IT-Ausbilder: in Schule, Studium und Beruf werden Office-Anwendungen gefordert

„iPads sind für Schulen ungeeignet“

Gütersloh (WB). Ingo Weber schüttelt den Kopf. „Wenn ich lese, dass immer mehr Städte ihre Schulen mit iPads ausstatten, frage ich mich, ob die Verantwortlichen wissen, was sie tun.“

Christian Althoff

Symbolbild. Foto: imago

Der Gütersloher ist Fachmann für die Office-Anwendungen von Microsoft. Seit fast 30 Jahren programmiert der IT-Experte und Inhaber der Firma Softwaretrain Anwendungen rund um das Office-Paket und schult Auszubildende, Menschen, die mitten im Berufsleben stehen, aber auch solche, die sich mit Mitte 50 noch einmal neu orientieren müssen.

Das, was Schüler in der Schule und später im Studium und im Beruf brauchten, seien die Programme Word, Powerpoint, Excel und Outlook – und die ließen sich nur eingeschränkt und umständlich auf einem iPad bedienen, sagt der 60-Jährige. „Microsoft-Anwendungen spielen seit Jahrzehnten in der Wirtschaft eine zentrale Rolle. In 80 Prozent der Unternehmen, für die ich arbeite, sind diese Programme Standard. Es wird heute einfach vorausgesetzt, dass man die einigermaßen beherrscht. Da braucht man ja nur in die Stellenausschreibungen zu gucken.“

Apples Betriebssystem iOS oft in Branchen, die grafisch arbeiten

In der Werbung und anderen Branchen, die grafisch arbeiteten, habe sich dagegen Apples Betriebssystem iOS durchgesetzt. „Aber auch diese Firmen haben meistens noch einen PC bei sich stehen, weil ihre Kunden Microsoft-Programme nutzen.“

Seit Jahren schon schult Ingo Weber für ein großes Unternehmen, das mehrere Standorte in Ostwestfalen hat, Auszubildende, die gerade die Schule verlassen haben. „Das sind pro Jahr etwa 30 Realschüler und Abiturienten, die in dem Unternehmen Berufe im kaufmännischen und im technischen Bereich anstreben und auf ein Level gebracht werden sollen“, sagt er. Fünf Tage brauche er, um die Schulabgänger in Word, Powerpoint, Excel und Outlook fit zu machen. „Die sind ja noch jung, die haben eine hohe Auffassungsgabe und sind Lernen gewohnt.“

IT-Ausbilder Ingo Weber aus Gütersloh unterrichtet Schulabgänger und Studenten in Office-Anwendungen und hält es für falsch, dass Schulen auf ­Tablets statt auf Laptops setzen. Foto:

In der Regel erzählten ihm die Schulabsolventen, dass die Computerausstattung ihrer Schule gar nicht so schlecht gewesen sei. „Oft gab es einen Computerraum, aber was nach Angaben der jungen Leute überall fehlte, waren Lehrer, die richtig Ahnung von Office hatten“, sagt der Gütersloher. „Von den Schülern wurden immer wieder Präsentationen in Powerpoint erwartet, aber wie sie die machen sollten, mussten sie sich selbst beibringen.“ Und das sei bei der heutigen Komplexität der Office-Anwendungen nur sehr begrenzt möglich. „Ich kenne Studenten, die sich mit Office durchs Studium quälen, weil es ihnen nie jemand richtig gezeigt hat. Die sitzen eine Stunde daran, das Inhaltsverzeichnis ihrer Bachelor-Arbeit zu erstellen und zu formatieren, obwohl Word das mit einem Kommando selbst erledigt.“

Excel sei ebenfalls sehr wichtig, es werde in Unternehmen mittlerweile auch in den technischen Bereichen oder in Werkstätten verwendet. „Daten erfassen, auswerten und mit Diagrammen visualisieren ist heute fast überall Bestandteil der täglichen Arbeit.“

Kompakte Office-Kurse für Schüler?

Der IT-Fachmann hält es für wünschenswert, dass Schulen kompakte Office-Kurse für Schüler anbieten, die von externen Anbietern durchgeführt werden. „Damit könnte man die offensichtlichen Defizite bei den Schülern schnell beseitigen. Es wäre ein bestimmtes Niveau sichergestellt, und es müsste sich nicht jede Schule darum kümmern, einen ihrer Lehrer für Office-Schulungen zu begeistern.“

Dass in vielen Schulen auf iPads gesetzt wird, hält der IT-Experte aber nicht nur im Hinblick auf die Office-Anwendungen für falsch. „Es geht auch um die Bedienbarkeit. Tablets, egal welcher Marke, sind schick, um damit unterwegs zu surfen, E-Mails zu bearbeiten oder sich Videos anzusehen. Meinetwegen auch, um im Unterricht mal irgendetwas nachzugucken. Aber für vernünftiges Arbeiten, zum Beispiel mit Excel, brauche ich eine Tastatur, eine Maus und einen einigermaßen großen Bildschirm. Und drucken kann man mit Tablets ja auch nur, wenn ein Drucker mit WLAN oder Apple-Print vorhanden ist.“

Empfehlung: Laptop mit Touchscreen

Er habe schon versucht, mit einer Schülergruppe Excel-Tabellen auf einem iPad zu bearbeiten, „aber das gelang selbst den Mädchen mit den zartesten Fingern nicht“.

Das Unternehmen, für das er im Moment wieder Schulabgänger unterrichte, habe jedem Auszubildenden einen Laptop mit Touchscreen zur Verfügung gestellt, sagt Weber. „Das sind meiner Meinung nach die optimalen Geräte, auch für Schüler.“ Aber auch günstigere Laptops mit herkömmlichem Display seien für den Unterricht gut geeignet.

===================================

Auch in OWL wurden unlängst mehrere Schulen mit iPads ausgestattet. Hier ein paar Beispiele aus:

Bad Driburg

Kirchlengern

Hiddenhausen

Herford und

Stemwede.

Startseite