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Mehr Tante-Emma-Läden schließen – Vollsortimenter überholen die Discounter

Supermärkte machen Kasse

Berlin

Der Lebensmittel-Einzelhandel in Deutschland gilt als einer der großen ökonomischen Gewinner der Corona-Krise. Das ist auch nicht verwunderlich, weil die Menschen in der Pandemie viel mehr zu Hause waren. Mehr als acht Prozent betrug das Wachstum dieser Sparte im vergangenen Jahr.

Von Georg Winters 

Die Regale sind gut gefüllt: In der Corona-Krise haben Verbraucher deutlich mehr Lebensmittel eingekauft, weil Restaurants und Kantinen geschlossen waren. Vor allem die großen Supermärkte profitierten davon. Foto: imago

Der Boom im Lebensmittelhandel insgesamt ist die eine Seite. Die andere: Jedes Jahr verschwinden fast unbemerkt viele kleine Lebensmittelhändler vom Markt. Als solche definiert das Kölner Forschungs- und Beratungsinstitut EHI Retail jene Unternehmer, die ihre Waren auf maximal 400 Quadratmeter Verkaufsfläche anbieten.

Das entspricht gerade mal 60 Prozent der Fläche, die der Strafraum beim Fußball ausfüllt. Typischerweise Selbstbedienungsgeschäfte, auch gern Nachbarschaftsläden genannt, Convenience-Shops, mitunter auch der gute alte Tante-Emma-Laden, der kleine Krämer um die Ecke – ohne dass das respektlos klingen soll.

Von diesen kleineren Händlern gab es im Jahr 2010 noch mehr als 11.000, im vergangenen Jahr waren es nur noch 8450. Mit anderen Worten: Binnen eines Jahrzehnts ist etwa jedes vierte Kleinunternehmen dieser Art vom Markt verschwunden. Allein im vergangenen Jahr waren es knapp 100. Ihr Anteil an den gesamten Erlösen im Lebensmittelhandel betrug nur noch 2,8 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es noch fast vier Prozent.

Dagegen legen die Supermärkte zu, die bei der Wachstumsgeschwindigkeit sogar die Discounter abgehängt haben. Als Supermarkt gelten Handelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche zwischen 400 und 2500 Quadratmetern, die nicht nur ein Vollsortiment an Lebensmitteln anbieten, sondern auch Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, Drogeriewaren und Tiernahrung, dazu noch einen kleinen Teil Textilien, Schuhe, Gartenbedarf, Elektroartikel, Bücher, Zeitungen. Diese Produktpalette gilt auch für große Supermärkte, die laut EHI zwischen 2500 und 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche haben.

Nicht nur die Kleinen, auch die Aldis, Lidls und Co. müssen sich Gedanken machen. Seit 2010 ist der Marktanteilsvorsprung der Discounter – immer noch führende Gruppe im Lebensmittelhandel – von fast 20 auf 11,6 Prozentpunkte geschrumpft. Die Discounter haben zwar reagiert, sie haben für Milliardensummen ihre Filialen aufgehübscht, haben viel mehr Markenartikel im Sortiment als früher, als niedrigere Preise das größte Werbeargument waren.

Trotzdem wachsen die Supermärkte schneller. Ihre Umsatzsteigerung, die in den zehn Jahren vor der Pandemie bei etwa drei Prozent gelegen hatte, betrug im vergangenen Jahr mehr als 13, die der großen Supermärkte fast zwölf Prozent.

Warum ist das so? „In der Pandemie haben die Menschen ihr Einkaufsverhalten verändert. Sie haben seltener, aber dafür mehr eingekauft. Davon haben die Supermärkte mit ihrem breiten Sortiment besonders profitiert“, sagt EHI-Retail-Geschäftsführer Michael Gerling. Das erklärt aber noch nicht den Langfrist-Trend.

„Die Vollsortimenter haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit gemacht. Zum Beispiel haben sie mit den Eigenmarken Produktlinien entwickelt, die preislich mit den Discountern konkurrieren konnten, sie produzieren selbst in den Märkten, und sie haben es geschafft, das auch erfolgreich zu kommunizieren.“ Und noch ein Vorteil: „Sie punkten auch mit ihren regionalen Angeboten. Das können die Discounter nicht leisten“, lautet Gerlings Einschätzung.

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