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Arbeitsagentur-Chef rechnet aber mit weniger als drei Millionen Arbeitslosen

Corona kostet 640.000 Jobs

Nürnberg (dpa). Der deutsche Arbeitsmarkt wird bis zu drei Jahre brauchen, um sich von der Corona-Krise zu erholen. „Bis wir wieder auf Normalmaß sind, das wird sicherlich bis 2022 oder 2023 dauern“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Detlef Scheele. „Aber wir glauben, dass das wieder gelingen kann.“ Aktuell sind in Deutschland 2,85 Millionen Menschen ohne Job, fast 640.000 davon als Folge der Pandemie.

Detlef Scheele ist Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. Foto: dpa

Scheele rechnet für den Sommer mit einer noch etwas höheren Arbeitslosigkeit, die auch saisonal üblich ist. Die Zahl werde aber im Juli oder August nach derzeitigen Schätzungen nicht die Grenze von drei Millionen überspringen. Die jetzige Krise sei virusbedingt und kaum konjunkturell oder strukturell verursacht. Deswegen sei es möglich, dass eine Erholung eintrete, wenn grundlegende Faktoren sich in die richtige Richtung bewegten. „Zur Zeit gehen wir von einem Abschwung aus, der vorrangig durch die Auswirkungen der Pandemie begründet ist. Der Arbeitsmarkt war ja in guter Verfassung“, sagte Scheele.

Großer Mangel in der Pflege

Anzeichen, dass aus der als Brücke für den Arbeitsmarkt dienenden Kurzarbeit in großem Stil Entlassungen folgen und sich möglicherweise sogar eine Insolvenzwelle anschließen könnte, seien zur Zeit nicht erkennbar. „Die Kurzarbeit wirkt, wir sehen momentan keine Anzeichen für eine größere Entlassungswelle“, sagte der Arbeitsmarktexperte.

Allerdings: Das Sterben kleiner Gaststätten oder Kultureinrichtungen bekomme die Arbeitsagentur im Zweifel gar nicht mit. Gleichzeitig bleibe es aber wichtig, den weiter in vielen Berufszweigen vorherrschenden Fachkräfteengpass anzugehen. Großer Mangel herrsche etwa in der Pflege. „Da ist auch keiner arbeitslos geworden“, sagte Scheele. Es sei jedoch fraglich, ob sich diejenigen, die in anderen Branchen arbeitslos geworden seien, sich für die Pflege eigneten. Einen automatischen Ausgleich werde es da nicht geben können.

„Das Fachkräfteproblem in der Pflege können wir trotz unserer vielen geförderten Qualifizierungen nicht ohne Zuwanderung lösen“, betonte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit. Es gebe nur 40.000 zusätzliche Erwerbspersonen pro Jahr in Deutschland – daran werde sich nicht schnell etwas ändern.

Schwierig, geeignete Personen zu finden

Zugleich verteidigte Scheele die Rückkehr zu Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger im Falle von Verstößen gegen die Auflagen. „Eine Sozialleistung, die bei einem Missbrauch oder einer Nichtmitwirkung keine Sanktion nach sich zieht, ist falsch“, sagte Scheele. Die Sanktionen waren wegen der Corona-Pandemie vorübergehend ausgesetzt worden.

„Es ist nicht so, dass man in dem – kleinen – Personenkreis, der von Sanktionen betroffen ist, davon ausgehen kann, dass sie in der Lage sind, sich zu beteiligen, wenn man gute Angebote macht“, sagte Scheele. „Teilweise fehlt ihnen Antrieb und Mut, weil sie so lange arbeitslos waren, und teilweise haben sie sich auch über Generationen eingerichtet.“ Selbst mit dem hoch geförderten Teilhabechancengesetz, bei dem der Staat bis zu 100 Prozent des Lohns zahlt, sei es schwierig, geeignete Personen zu finden.

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