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Beratungsstellen: Energiekosten und Miete oft nicht mehr zu schultern

Mehr Schuldner suchen Hilfe

Berlin/Bremen

Beratungsstellen für Menschen mit Schulden melden erneut eine bundesweit gestiegene Nachfrage. „Pandemie und Inflation sind bei uns deutlich zu spüren“, sagte die Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen, Annabel Oelmann, am Donnerstag auf einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz mit Caritas und Diakonie.

Ärger mit den Gläubigern? Eine vereinbarte Ratenzahlung mit Lohnabtretung kann Schuldner erst recht in finanzielle Schieflage bringen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

„Es kommen immer mehr Menschen, die ihre Miete und Stromkosten nicht mehr zahlen können.“ Mehr Anfragen meldeten 56 Prozent von 462 Schuldnerberatungsstellen, die sich an einer Umfrage von Verbraucher- und Wohlfahrtsorganisationen beteiligten. Im vergangenen Jahr waren es bereits rund zwei Drittel der Einrichtungen. Damals wurde vor allem die Corona-Pandemie als Grund genannt. Nun spielen auch gestiegene Lebenshaltungskosten eine Rolle. So sagten 32 Prozent der Beratungsstellen, es hätten sich mehr Ratsuchende wegen Miet- und Energieschulden gemeldet.

Die Träger der Beratungsstellen forderten einen allgemeinen Rechtsanspruch auf kostenlose Schuldnerberatung. Diesen hätten derzeit nur Bezieher von Sozialleistungen. „Wer akut in finanzielle Not gerät, greift nach jedem Strohhalm und läuft dabei Gefahr, noch tiefer in die Schuldenfalle zu tappen“, warnte die Diakonie-Vorständin für Sozialpolitik, Maria Loheide. Unseriöse Anbieter versprächen schnelle Hilfe und schlügen Profit aus Notlagen. Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, forderte einen schnelleren Ausbau der Beratungsangebote. Die Nachfrage erhöhe sich und Wartelisten würden länger. „Wem das Wasser bis zum Hals steht, kann nicht Wochen bis zum ersten Beratungstermin warten“, mahnte sie.

Die Beratungsstellen reichten ihre Antworten für die Umfrage zwischen Mitte Januar und Anfang März ein, also zum Teil nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Eine Privatperson gilt als überschuldet, wenn ihr Geld nicht mehr reicht, um Verbindlichkeiten abzubezahlen. Laut Statistischem Bundesamt sind rund sechs Millionen Erwachsene in Deutschland überschuldet. Das entspricht einer Quote von etwa 8,9 Prozent. 2020 lag der Wert noch bei 9,8 Prozent und 2007 bei 10,9 Prozent. Wegen der steigenden Preise schlagen Beratungsstellen dennoch Alarm.

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