Die Aktienschlacht um Gamestop fasziniert viele Börsenprofis – Vermögensverwalter Markus Schön aus Detmold kritisiert Hedgefonds

„Die Kleinanleger finde ich super“

Es ist der Kampf David gegen Goliath – ausgetragen an der US-Börse mit Anteilen des Videospiel-Einzelhändlers Gamestop. Dessen Aktien haben Kleinanleger durch eine konzertierte Aktion um mehrere 100 Prozent noch oben gepusht – und damit Hedgefonds, die auf fallende Kurse gewettet hatten, Milliardenverluste beschert. Das ungewöhnliche Schauspiel fasziniert Börsenprofis weltweit – und weckt Sympathien für die Kleinanleger.

Paul Edgar Fels

Kunden gehen aus einem Videospiel-Geschäft in Los Angeles. Die Aktie des Unternehmens wurde an der Börse zum Spielball. Foto: imago

„Die Kleinanleger finde ich super, weil sie gerade die Machtverhältnisse verkehren“, sagte der Detmolder Vermögensverwalter Markus Schön am Dienstag dieser Zeitung. „Was sie mir unheimlich sympathisch macht ist die Tatsache, dass sie sich gegen ein System stellen“, betonte der Detmolder Börsenexperte weiter. Sicher gehe auch bei den Kleinanlegern nicht alles in die richtige Richtung, räumte er ein. „Aber bislang hatten die Hedgefonds die Möglichkeit zu entscheiden, gegen gewisse Firmen zu spekulieren. Eine kleine Gruppe von Menschen entscheidet über das Wohl und Wehe richtig großer Unternehmen. Jetzt kommen ein paar Tausend Kleinanleger daher und sagen: so nicht.“

Vermögensverwalter Markus Schön sieht Hedgefonds kritisch. Foto:

Die Börsenschlacht war ein Kuriosum. Denn die Kleinanleger hatten sich mit Gamestop ein börsennotiertes Unternehmen ausgesucht, dessen Geschäftsmodell sich im Grunde überholt hat. Wer kauft heute noch gebrauchte Videospiele in einem Laden? Die Szene greift heute viel lieber im Internet zu.

Entsprechend dümpelte der Kurs der Gamestop-Aktie noch am 11. Januar bei 16 Euro, am 22. Januar hatte er sich auf 40 Euro mehr als verdoppelt, stieg dann auf 70 Euro und am 28. Januar auf fast 380 Euro. Was war passiert? Denn alle Experten wussten schließlich: Das Unternehmen ist niemals so viel wert!

Ausgangspunkt des bisher wohl einmaligen Konflikts waren Hedgefonds. Sie wetteten auf den Niedergang der Videospielkette – und um damit Geld zu verdienen setzten sie mit so genannten Leerverkäufen auf fallende Kurse. Die Fonds leihen sich von einem großen Investor Aktien des Unternehmens – hier von Gamestop. Diese Aktien verkaufen sie weiter. Weil sie allerdings zu einem späteren Zeitpunkt die geliehenen Aktien wieder zurückgeben müssen, hoffen sie darauf, dass der Kurs der Aktie inzwischen gesunken ist. Wenn sie dann billiger einkaufen können, machen sie Kasse – die Differenz zwischen Kauf und Verkauf ist ihr Gewinn.

Dieses System ist vielen Kleinanlegern ein Dorn im Auge – und sie schlugen mit Erfolg zurück, indem sie die Wette der Hedgefonds platzen ließen.

Der Detmolder Börsenkenner Markus Schön, vermutet, dass sich im Fall Gamestop wohl um die 15.000 Kleinanleger zusammengetan haben. Ursprünglich sei von 3000 bis 5000 Kleinanlegern die Rede gewesen.

Markus Schön, Vermögensverwalter aus Detmold

So mancher Kleinanleger hatte in seinem Depot ein kleines Vermögen gemacht. Doch die Realisierung des Kursgewinns sei schwierig, sagte Schön. Schließlich handele es sich um eine Blase. „Gamestopp ist faktisch pleite. Daraus wurde ein Milliardenunternehmen gemacht, bei dem die Kleinanleger Gewinne machten, die bei dem Kampf gegen die Hedgefonds früh kauften und schnell wieder verkauften. Das ist Zockerei, ähnlich wie ein Schneeballsystem oder Glückspiel.“ Der Kurs der Gamestop-Aktie ist Dienstag um 50 Prozent auf 110 Euro gefallen. Auch der Silberpreis an der Börse wurde von Kleinanlegern offenbar gepusht. Auch hier gab es ein Auf und Ab.

Für Schön sind Hedgefonds schreckliche Einrichtungen geworden, die mit dem Geld fremder Leute spekulieren und so den Kapitalmarkt noch weiter in Unsicherheit bringen.

Die Kleinanleger wiederum demokratisierten in einem gewissen Maße den Kapitalmarkt. „Dabei machen sie nicht alles richtig. Umgekehrt machen nicht alle Hedgefonds alles falsch. Aber wer dem Profit alle moralischen Regeln unterordnet, muss Grenzen aufgezeigt bekommen. Genau dies geschieht und zeigt, dass der Aktienmarkt nicht gierigen Spekulanten überlassen werden darf“, erklärte Schön auch gegenüber dem Nachrichtensender ntv.

Markus Schön plädiert dafür, dass auch Schattenbanken, zu denen Investment- und Hedgefonds zählten, unter staatliche Aufsicht gestellt und reguliert werden müssten. „Sie müssen dieselben Anforderungen erfüllen wie Kreditinstitute. Je internationaler das geregelt wird, desto besser wäre das.“

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