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Zahlreiche Unternehmensbereiche sind betroffen – vom Stellenabbau bis zu den Gläubigern

Gerry Weber: Die Folgen der Insolvenz

Halle (WB). Die Insolvenz des Haller Modekonzerns Gerry Weber wirft in vielen Bereichen Fragen auf. Wer betroffen ist und welche Folgen die Insolvenz in Eigenverwaltung hat, hat das WESTFALEN-BLATT aufgelistet.

Oliver Horst

Die Gerry-Weber-Zentrale an der Neulehenstraße. Foto: Stefan Küppers

Mitarbeiter

Direkt betroffen sind die 580 Mitarbeiter der Konzernmutter Gerry Weber AG. Ihr Gehalt ist von Januar bis März bis zu 6700 Euro im Monat durch das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur gesichert. Falls das Unternehmen eine Differenz ausgleichen will, um Führungskräfte zu halten, müssten die Gläubiger zustimmen.

Sanierungstarifvertrag

An den Eckpunkten des Sanierungstarifvertrags mit Lohneinbußen und reduzierten Arbeitszeiten soll im Grundsatz festgehalten werden. »Einige Themen müssen wir neu besprechen«, sagt Vorstandschef Johannes Ehling.

Stellenabbau

»Wir tun alles, um weniger als die geplanten 900 Stellen abzubauen«, sagt Ehling. »Durch bessere Verkaufszahlen und mögliche Mietnachlässe wird es vielleicht weniger Mitarbeiter treffen.« Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sozialplan und Interessenausgleich sollen fortgeführt werden. Für die Mitarbeiter der AG gilt aber eine gesetzliche Deckelung bei Abfindungen.

Fachhändler

»Wir suchen einen stärkeren Dialog mit unseren Handelspartnern«, sagt Ehling. Viele Modehäuser hätten derweil Unterstützung signalisiert, weil für sie die Marken des Konzerns eine hohe Bedeutung haben.

Vermieter

Ein Teil der Mietverträge der Filialen liegen in der AG. Sie könnten ab April mit dreimonatiger Frist gekündigt werden. »Einige Vermieter haben von sich aus bereits angeboten, von einer fixen auf eine umsatzabhängige Miete umzustellen. Wir erreichen zum Teil Nachlässe von fast 30 Prozent«, sagt Ehling. Die Zahl der geplanten 230 Filialschließungen könnte damit verringert werden.

Gläubiger

Die Gläubiger, darunter rund 120 Schuldscheingeber und ein Dutzend Banken, können nach der für April erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Forderungen anmelden. Es ist damit zu rechnen, dass die Gläubiger am Ende auf einen Teil des Geldes verzichten und nur eine Quote erhalten.

Aktionäre

Klein- und Großaktionären drohen deutliche oder auch Totalverluste. Sollte ein Investor einsteigen und das Geschäft auf eine neue Gesellschaft übertragen, wären sie nur noch an einer leeren Hülle beteiligt – wie beim Küchenbauer Alno. Im Fall einer Kapitalerhöhung indes würde ihr Anteil verwässert. Die Aktien der Gründerfamilien Weber und Hardieck, die rund 51,4 Prozent halten, haben auf dem Papier seit Mai 2014 etwa 910 Millionen Euro an Wert eingebüßt – auf noch 16,5 Millionen Euro.

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