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Die 68. Auflage der Automobilausstellung steht unter ungewohnten Vorzeichen

IAA: Vom Auto-Fest zur Problem-Messe

Frankfurt (dpa/WB/OH).  Jahrzehntelang war die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt ein Fest der Autoindustrie. Verschärfte Klimaziele, der rasante Wandel der Mobilität und ein weltweiter Absatzrückgang nehmen die Branche nun aber in die Mangel. Obendrein drohen heftige Öko-Proteste bei der Messe.

Der »ID.3« ist der erste von Volkswagen rein als Elektroauto konzipierte Wagen. Der Einstiegspreis soll bei unter 30.000 Euro liegen. Foto: dpa

Die 68. Auflage der PS-Show, die heute und morgen mit zwei Pressetagen beginnt und am Donnerstag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) offiziell eröffnet wird, fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit. Die Geschäfte laufen derzeit recht bescheiden: kaum ein Hersteller oder Zulieferer, der nicht über schwindende Gewinne klagt. Die Märkte sind aus dem Takt, viel Geld muss zudem in neue Technik gesteckt werden.

Der deutsche Branchenverband VDA müht sich zwar, Zuversicht zu verbreiten. Doch zugleich sieht er vor allem die internationale Lage kritisch. Der Pkw-Weltmarkt werde 2019 um vier Prozent zum Vorjahr auf 81 Millionen Wagen schrumpfen. Die deutschen Autobauer müssen bislang nur relativ geringe Einbußen verkraften.

Autoindustrie bekommt Gegenwind von Klimaschützern

Und es gibt weitere Herausforderungen. Die Autoindustrie bekommt trotz des »Hochlaufs« der E-Mobilität immer stärkeren Gegenwind von Klimaschützern. Aktivisten haben angekündigt, den Konzernen die Messe-Party verderben zu wollen. Frankfurts Polizei rüstet für Großeinsätze, von Gewaltaufrufen ist die Rede.

Der VDA will auf die Kritiker zugehen. Präsident Bernhard Mattes sicherte zu, dass die Branche ihre Klimaziele bis 2030 erreichen werde. Die Autobauer sehen sich in der CO

-Debatte wegen ihres Vorstoßes bei E-Autos als Teil der Problemlösung – was ihre Gegner wegen der immer öfter verkauften Stadtgeländewagen (SUVs) deutlich bezweifeln. In die SUVs nun Elektromotoren einzubauen, reiche bei weitem nicht aus, moniert etwa BUND-Vize Ernst-Christoph Stolper. Für Pendler in Ballungsräumen fehle ein preisgünstiges Elektroauto für etwa 15.000 Euro.

Wird das CO2-Ziel verfehlt, drohen Milliardenstrafen

Um die CO

-Flottenziele der EU zu erfüllen, müssten die Anbieter bis 2021 mehr als zwei Millionen E-Wagen verkaufen. 2018 waren es gerade einmal 200.000. Wird das Ziel verfehlt, drohen der Branche Milliardenstrafen. Doch eine klare Mehrheit der Kunden findet E-Autos nach wie vor zu unpraktisch und zu teuer, zeigt eine Umfrage. Die oft geringe Reichweite bleibt ein Problem. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass die Stromer derzeit keine Option seien – nur 26 Prozent würden aktuell ein E-Auto fahren wollen.

Derweil kehren etliche Aussteller der IAA den Rücken. Dieses Mal fehlen etwa Fiat, Peugeot, Citroën, Nissan, Tesla, Toyota und Volvo. Das liege auch an der angespannten Lage einiger Firmen, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Er spricht von einer »Problem-IAA«, auch weil viele gezeigte Autos noch der alten Strategie der PS-Stärke folgten.

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