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Bielefelder Familienkonzern unter großem Kostendruck - Auch Personalabbau nicht ausgeschlossen

Dr. Oetker will Preiserhöhungen begrenzen

Bielefeld

Ein außergewöhnliches und von der Aufspaltung des Familienkonzerns geprägtes Jahr liegt hinter der Bielefelder Oetker-Gruppe – ein ebenso herausforderndes ist in vollem Gange.

Von Oliver Horst

Albert Christmann. päsentiert die Zahlen des Bielefelder Oetker-Konzerns. Foto: Thomas F. Starke

Und trotz einer Gegenwart mit starken Kostensteigerungen und einer Zeit mit vielen Risiken betont Konzernchef Albert Christmann die Chancen der Zukunft. Die bedeutet kurzfristig höhere Preise für die Kunden und kann auch Veränderungen für die 39.000 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe mit ihren noch rund 350 Firmen bringen. Christmann spricht von einem „Jahr der Neuanfänge, des Wandels und der Umbrüche. Nichts bleibt mehr so, wie es war. Auch 50 Jahre der Stabilität, Prosperität, des Wohlstands und des Friedens dürften ein für alle Mal vorbei sein.“

Neben den Folgen der Corona-Pandemie und den Auswirkungen des Ukraine-Krieges kommt beim Bielefelder Konzern die Zäsur durch die Ende Oktober 2021 erfolgte Aufteilung auf die zwei Gesellschaftergruppen hinzu. Die gegenwärtigen Herausforderungen sind groß.

Auch der für Pizza, Pudding, Backpulver und Bier bekannte Konzern hat zu kämpfen mit Lieferkettenproblemen und Engpässen bei Rohstoffen und Material sowie Kostensteigerungen im hohen zwei- oder gar dreistelligen Prozentbereich bei Rohwaren, Energie, Verpackungen sowie Transport. Christmann spricht von einem Margendruck, der das Ergebnis zusehends belastet. „Die meisten Kostensteigerungen sind noch gar nicht weitergereicht. Sie werden für die Verbraucher wohl nach dem Sommer spürbar werden.“

Christmann kündigt Preiserhöhungen für Spätsommer an

Die entsprechenden Verhandlungen mit den großen Handelsketten führt der Konzern aktuell. Auch wenn Christmann keine konkrete Zahl nennen will, müssten sich die Verbraucher im Durchschnitt am Ende eher auf prozentual zweistellige statt einstellige Preiserhöhungen einstellen.

„Dabei werden wir alles tun, um die Belastung so gering wie möglich zu halten und die Kunden nicht zu überfordern“, betont der Konzernchef. „Wir drehen jeden Stein um, um unsere Kosten zu senken und unsere Prozesse zu optimieren.“ Denn Christmann treibt die Sorge um, bei zu stark steigenden Preisen Kunden verlieren zu können.

Albert Christmann

„Als Markenartikler dürfen wir den Preisabstand zu den Discountern nicht größer werden lassen. Wir müssen die Frage beantworten, wie wir es schaffen, dass sich die Verbraucher auch künftig unsere Produkte kaufen und leisten können“, sagt Christmann und warnt: „Wenn wir wegen zu hohen Verbraucherpreisen Produktionsvolumina verlieren, dann haben wir ein Problem.“ Wesentliche Antworten auf die langfristige Herausforderung will Christmann bis Jahresende geben können. Ein zentraler Baustein, den steigenden Kosten zu begegnen, sei die weitere Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz, „um günstiger produzieren und auf Engpässe besser und schneller zu reagieren“.

Ute Gerbaulet (links), Finanzchefin der Dr. August Oetker KG, und der Vorsitzende der Geschäftsführung, Albert Christmann. Foto: Thomas F. Starke

Als Vorteil bezeichnet der Oetker-Chef auch das mit 28 Nährmittelfabriken, sieben Tiefkühl- sowie zwei Kuchenwerken und 14 Brauereistandorten weltweit aufgestellte Produktionsnetzwerk. „Wir haben nicht die Absicht, Standorte zu schließen, es kann aber im Zuge von Optimierungen Veränderungen geben und zu Verlagerungen einzelner Produktionen kommen. Deshalb kann ich heute auch einen Stellenabbau nicht ausschließen“, sagt Christmann.

Auch Stellenabbau nicht ausgeschlossen

„Wir sollten das Thema aber positiv angehen. Wir können selbstbestimmt unsere Zukunft gestalten und wir werden unsere Hausaufgaben bestmöglich auch für unsere Mitarbeiter abarbeiten.“ Bei den anstehenden Herausforderungen könne die Geschlossenheit der fünf verbliebenen Gesellschafter von Vorteil sein, sagt Christmann mit Blick auf die Zeit vor der Aufspaltung, als es unter den acht Eigentümern immer wieder Meinungsverschiedenheiten gab. Chancen sieht der 59-jährige Konzernchef nicht nur in Firmenzukäufen, sondern auch in der weiteren Internationalisierung.

Die Teilung des Familienkonzerns

Nach dem jüngst erfolgten Verkauf des Russland-Geschäfts ist Oetker noch in 43 Ländern aktiv. Bislang setzt der Konzern fast jeden zweiten Euro in Deutschland um, weitere 25 Prozent in der EU. Gerade in Amerika, Indien und Südafrika gebe es starke Zuwächse. Es sei in der aktuellen Lage aber klug, abzuwarten wie sich die Welt neu ordnet, sagt Christmann mit Blick auf eine mögliche Blockbildung mit den zwei Polen USA und China.

Konzernumsatz vor der Aufteilung gewachsen

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