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Autokredit: Mobilität günstig finanzieren

Mehr als jeder zweite in Deutschland besitzt ein Auto. Anfang 2021 waren gut 48 Millionen Fahrzeuge angemeldet, was einem Allzeit-Hoch gleichkommt. Dass Mobilität im Allgemeinen eine große Rolle spielt und Autokauf zum Alltag gehört, ist unbestritten. Doch wie sieht es im Speziellen aus? Wie lässt sich der eigene Pkw möglichst günstig finanzieren? Der Beitrag liefert Geldwerte Tipps rund um die Autofinanzierung.

Junge Autofahrer tendieren gerne zu Neufahrzeugen. Foto: pixabay.com © nhilbanda

Tipp 1: Jung und gebraucht statt frisch vom Band

Ein wesentlicher Aspekt bei der Finanzierung ist selbstverständlich die Höhe der Kreditsumme. Je höher diese ist, desto mehr Zinsen bezahlen Kreditnehmer für ein Darlehen insgesamt. Natürlich ist ein Neuwagen attraktiv und lässt sich individuell ausstatten, das spricht auch immer mehr junge Käufer an. Einen Vorteil sehen Käufer vor allem darin, dass in absehbarer Zeit vermutlich keine teuren Reparaturen anfallen werden.

Bei einem Gebrauchtwagen hingegen müssen Käufer damit rechnen, dass schon bald Verschleißteile zu ersetzen sind und dass weitere Werkstattbesuche auf dem Programm stehen - natürlich abhängig vom Alter des Autos und der Laufleistung. Ein sinnvoller Kompromiss zwischen Neu- und Gebrauchtwagen ist ein junger Gebrauchtwagen.

Ein junger Gebrauchtwagen wird von Autohändlern genau gecheckt und in der Regel mit einer Händlergarantie verkauft. Käufer profitieren von einem fast neuen Auto zu einem günstigen Preis. Ein gute Idee bei der Auswahl eines jungen Gebrauchten ist, sich ein Modell auszusuchen, das erfahrungsgemäß keine Probleme macht. Hilfreich ist die ADAC-Pannenstatistik, die jedes Jahr zeigt, welche Automodelle wie häufig die Pannenhilfe nutzen mussten. Hier finden sich 2020 unter den zuverlässigsten Fahrzeugen überraschend viele Modelle von Audi, BMW und Toyota.

Vor dem Autokauf ist ein Kreditvergleich ratsam. Foto: pixabay.com © geralt

Tipp 2: Zweckgebundenen Kredit bei einer unabhängigen Bank aufnehmen

Autokredit ist nicht gleich Autokredit. Viele Händler arbeiten mit Partnerbanken zusammen und versprechen eine günstige Finanzierung direkt in der Filiale. Doch hier sollten Verbraucher sehr genau hinsehen. Zunächst einmal ist der Händler lediglich Vermittler, er ist spezialisiert auf den Autoverkauf und nicht auf Finanzprodukte wie die Autofinanzierung. In vielen Fällen handelt es sich bei Händlerkrediten um eine Ballonfinanzierung. Das bedeutet, dass Kreditnehmer meistens eine kleine Anzahlung machen und dann über die Laufzeit hinweg eine relativ niedrige monatliche Rate bezahlen. Am Ende der Finanzierung verbleibt ein sehr hoher Restbetrag, der mit einer entsprechenden Schlussrate getilgt werden muss. Das können sich die wenigsten leisten und sie müssen eine Anschlussfinanzierung abschließen. Diese läuft nicht selten länger, als die Nutzungszeit des Fahrzeugs ist. Ein Kredit sollte aber auf die individuellen finanziellen Voraussetzungen des Kreditnehmers zugeschnitten sein und im besten Fall nicht länger laufen als das Fahrzeug genutzt wird. Eine kürzere Finanzierungszeit, die deutlich unter der geplanten Nutzungszeit bleibt, ist wesentlich wirtschaftlicher. Denn wenn das Fahrzeug in die Jahre kommt und die ersten teureren Reparaturen fällig werden, sollte der Kredit spätestens vollständig getilgt sein. Dann ist es Zeit, ein neues Auto zu kaufen oder, sofern sinnvoll, das Geld in die Reparatur zu stecken.

Im Vergleich dazu ist ein zweckgebundener Autokredit günstiger und überschaubar für Verbraucher. Bei einem Kredit, der für ein bestimmtes Auto abgeschlossen wird, zahlen Kreditnehmer unterm Strich weniger Zinsen. Der zweckgebundene Kredit wird monatlich in gleichbleibenden Raten zurückgezahlt. Sinnvoll ist es, die Laufzeit des Kredits an die geplante Nutzungszeit des Fahrzeugs anzupassen bzw. kürzer zu wählen. Mit dem Kfz-Finanzierungsrechner lässt sich leicht ermitteln, welche Kombination zum eigenen Budget passt. Das Tool ermöglicht es, verschiedene Finanzierungsmodelle durchzuspielen, weil die Höhe der Kreditsumme und die gewünschte Laufzeit variabel anpassbar sind. Sobald Die ideale Kombination ermittelt werden konnte, lassen sich tagesaktuelle Angebote miteinander vergleichen. So findet sich der ideale Kredit, der zu den eigenen finanziellen Rahmenbedingungen passt.

