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Dr. Oetker hat vor 125 Jahren das Puddingpulver eingeführt

Als Bielefeld »Puddingtown« wurde

Bielefeld (WB). Die Stadt in Ostwestfalen, die es angeblich nicht gibt, wird gelegentlich auch »Puddingtown« genannt. Den Grundstein dafür legte vor nun 125 Jahren die Unternehmerfamilie Dr. Oetker.

Bernhard Hertlein

Werbung im Stil einer Zeit, in der das Glück der Frau angeblich darin bestand, dem Mann eine Freude zu machen. Foto: Hertlein

Nur ein Jahr, nachdem der Bielefelder Apotheker und Gründer Dr. August Oetker erstmals Backpulver in Tütchen abgepackt hat, füllte er auch Puddingpulver portionsweise ab. Es diene, so stand auf der kleinen Packung, »zur Bereitung eines feinen Puddings ohne Eier, ausreichend für drei bis sechs Personen«. Gleich zu Beginn gab es das Puddingpulver in zwei Geschmacksrichtungen, die auch heute noch die erfolgreichsten sind: Vanille und Schokolade.

Die ersten Puddings hießen in Deutschland »Stärke-Mus«

Dr. Oetker war um 1894 nicht der einzige, der die süße Leckerei mit Pulver für breite Schichten erschwinglich machte. Die Maisstärke, die zuvor nur Basis gewesen ist, war aufwendig in der Herstellung und teuer. Die ersten süßen Puddings hießen in Deutschland daher auch »Stärke-Mus«.

Das Wort »Pudding« selbst kam ursprünglich aus England. Dort bezeichnete es zunächst kein Dessert, sondern ein aus Brot, Gemüse oder Fleisch bestehendes Gericht in Form eines großen Knödels, das in kochendem Wasserbad zubereitet wurde.

Pudding-Zutaten haben sich in 125 Jahren kaum verändert

Was den Pudding betrifft, wie man ihn heute kennt, so haben sich die Bestandteile und die Art der Zubereitung nach Angaben von Dr. Oetker im Verlauf der 125 Jahre kaum verändert. Zutaten für das Pulver sind vor allem Stärke, Zucker, Natrium, Eiweiß, Vitamine, Aroma- und Farbstoffe. Hinzugefügt werden zu Hause nur Milch und Zucker, alles zusammen aufgekocht und abgekühlt – es sei denn, man bevorzugt ihn warm.

Am Sitz der Oetkers in der Bielefelder Lutterstraße roch es früher regelmäßig nach Vanille. Heute ist in der ehemaligen Puddingproduktion das Firmenmuseum »Dr. Oetker-Welt« untergebracht. Alte Plakate zeigen dort unter anderem einen Mann in weißem Hemd und hellblauer Krawatte, darunter der Schriftzug: »Männer mögen Dr. Oetker Pudding.«

Seit 1972 gibt es bei Dr. Oetker gekühlte Fertigpuddings

Neben Pulver gibt es seit geraumer Zeit auch gekühlte Fertigpuddings – bei Dr. Oetker seit 1972. In Deutschland ist der Lebensmittelhersteller Ruf in Quakenbrück der größte Konkurrent für den Pudding aus Puddingtown. Hinzu kommen Albona, Meier und einige Handelsmarken. Es gibt Pudding in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen; außer Schoko und Vanille etwa Erdbeere, Himbeere, Zitrone, Mandarine, Mango, Mandel, Cappuccino und Karamell. Auch gibt es am Markt Bio- und veganes Puddingpulver.

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