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Wohnen

Mietwohnung verschönern: Was ist erlaubt?

Wer möchte seine Wohnung nicht gemütlich und einladend gestalten? Mieter stehen angesichts dieses Vorhabens sowohl bei Verschönerungsarbeiten als auch bei Umbauten regelmäßig vor der Frage, was erlaubt ist und was nicht. Vieles ist zwar im Mietvertrag geregelt, trotzdem aber bleiben Spielräume: Besser ist deshalb, vor den Renovierungsarbeiten mit dem Besitzer der Immobilie zu sprechen.

Aschendorff Medien

Foto: stock.adobe.com @ Robert Kneschke

Wer eine Mietwohnung bezieht, plant in der Regel mehr oder weniger umfangreiche Renovierungsarbeiten: Neues Laminat, ein neuer Teppichboden oder ein frischer Farbanstrich gehören im Grunde zum Standard. Oft stören sich Mieter aber auch an alten Fliesen, oder möchten aus einem großen Raum zwei kleine machen. Nicht immer spielt der Vermieter bei solchen und ähnlichen Wünschen mit.

Vorsicht bei größeren Aktion

Wer etwa Fliesen ohne Genehmigung mit Substanzen wie Fliesenlack überstreicht, der sich nicht mehr restlos ablösen lässt oder Fliesen gar abschlägt, verletzt die Rechte des Wohnungsbesitzers und wird schlimmstenfalls zur Kasse gebeten. Kleinere Renovierungsarbeiten jedoch darf der Mieter ohne Erlaubnis in Angriff nehmen. Dazu gehört zum Beispiel die Anbringung von Einbauschränken an den Wänden. Anders bei größeren Aktionen: Wer die Decke abhängen möchte, muss auf jeden Fall das Einverständnis des Vermieters einholen, genauso dann, wenn für den Abzugsschlauch eines Wäschetrockners eine Bohrung an der Außenwand der Immobilie notwendig wird. Für solche Arbeiten ist eine schriftliche Genehmigung Voraussetzung. In diesem Fall greift der Mieter in die Bausubstanz ein und kann sein Vorgehen auch nicht mehr rückgängig machen. Laut Mietrecht dürfen – ohne den Eigentümer davon in Kenntnis zu setzen - ausschließlich Renovierungsarbeiten und Umbau-Maßnahmen vorgenommen werden, die substanziell nichts an der Wohnung verändern.

Entscheidend ist der Mietvertrag

Im Grunde genommen bestimmt das bestehende Mietrecht nicht, dass bei einem Auszug die Wohnung renoviert werden muss. Nur, wenn eine Renovierung im Mietvertrag schriftlich fixiert ist, muss der Mieter den Pinsel in die Hand nehmen, Einbauten abbauen oder neue Auslegeware einbringen. Entscheidend ist auch, wie der Mieter die Immobilie übernommen hat – renoviert, teilrenoviert oder unrenoviert? In den vergangenen Jahren hat der Bundesgerichtshof bei Renovierungsfragen häufig zugunsten des Mieters entschieden, was viele Schönheitsreparaturen obsolet gemacht hat.

Auch draußen kein Eingriff in die Bausubstanz

Dies alles betrifft nicht nur die Räume in der Wohnung, sondern auch Balkon, Garten und Terrasse. Auch hier müssen alle Änderungen, die der Mieter vornimmt, prinzipiell zurückgebaut werden können. Dabei geht es auch um die Installation einer Satellitenschüssel. Wer etwa für seinen Nachwuchs ein Spielhaus im Garten aufstellen möchte und ein Fundament gießen will, sollte sich darüber im Klaren sein, die Betonplatte beim Auszug entfernen zu müssen. Das gilt ebenso für Holzkonstruktionen auf dem Balkon. Auch diese müssen mit Beendigung des Mietvertrages möglicherweise entfernt und der Balkon wieder in den Ursprungszustand versetzt werden. Es sei denn, der Vermieter erklärt sich damit einverstanden, einen vielleicht aufgebrachten Holzboden von seinem Mieter zu übernehmen. Ähnliches gilt beispielsweise auch für Blumenkästen. Hinzu kommt, dass alle Veränderungen im Außenbereich der Immobilie diese optisch nicht mindern dürfen. Wie aber genau ein Sichtschutz aussehen muss, um keinen Stein des Anstoßes zu liefern, ist gesetzlich nicht eindeutig geregelt. Auf der sicheren Seite ist deshalb, wer sich für möglichst neutrale Elemente entscheidet

Klassiker: Streit um Wandfarbe

Ein Klassiker, der sehr häufig für Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien sorgt: Dürfen Mieter die Wände der Immobilie farblich nach Belieben streichen, oder sind sie zu neutralen Farbtönen verpflichtet? Laut Mietrecht dürfen Vermieter keine Vorgaben machen, mit welchen Farben oder auch Tapeten die Wände der Wohnung gestaltet werden. Es dürfen also auch auffällige Farben oder extravagante Tapeten sein.

