirchen oder Moscheen. Ziel sei es, durchaus impfbereite Menschen zu erreichen, die bisher aber nicht selbst für Termine initiativ geworden sind.

Vollkommen «spontane» Impfaktionen wie auf Marktplätzen würden in Hamburg derzeit nicht geplant, erläuterte der Sprecher. «Bei unseren Angeboten soll ein würdiger Rahmen bestehen und eine angemessene Anamnese, Aufklärung und Dokumentation erfolgen – insbesondere auch, um die Durchführung der Zweitimpfung sicherzustellen.» Auch Prämien für Impfungen seien derzeit nicht vorgesehen.

Ebenfalls auf Angebote an verschiedensten Orten setzt MECKLENBURG-VORPOMMERN. Ob Therme, Sporthalle, Marktplatz oder Landes-Öko-Zentrum - im Osten Mecklenburgs und in Vorpommern sollen die Bürger demnächst viele Möglichkeiten zur Corona-Impfung bekommen. «Wir gehen beim Impfen jetzt noch einen Schritt auf die Bürgerinnen und Bürger zu», sagte der Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald. Der Besuch der Impfzentren Greifswald und Pasewalk sei beispielsweise ohne Termin möglich.

Auch NIEDERSACHSEN will mit dezentralen und mobilen Impfangeboten das Tempo der Kampagne weiter hochhalten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums können die Landkreise und kreisfreien Städte den Impfstoff selbstständig etwa für Impfaktionen an Universitäten oder in sozial benachteiligten Quartieren verplanen. Spezielle Anreize wie etwa Lotterien sind nicht geplant.

In NORDRHEIN-WESTFALEN werden die schützenden Spritzen in den Impfzentren künftig auch ohne Termin verabreicht. «Wir haben den Wendepunkt der Impfkampagne erreicht», sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag. Am Montag werde eine «Woche des Impfens» gestartet. Wer ohne Termin geimpft werden wolle, solle sich aber vorher informieren, ob das im örtlichen Zentrum schon zu Wochenbeginn möglich sei. Vorrangig geimpft würden weiterhin Bürger mit Termin. «Es gibt bereits Städte, die bei Discomusik und alkoholfreien Cocktails impfen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt», sagte Laumann. Die Landesregierung werde die Kreise und kreisfreien Städte bei der Ausstattung zum mobilen Impfen unbürokratisch unterstützen. In den Impfzentren gebe es für die kommende Woche noch rund 300 000 freie Termine. Die «Woche des Impfens» werde daher mit der Kampagne «#Beatthevirus» (zu deutsch etwa: Besiege das Virus) auch in den sozialen Medien unterstützt.

In RHEINLAND-PFALZ wird der Einsatz von Impfbussen erwogen, damit sich die Menschen ohne Registrierung etwa auf Marktplätzen oder in Einkaufsstraßen impfen lassen können. Diese Idee werde zurzeit noch geprüft, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) am Donnerstag. Zudem werde mit der Bundesagentur für Arbeit und den Tafeln beraten, welche Aktionen in deren Umfeld möglich seien. Voraussichtlich von kommender Woche an sollen sich die Menschen auch ein Impfzentrum aussuchen dürfen. Bislang war dies an den Wohnort gekoppelt. Ein Ampelsystem soll bei der Registrierung anzeigen, wie lang die Wartezeit für Termine im jeweiligen Zentrum ausfällt.

In SACHSEN-ANHALT werben Landkreise bereits mit unterschiedlichen Aktionen, wie eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte - von Impfungen im Einkaufszentrum über verlängerte Öffnungszeiten der Impfzentren bis zu Impftagen, an denen kein gebuchter Termin notwendig ist. In BADEN-WÜRTTEMBERG erklärte das Sozialministerium mit Blick auf die Impfzentren: «Wer in letzter Zeit nicht mehr nach Terminen gesucht hat, hat jetzt wieder gute Chancen.» Kommen sollen auch Impfaktionen etwa vor Supermärkten oder an anderen zentralen und gut zugänglichen Orten, wie Minister Manne Lucha (Grüne) der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» (Donnerstag) sagte.

In SCHLESWIG-HOLSTEIN gibt es unter anderem bereits Impfangebote an Hochschulen. Mobile Teams impften auch gezielt Erntehelfer, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Bei «Quartiersimpfungen» in Wohnvierteln könnten sich auch Menschen impfen lassen, die es sonst möglicherweise nicht tun würden. Bei sogenannten Open-House-Aktionen können sich die Menschen in einigen Impfzentren auch ohne Termin impfen lassen. Impfungen in Fußgängerzonen sind laut Ministerium derzeit nicht geplant.

In SACHSEN sollen diverse Akteure am 20. Juli zu einem Impfgipfel eingeladen werden. Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) hält nichts von Restriktionen gegen Impfmuffel, wie er in Dresden sagte. Man wolle vielmehr mit Anreizen arbeiten, das sei vielversprechender. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) untersucht derzeit, wie viele Termine nicht wahrgenommen wurden. Bisher könne das nicht valide beziffert werden, sagte ein Sprecher. Es gebe viele, die Termine umbuchten und sich dann zu einer anderen Zeit oder an anderem Ort impfen ließen. Nach jetzigen Schätzungen verfielen etwa fünf Prozent gebuchter Termine. In THÜRINGEN waren Angebote wie etwa ein spezieller Studierenden-Impftag zuletzt nur verhalten genutzt worden.

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