BMW-Modelle fallen in der Pannenstatistik positiv auf. Sie bleiben nur selten liegen und gelten als sehr zuverlässig. Foto: pixabay.com © Toby_Parsons

Tipp 3: Keine Null-Prozent-Finanzierung abschließen

Null-Prozent-Finanzierung klingt erstmal gut, ist aber in den allermeisten Fällen eine Mogelpackung. Wenn ein Händler eine Null-Prozent-Finanzierung anbietet, tut er dies, um selbst Geld zu verdienen. Händler profitieren davon, wenn Sie eine Finanzierung vermitteln. Ihre Provision erhalten Sie, indem sie den Kaufpreis des Fahrzeugs nach oben anpassen. Verbraucher können ganz leicht selbst überprüfen, dass eine Null-Prozent-Finanzierung für ein bestimmtes Fahrzeug nicht lohnt. Dazu ist folgendes zu tun:

  • Zuerst ist genau das selbe Auto zu finden, dass der Händler zu einer Null-Prozent-Finanzierung anbietet.
  • Nun wird der Kaufpreis verglichen. Dieser wird im Autohaus mit der Null-Prozent-Finanzierung deutlich höher liegen. Die Differenz macht ungefähr die Provision aus, die sich der Autohändler einsteckt.

Ebenfalls kritisch zu sehen sind Null-Prozent-Finanzierungen für Sondermodelle, die es exklusiv bei einem bestimmten Händler gibt. Bei solchen Angeboten haben Verbraucher keine Möglichkeit Vergleichsangebote einzuholen, weil das spezielle Sondermodell anderswo nicht angeboten wird. Damit besteht keine Chance, den echten Marktwert des Sondermodells zu prüfen.

Tipps 4: Eigenkapital einbringen

Je geringer die Summe, die per Kredit gestemmt werden muss, desto günstiger die Gesamtfinanzierung. Deshalb empfiehlt es sich die eigenen Ersparnisse zu nutzen, um eine Anzahlung zu leisten. Ein Beispiel soll zeigen, wie hoch die Ersparnis dabei sein kann:

Ein Auto mit einem Gesamtpreis von 15.000 Euro wird komplett mit einem Kredit finanziert. Die Kreditlaufzeit umfasst 7 Jahre (84 Monate), die monatliche Belastung liegt bei knapp 200 € bei einem effektiven Zinssatz von 3,05 Prozent. Das macht insgesamt 1653 Euro Zinsen.

Wird das Auto mit 5.000 Euro angezahlt und es sind nur noch 10000 Euro zu finanzieren, lässt sich die Laufzeit auf 60 Monate kürzen, wobei die monatliche Belastung bei gleichem Zinssatz knapp 180 Euro beträgt. Insgesamt fallen dann nur 870 Euro Zinsen an. Das entspricht einer Kostenersparnis von 52 Prozent.

Allerdings sollte eine gut verzinste Anlage für einen Autokauf nicht aufgelöst werden. Hier gilt es genau hinzusehen und abzuwägen, ob die Zinsersparnis lohnend ist. Sofern der Zinssatz der Geldanlage höher ausfällt als der Zinssatz des Kredits, rechnet sich die Auflösung der Geldanlage in der Regel nicht.

Fazit: Zweckgebundener Ratenkredit die beste Option

Wer über ein Autohaus finanziert, spricht nicht mit einem Finanzprofi, sondern mit einem Autofachmann. Rückfragen werden nicht umfassend beantwortet, eine Anpassung der Kreditkonditionen ist praktisch nicht möglich. Bei Verbrauchern ohne Krediterfahrung besteht die Gefahr, dass sie die Konsequenzen der Kreditbedingungen nicht komplett überblicken, weil ihnen eine fachgerechte und verständliche Aufklärung durch einen Kreditberater fehlt.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Finanzierung eines Autos über einen zweckgebundenen Ratenkredit bei einer unabhängigen Bank in den allermeisten Fällen die beste Option. Hier haben Kreditnehmer die Möglichkeit, unterschiedliche Kreditangebot miteinander zu vergleichen und den Kredit aufzunehmen, der zu ihren individuellen finanziellen Rahmenbedingungen passt. Geschulte Mitarbeiter der Kreditinstitute stehen bei Rückfragen bereit und beantworten diese professionell und umfassend.

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