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Für den Bielefelder Kartenverlag „Modern Times“ ist nach dem Fest schon vor dem Fest.

Das ganze Jahr Weihnachten

Bielefeld (WB)

Wenn Anfang Januar der Tannenbaum abgeschmückt und entsorgt wird, denkt man bei „Modern Times“ schon wieder an Weihnachten. Der Bielefelder Postkartenverlag beginnt direkt nach der Saison mit der Planung für die nächste. „Wenn aus dem Handel die Retouren eingehen, haben wir früh einen Überblick darüber, welche Motive gut gegangen sind und welche nicht, was im Sortiment bleibt und was ausgelistet wird“, sagt Claudia Raben.

Andreas Schnadwinkel 

Weihnachtskarten dürfen witzig sein, aber nicht plump und schon gar nicht politisch. Diese Erfahrung hat „Modern Times“ gemacht. Foto: Modern Times

Als Prokuristin bei „Modern Times“ weiß sie aus Erfahrung, welche Karten ankommen. Meistens seien es die Langzeitklassiker, wie eine simple Textkarte mit der Aufschrift „Weihnachten kommt immer so plötzlich“ oder der Gag – in sächsischer Mundart als Antwort auf das englische „Attention please“ – „A Tännschen please“ samt Tanne.

Was nicht gut läuft: Karten mit derben, rüden Sprüchen. „Ein bisschen frech ist okay, aber Weihnachten ist als Familienfest eben sehr traditionell geprägt“, sagt Claudia Raben. Auch politische Statements kommen nicht gut an, selbst wenn sie biblischen Bezug haben. Eine Karte mit den Heiligen Drei Königen und der Aufschrift „Menschen mit Migrationshintergrund“ ist nicht mehr im Sortiment.

Umso gefragter sind die Motive mit den Tieren aus der ARD-Serie „Die Sendung mit der Maus“, deren Lizenzrechte sich die Bielefelder Firma schon in den 90er Jahren gesichert hat. Der Elefant und der Maulwurf mit roter Zipfelmütze im Schnee – nicht nur Kinder mögen diese Figuren. Gleiches gilt für die Cartoons des Bielefelders Ralph Ruthe, dessen Motive bei Jung und Alt funktionieren.

Claudia Raben Foto: Modern Times

„Modern Times“ beschäftigt 100 Mitarbeiter, allein 70 im Außendienst, und beliefert etwa 5000 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Pro Jahr verkaufen wir ein paar Millionen Weihnachts-Post- und Grußkarten“, sagt Geschäftsführer Andreas Mamerow. Die Kunden im Handel haben die Wahl. „Sie können sich aussuchen, welche Karten sie in ihren Läden verkaufen möchten. Viele unserer Geschäftspartner verlassen sich auch auf unsere Auswahl“, so Claudia Raben. Dazu gehören mit Silber- und Goldfolien veredelte Weihnachtskarten. Einen Trend gibt es auch: puristisches Design im skandinavischen Stil.

Und der Lockdown? „Auch für uns werden deutliche Umsätze aus dem Fach- und Filialhandel im Vergleich zu einem normalen Weihnachtsgeschäft fehlen. Dankenswerterweise können wir online sowie durch Lebensmittel- und Drogeriehandel eine Menge auffangen“, sagt Mamerow und kritisiert die politisch für den Lockdown Verantwortlichen: „Selbstverständlich ist der neue Lockdown aus gesundheitlicher Sicht unumgänglich. Nur ist er die direkte Folge des Politikversagens der letzten sechs Monate, die nur kurzfristiges Stückwerk abgeliefert haben. Auszubaden ist das Versagen leider auch durch den gesamten deutschen Einzelhandel, es wird wohl blutig werden.“ Das klingt gar nicht weihnachtlich

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