1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Der scheue Lidl-Gründer

  8. >

Discounterkönig, Milliardär und Mäzen Dieter Schwarz wird heute 80

Der scheue Lidl-Gründer

Heilbronn/Neckars­ulm (dpa). Dieter Schwarz hat etwas geschafft, das in Zeiten von Instagram und Facebook quasi unmöglich scheint. Seit Jahren existieren kaum Bilder von dem Lidl-Gründer, weil er es so will und weil man das nicht nur in seiner Heimat Heilbronn akzeptiert.

Der Name seines Discounter-Imperiums ist in fast jeder größeren Stadt zu finden. Aber Lidl-Gründer Dieter Schwarz hält sich aus der Öffentlichkeit fern – es gibt so gut wie keine Fotos von ihm. Foto:

»Bei mir im Blatt gibt es keine Fotos von Herrn Schwarz«, sagt Uwe Ralf Heer, Chefredakteur der »Heilbronner Stimme«, die ansonsten durchaus kritisch über Vorgänge im Schwarz-Imperium berichtet. Dieter Schwarz, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, fotografiert man nicht. Es ist der Respekt vor dem größten Mäzen der Stadt, der selbst die Lokalmedien zu Zurückhaltung bewegt.

Das aktuellste bekannte Bild ist ein Schnappschuss. Ein SZ-Reporter hatte den Lidl-Gründer bei der Eröffnung der von ihm gestifteten Außenstelle der TU München dieses Jahr mit dem Handy abgelichtet. Auf dem Foto ist halb verdeckt ein unscheinbarer, älterer Herr im Dreiteiler mit pinkfarbener Krawatte zu sehen. Erkennen dürften ihn danach auf offener Straße dennoch nicht viele.

Schwarz hält sich seit Jahrzehnten im Hintergrund

Und das ist gewollt. Schwarz hält sich seit Jahrzehnten im Hintergrund und schafft es, in seiner Heimatstadt nach wie vor unerkannt einkaufen zu gehen. Der Lidl-Gründer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt zwar mitten in der Stadt, aber völlig zurückgezogen. Entführungsfälle wie die des Aldi-Gründers Theo Albrechts im Jahr 1971 oder der Kinder des Drogeriemarktgründers Schlecker 1987 hätten ihn so vorsichtig gemacht, heißt es.

Nur vor fünf Jahren wagte sich der Lidl-Gründer aus der Deckung – zumindest verbal – und unterstützte den SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt. »Ich wähle Harry Mergel, weil er nach langjähriger Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Himmelsbach beste Erfahrungen für diese Arbeit mitbringt«, begründete Schwarz sein Engagement.

Stiftung fördert Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung

Dabei ist der Milliardär der größte Gönner der Stadt. Er ließ unter anderem eine alte Ölmühle zu einer Ausstellung für Naturwissenschaft und Technik namens »Experimenta« umbauen. Seine Dieter-Schwarz-Stiftung fördert Bildung, Erziehung, Wissenschaft und Forschung.

Der Sohn des Kaufmanns Josef Schwarz absolvierte nach seinem Abitur eine Ausbildung im väterlichen Betrieb. 1962 erhielt er Prokura und wurde ein Jahr später persönlich haftender Gesellschafter der Lidl & Schwarz KG, einem Handels- und Fruchthof. Weil der Name »Schwarz-Markt« keine Option war, taufte er das Geschäft auf den Namen des früheren Partners »Lidl«. 1968 schaffte Schwarz mit der Kette »Handelshof« den Einstieg in den Einzelhandel. Die Lidl-Discounter folgten in den 1970er Jahren. Nach dem Tod des Vaters übernahm Dieter Schwarz 1977 die Unternehmensführung – und baute das Imperium aus.

1999 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen

1999 zog er sich aus dem Tagesgeschäft zurück und übertrug die Verantwortung Managern. In strategischen Führungsfragen mischte er aber auch danach noch mit. Heute ist die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch Kaufland und seit 2018 der Entsorger Tönsmeier in Porta Westfalica gehört, ein Handelsgigant. 2018 knackte die Gruppe mit weltweit 429.000 Mitarbeitern die Marke von 100 Milliarden Euro Umsatz. Das US-Magazin Forbes führt Schwarz mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro auf Platz 36 der weltweiten Milliardärsliste.

Startseite