Allerdings können Mieter davon ausgehen, die Räume später wieder in einem neutralen Zustand übergeben zu müssen. Bleiben die Wände wie sie sind, kann der Mieter zu Schadensersatz verpflichtet werden. Das gilt selbst dann, wenn es nicht explizit im Mietvertrag erwähnt ist. Wer eine unrenovierte Immobilie übernimmt, sollte mit dem Vermieter vorher klären, ob die Wohnung beim Auszug frisch gestrichen übergeben werden muss oder nicht – und das Ergebnis der Verabredung schriftlich im Mietvertrag fixieren. Wer irgendwann Fenster- und Türrahmen einen neuen Anstrich verleihen möchte, kann dies ohne Genehmigung tun. Für Türen und andere Flächen gilt: Nicht ohne Erlaubnis streichen, weil der Ursprungszustand nach dem Streichen nicht mehr herstellbar ist. Wer stattdessen Deko-Folie verwenden möchte, um zum Beispiel Türblätter zu verschönern, sollte vorher sichergehen, dass sich Klebereste ohne weiteres entfernen lassen. Das Gleiche gilt für Fliesen, die mit Folie überklebt werden.

Löcher in der Wand – beseitigen oder nicht?

Bei Bohr- oder Dübellöchern in den Wänden, so der Deutsche Mieterbund (DMB) mit Berufung auf das Landgericht Köln (1 S 130/99), seien Mieter auf der sicheren Seite, solange sich diese in üblichem Rahmen halten: Löcher in gewissem Umfang gehörten zum vertragsgemäßen Gebrauch und zögen keine Schadensersatzansprüche des Eigentümers nach sich. „Der Mieter darf dort übliche Gegenstände, wie Spiegel, Hängeschränke, Toilettenpapier- und Handtuchhalter befestigen. Im üblichen Umfang gesetzte Bohrlöcher muss der Mieter beim Auszug nicht beseitigen“, so der DMB. Anders jedoch, wenn im Mietvertrag eine entsprechende Klausel nach Schönheitsreparaturen enthalten ist. Dann müssen auch die Bohr- und Dübellöcher verschwinden.

Auf Nummer sicher gehen Mieter, wenn sie Gegenstände ohne Wandlöcher anbringen. Das funktioniert zwar in vielen Fällen nicht, dennoch gibt es Möglichkeiten: Handtuchhalter mit Saugnapf können zum Beispiel eine Alternative sein, genauso wie Plissees als Sichtschutz und Verdunkelung, die ganz ohne Wandlöcher auskommen. Ähnliches gilt für die Anbringung von Fliegenschutzgittern: Wenn zur Befestigung Löcher in die Fensterrahmen gebohrt werden müssen, muss der Mieter um Erlaubnis gefragt werden. Deshalb verwenden viele Mieter entsprechende Gitter, die auch ohne Löcher montiert werden können.

Wer aus einem Raum zwei machen möchte, darf zum Beispiel Trockenbauwände ziehen, die komplett und ohne Schäden rückbaubar sind. Eine Erlaubnis braucht der Mieter in diesem Fall im Grunde nicht. Doch Vorsicht: Zusätzliche Wände können zu Folgeproblemen führen. Besser ist es, vorher das Einverständnis des Eigentümers einzuholen, denn durch neue Wände kann ein anderes Raumklima entstehen, welches Schimmelbildung begünstigt.

Die Erlaubnis wird auch dann nicht benötigt, wenn der Mieter vorhandene Geräte wie eine Waschmaschine oder einen Geschirrspüler austauschen möchte. Allerdings muss er die alten Geräte, die sich im Besitz des Vermieters befinden, aufbewahren und zum Auszug wieder an Ort und Stelle bringen.

Laminat, Teppich und Parkett

Wer als Mieter den Fußboden austausche möchte, sollte vorher mit dem Eigentümer sprechen und dessen Genehmigung abwarten, denn Änderungen der Bausubstanz schließen auch Fußbodenbeläge ein. Auch hier gilt: Am besten ist es, die getroffene Absprache schriftlich festzuhalten, denn mündliche Absprachen bieten keine ausreichende Rechtssicherheit.

Foto: stock.adobe.com @ pololia

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Klärung der Frage, ob der Fußbodenbelag nach Auszug aus der Wohnung dort verbleiben soll und der Vermieter eine Ablösesumme zahlt (Zeitwert), oder ob der Boden beseitigt werden muss. Wer Laminatboden ohne Erlaubnis des Vermieters verlegt, muss diesen im Zweifel beim Auszug wieder zurückbauen. Einigen sich die Parteien jedoch und soll neuer Fußbodenbelag verlegt werden, kann der Vermieter Bedingungen stellen, indem er

  • verbietet, Laminat zu verkleben
  • Vorgaben für einen Mindestabstand zu Türen und Wänden macht
  • auf Trittschalldämmung besteht
  • verbietet, Türen abzuschleifen und damit zu kürzen

Bei Parkett gilt: Ist der Boden vom Vermieter mit Parkett verlegt worden, ist auch dieser in der Pflicht, das Holz von Zeit zu Zeit abzuschleifen. Wenn der Mieter diese Aufgabe selbst übernehmen will, sollte er den Wohnungseigentümer vorab informieren, denn für mögliche Schäden am Parkett, verursacht durch einen Laien, haftet in diesem Fall der Mieter.

Was Teppichboden betrifft:  Wird eine Wohnung inklusive Teppichboden gemietet, darf die Auslegeware nicht ohne Genehmigung vom Mieter entfernt werden. Gleichzeitig ist er auch dazu verpflichtet, den Teppich zu pflegen – genauso wie alle anderen Bodenbeläge, die vom Vermieter gestellt worden sind.

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