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Auch 2020 sinkende Rendite bei Lebensversicherungen erwartet

Deutschland ist in Europa in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall. Wird sind das einzige Land innerhalb der EU, in dem noch kein allgemeines Tempolimit gilt und wir haben auch im Bereich der Geldanlage stets einen eigenen Weg eingeschlagen. Dieser hieß: Maximale Sicherheit – auch wenn dies geringere Renditen bedeutet.

Die Zinspolitik der EZB sorgt dafür, dass Lebensversicherer immer schwieriger annehmbare Renditen erzielen können. Die durchschnittliche Verzinsung sinkt auch 2020 wieder. Foto: Dimitri Karastelev / Unsplash.com

Noch vor 30 Jahren waren Bausparverträge und Kapitallebensversicherungen das Mittel der Wahl, wenn es um den Bereich der Geldanlage ging. Das aktuell niedrige Zinsniveau sorgt hier zwar für Verschiebungen, jedoch passieren diese auch eher langsam. Wer jedoch auf Kapitallebensversicherungen zum Vermögesaufbau setzt, musste sich zuletzt mit immer weiter sinkenden Renditen begnügen. Dies dürfte auch im Jahr 2020 nicht anders aussehen. Doch was können Anleger angesichts solch magerer Aussichten tun?

Das niedrige Zinsniveau senkt die Rendite enorm

Natürlich stellt sich die Frage, warum Lebensversicherungen nicht mehr so attraktiv sind wie in der Vergangenheit. Dies ist vor allem auf zwei wichtige Aspekte zurückzuführen:

1. Das allgemein niedrige Zinsniveau

Vor allem bei klassischen Kapitallebensversicherungen wird das Kapital sehr konservativ in Staatsanleihen investiert. Kunden erhalten dabei den Garantiezins (staatlich zugesichert) plus eine Überschussbeteiligung. Der Garantiezins bewegt sich schon seit einigen Jahren auf dem mageren Niveau von 0,9% und die Überschussbeteiligungen sinken stetig. So lag der Durchschnittswert 2019 bei einer Verzinsung von 2,46% pro Jahr. Schuld daran ist vor allem das niedrige Niveau der Leitzinsen. Dadurch bringen Staatsanleihen nur noch magere Verzinsungen und die Lebensversicherer wissen nicht, wie sie gute Renditen erwirtschaften sollen. So hat auch die Allianz mit ihren verhältnismäßig attraktiven Verträgen angekündigt, die laufende Verzinsung für klassische Lebens- und Rentenpolicen mit lebenslangen Garantien im Jahr 2020 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,5% zu senken.

2. Die hohen Kosten

Der Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung ist nicht selten mit recht hohen Kosten verbunden. So müssen Anleger durchschnittlich mit ca. 4-5% an Abschlusskosten einmalig und nochmal ca. 2% an Verwaltungskosten pro Jahr rechnen. Zwar sind Anbieter verpflichtet, die Abschlusskosten zeitlich zu strecken (in den ersten 5 Jahren dürfen maximal 2,5% der Beiträge als Kosten abgezogen werden), aber trotzdem wirkt sich das erheblich auf die Rendite aus.

Die Branche hat auf dieses Manko reagiert und bietet mittlerweile vermehrt Produkte an, die auf Immobilienbasis oder durch eine erhöhte Aktienquote für höhere Renditen sorgen.

Doch hier müssen sich Anleger von einer festen Rendite verabschieden und in Kauf nehmen, dass die Planbarkeit etwas abnimmt. Trotzdem bleiben auch hier oft die verhältnismäßig hohen Gebühren, die den Anleger die Rendite verhageln. Mit Fondsparplänen und ETFs gibt es hier oft lohnendere Lösungen.

Was können Verbraucher mit alten Verträgen tun?

