Angelika Schindler-Obenhaus will Marke für „coole“ Frauen der Baby-Boomer-Generation

Gerry Weber erfindet sich neu

Halle (WB)

Aus dem Mund von Angelika Schindler-Obenhaus (58) klingt es wie eine Selbstverständlichkeit: „Gerry Weber wird sich in diesem Jahr nicht an den Rabattaktionen zum Black Friday und Cyber Monday beteiligen.“ Doch dahinter steht der feste Wille der früheren Katag-Managerin, Mo­de allgemein und besonders die ihres neuen Arbeitgebers in Halle wieder begehrenswert zu machen. Das bedeute: weniger, aber bessere Kleidung.

Bernhard Hertlein 

Lässiger, cooler und frecher soll Mode der Marke Gerry Weber werden. Angelika Schindler-Obenhaus ist seit 100 Tagen in dem Unternehmen unter anderem für Design und Markenentwicklung verantwortlich. Foto: Gerry Weber

Aus dem Mund von Angelika Schindler-Obenhaus (58) klingt es wie eine Selbstverständlichkeit: „Gerry Weber wird sich in diesem Jahr nicht an den Rabattaktionen zum Black Friday und Cyber Monday beteiligen.“ Doch dahinter steht der feste Wille der früheren Katag-Managerin, Mo­de allgemein und besonders die ihres neuen Arbeitgebers in Halle wieder begehrenswert zu machen. Das bedeute: weniger, aber bessere Kleidung.

Für Gerry Weber hat Schindler-Obenhaus in erster Linie die 50- bis 60-jährigen Frauen der Baby-Boomer-Generation im Blick. Für deren Geschmack müsse die Stammmarke aus Halle deutlich lässiger, cooler und frecher werden. In der Produktentwicklung hätten sich lang überholte Tabus aufgebaut wie die, dass diese Frauen keine Halbärmel oder Schriftzüge auf T-Shirts wollten. Auf der anderen Seite geht die Managerin nicht davon aus, dass die Kundinnen nach dem Ende der Corona-Krise in Jogginghosen vom Homeoffice ins Büro zurückkehren.

Zur Person

Angelika Schindler-Obenhaus (58), geboren in Flensburg und wohnhaft in Gütersloh, arbeitete 15 Jahre bei der Bielefelder Katag für den mittelständischen Modehandel; davon 10 Jahre im Vorstand. Vor 100 Tagen übernahm sie im Vorstand der Haller Gerry Weber AG die Ressorts Design, Produktion, Beschaffung und Marketing. Sie ist erst die zweite Frau in dem Gremium, dem auch Alexander Gedat als Vorsitzender und Florian Frank als Finanzchef angehören. Gedat hat angekündigt, bald in den Aufsichtsrat zurückzukehren. Nachfolgerin oder Nachfolger sind noch nicht benannt.

Zu Gunsten von Gerry Weber spreche der hohe Bekanntheitsgrad und ein gutes Image hinsichtlich der Passform, das erhalten bleiben solle. Bei den Materialien setzt Schindler-Obenhaus auf natürliche Stoffe. Das gelte auch für Leder. Von „veganem Leder“, das in diesem Sommer für Schlagzeilen sorgte, hält sie gar nichts: „Das ist Kunststoff und ökologisch bedenklich.“ Vom kommenden Herbst an plant Gerry Weber deshalb die Einführung von Leder, das jedoch ausschließlich von geschlachteten Nutztieren stamme und ohne Chrom oder andere Zusätze gefärbt werde.

Rückgabebox und Gutschein für ausgediente Kleidung

Auch bei der Entsorgung von Kleidung will Schindler-Obenhaus, dass Gerry Weber noch stärker auf Nachhaltigkeit achtet. So sollen vermutlich im ersten Quartal 2021 in den Gerry-Weber-Filialen Boxen aufgestellt werden. Darin werde ausgediente Kleidungsstücke der Marke gesammelt, für die die Kundinnen Gutscheine erhalten sollen. Die Kleidung könnte anschließend in Granulat umgewandelt und zu Kleiderbügeln oder Ladeneinrichtungen weiterverarbeitet werden. Ein Teil werde, jedenfalls in der ersten Phase, auch dem Altkleidermarkt zugeführt.

Was die Pläne der Bundesregierung für ein Lieferkettengesetz betrifft, so sei Gerry Weber gut vorbereitet, bevorzuge aber aus Wettbewerbsgründen eine europäische Regelung.

Bei den Marken – außer Gerry Weber noch Taifun und Samoon – will Schindler-Obenhaus den Vertrieb wieder auf eigene Füße stellen. Für die Beschaffung unterhält Gerry Weber Büros in China, Bangladesch und der Türkei. Die Managerin geht davon aus, dass aus Gründen der modischen Aktualität künftig ein Teil auch wieder in Europa, etwa Portugal, produziert wird. Afrika, außer Tunesien, sei kein Thema.

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