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Nach Anschlag

Erste Maschine mit verletzten Soldaten aus Mali gelandet

Wunstorf/Bamako (dpa)

13 Blauhelmsoldaten wurden bei dem Anschlag in Mali teils schwer verletzt, darunter zwölf Deutsche. Die ersten Verletzten sind nun in Deutschland angekommen.

Von dpa

Ein militärisches Transportflugzeug mit medizinischer Einrichtung, ein Airbus A400 M MedEvac der Luftwaffe, wird im niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorfauf den Abflug in Richtung Mali vorbereitet. Foto: Swen Pförtner/dpa

Nach dem Selbstmordattentat im westafrikanischen Mali auf Blauhelmsoldaten sind die ersten der zwölf verletzten Bundeswehr-Soldaten in Deutschland gelandet.

Der Evakuierungsflug einer Maschine vom Typ A400M landete nach Angaben der Luftwaffe am Samstagnachmittag in Köln. An Bord waren die drei schwer verletzten deutschen Blauhelm-Soldaten und jene, die liegend transportiert werden müssen. Sie sollen ins Bundeswehr-Zentralkrankenhaus nach Koblenz gebracht werden.

Von Köln war am Vormittag bereits ein zweiter Airbus gestartet, der die anderen verletzten Soldaten aus Mali zurückzubringen soll.

Dieser fliegt nach dpa-Informationen nach Niamey, die Hauptstadt von Niger. Dort betreibt die Bundeswehr einen Luftwaffentransportstützpunkt einschließlich Verwundetenversorgung für den Mali-Einsatz. Diese Maschine soll die anderen Verwundeten nach Stuttgart fliegen. Von dort aus sollen sie zur weiteren medizinischen Behandlung ins Bundeswehr-Krankenhaus nach Ulm kommen.

Fliegende Intensivstation

Der Flugzeugtyp ist als fliegende Intensivstation einsetzbar und wurde unter anderem auch in der Corona-Pandemie für die Verlegung von Patienten aus Italien und Frankreich nach Deutschland genutzt.

Am Freitagmorgen um 6.28 Uhr Ortszeit hatte ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe eine Patrouille deutscher UN-Soldaten angegriffen und dabei 13 Menschen verletzt. Es handelte sich nach offiziellen Angaben um zwölf Deutsche und einen Belgier. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte noch am Freitag, von den Deutschen seien drei schwer verletzt. Die Soldaten sicherten nach UN-Angaben den Konvoi eines malischen Bataillons. Vorangegangen sei am Vortag die Explosion eines Sprengsatzes, bei der es aber nur Sachschaden an einem Fahrzeug gegeben habe.

Rund 900 deutsche Soldaten beteiligt

Der Selbstmordanschlag wurde rund 180 Kilometer nordöstlich der Stadt Gao verübt, in deren Nähe die meisten Bundeswehrsoldaten in Mali stationiert sind. Zum Zeitpunkt des Angriffs um 8.28 deutscher Zeit befanden sich die Soldaten noch in einer «Nachtaufstellung», also einer Art schützenden Wagenburg, wie aus einer Information des Einsatzführungskommandos an die Obleute hervorging. «Unter Einsatz ziviler Rettungshubschrauber und eines UN-Hubschraubers wurden die Verwundeten nach Gao in französische, chinesische und deutsche Sanitätseinrichtungen verbracht», hieß es weiter.

Derzeit sind rund 900 deutsche Soldaten an der UN-Mission Minusma beteiligt. Die Obergrenze liegt bei 1100 Männern und Frauen aus Deutschland. Der Einsatz soll den Friedensprozess in Mali unterstützen. In dem Land sind islamistische Terrorgruppen aktiv. 2013 schlug ein massiver französischer Militäreinsatz ihren Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako zurück. Auch organisierte Kriminalität und grenzübergreifender Schmuggel sind ein Problem in der Region, über die Migrationsrouten nach Nordafrika und weiter Richtung Europa laufen.

Mali auf dem Weg zum radikalen Islamismus?

Zuletzt gab es in Mali zwei Militärputsche. Im Raum stand zuletzt gar die Frage, ob sich Mali nach dem jüngsten Putsch gar in Richtung radikaler Islamismus bewegt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte eine grundsätzliche Neuausrichtung der französischen Militärpräsenz in der Sahelzone an - und eine Ende des französischen Anti-Terror-Einsatzes «Operation Barkhane». Bilaterale militärische Einsätze mit Mali wurden ausgesetzt, um den Druck auf den Krisenstaat und die Putschisten zu erhöhen. Frankreich - das islamistische Terroristen in der Sahelzone aktiv sucht und angreift - hat immer wieder getötete eigene Soldaten zu beklagen.

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Die Nachrichten sind erschütternd. Meine Gedanken sind bei den Soldaten und ihren Angehörigen. Ihnen wünsche ich viel Kraft. Das Wichtigste ist, dass die Verletzten die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten und sicher nach Deutschland gebracht werden.»

Der Linke-Politiker Gregor Gysi forderte den Abzug der deutschen Soldaten aus Mali. Der Einsatz sei von Anfang an falsch gewesen, sagte Gysi, der außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag ist, der Deutschen Presse-Agentur. «Man musste mit einem solchen terroristischen Angriff rechnen.» Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Jan Korte, beantragte Sondersitzungen von Auswärtigem und Verteidigungsausschuss für die kommende Woche. Das Parlament und die Öffentlichkeit hätten ein Recht auf Information und Aufklärung insbesondere zur sich verschlechternden Sicherheitslage in Mali, unterstrich Korte in dem Antrag vom Samstag. In beiden Ausschüssen sollen nach dem Willen der Linken in der nächsten Woche Außenminister Heiko Maas (SPD) und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer Stellung nehmen.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte von der Ministerin ebenfalls umgehend Auskunft über den Angriff. «Was weiß man über die Täter, über deren Herkunft, über deren möglicherweise Beziehungen zur Regierung bzw. zur Armee? Was bedeutet dieser Terroranschlag für den Auftrag und die Mandatsausübung», formulierte Strack-Zimmermann als Fragen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Henning Otte, sprach sich gegen einen Abzug der Bundeswehr aus dem Land aus. Es gehe darum, Mali stabil zu halten und staatliche Strukturen aufzubauen, damit der internationale Terror dort kein Fuß fassen könne, sagte Otte dem Sender NDR Info. Dies sei auch in deutschem Interesse.

In Mali selbst setzte die Bundeswehr die Bergungsarbeiten am Ort des Anschlags fort.

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