Wer vor 10 oder 20 Jahren eine Lebensversicherung zur Vermögensbildung abgeschlossen hat, steht nun also häufig vor der Situation, dass er regelmäßig Beiträge in eine Investition steckt, die nur in wenigen Fällen wirklich gute Renditen abwirft. Doch was lässt sich in einer solchen Situation tun? Viele Anleger denken dabei an eine Kündigung, doch es gibt es zahlreiche Alternativen. Welcher der Wege letztlich am besten ist, hängt immer vom jeweiligen Vertrag ab, wie auf Lebensversicherung-verkaufen.net genauer erklärt wird:

1. Verkauf einer Lebensversicherung

Es existiert mittlerweile ein recht lebhafter Zweitmarkt für Lebensversicherungen. Hier kaufen spezialisierte Anbieter Lebensversicherungen auf und bieten dabei einen Preis, der zumindest leicht über dem Rückkaufswert liegt. Der Rückkaufswert ist der Betrag, den die Versicherung bei einer Kündigung selbst an den Versicherten auszahlt.

Im Vergleich zur Kündigung ergeben sich dabei einige Vorteile:

  • Oft etwas höherer Ertrag als bei der Kündigung
  • In den meisten Fällen bleibt der Versicherungsschutz (Todesfallabsicherung) erhalten

In Bezug auf die Besteuerung kommt es ganz auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses an. Wer seine Lebensversicherung vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen hat, kann die Erträge aus dem Verkauf steuerfrei behalten. Ansonsten muss die (positive) Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den eingezahlten Beiträgen mit dem Abgeltungssteuersatz von 25% plus Solidaritätszuschlag (und eventuell Kirchensteuer) versteuert werden.

2. Beitragsfreistellung

Wer die Kosten für die Versicherung loswerden möchte, kann den Vertrag auch einfach beitragsfrei stellen. In diesem Fall wird die Versicherungssumme entsprechend reduziert und in vielen Fällen bedeutet das auch das Ende des Todesfallschutzes. Anfallende Verwaltungsgebühren werden von der bereits angesparten Summe im Vertrag abgezogen. Trotzdem verzinst sich das Guthaben weiter und es müssen keine Beiträge entrichtet werden. Alternativ bietet sich auch eine Beitragssenkung an, die ebenfalls ein Absinken der Versicherungssumme zur Folge hat.

3. Policendarlehen

Ein Policendarlehen ändert nichts am Vertrag der Lebensversicherung, sorgt jedoch für eine sofortige Auszahlung. Hierbei zahlt der Versicherer die diskontierte Ablaufleistung an den Versicherten aus. Da aufgrund der Besicherung durch das Darlehen keine Bonitätsprüfung anfällt, lohnt sich ein solcher Schritt häufig für Selbständige, die Geld benötigen. Doch Vorsicht: Die Zinsen für Policendarlehen sind nicht sonderlich günstig.

Wer als Versicherter also mit dem Gedanken der Kündigung seiner Lebensversicherung spielt, sollte immer erst die Alternativen abwägen. Oft bedeutet die Kündigung einen deutlichen Verlust von Geld. Dies ist gerade dann der Fall, wenn die Police noch nicht allzu lange läuft, da in den ersten Jahren die Kosten durchschlagen.

Wer Liquidität benötigt, sollte oft lieber auf ein Policendarlehen zurückgreifen oder die Lebensversicherung verkaufen und den Versicherungsschutz im Todesfall behalten.

Wer schnell Geld benötigt, kann seine Police beitragsfrei stellen oder auch ein Policendarlehen nutzen - beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Foto: Unsplash.com

Lebensversicherungen stets genau prüfen

Der Abschluss einer Lebensversicherung zum Zwecke der Kapitalbildung ist heute angesichts sinkender Renditen in vielen Fällen nicht die beste Lösung. Zwar werden entsprechende Rentenversicherung durch die Riester-Rente gefördert, jedoch gibt es mit Fondssparplänen auch diesbezüglich durchaus günstigere Alternativen. Sollte dennoch eine Kapitallebensversicherung gewünscht werden, ist auf jeden Fall ein Blick auf die mögliche Rendite und gängige Überschussbeteiligung wichtig. Altverträge können bei Bedarf wahlweise beitragsfrei gestellt, gekündigt, verkauft oder per Policendarlehen beliehen werden. Welche der Alternativen dabei infrage kommt, hängt immer ganz von den individuellen Gegebenheiten ab.

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