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Agrarhandelskonzern Agravis spürt Auswirkungen des Ukraine-Krieges

„Das kommt im Supermarkt an“

Münster

Auf den Agrarmärkten haben sich die Koordinaten grundlegend geändert – davon ist Dirk Köckler überzeugt. Der Vorstandsvorsitzende des Agrarhandelskonzerns Agravis mit Sitz in Münster und Hannover legte am Donnerstag dennoch eine „respektable“ Bilanz für 2021 vor.

Von Jürgen Stilling

Vom Firmensitz in Münster aus legte Agravis-Chef Dirk Köckler online seine „respektablen Zahlen“ vor. Foto: Agravis

Dr. Dirk Köckler bleibt trotz der Marktturbulenzen gelassen: „Noch sind die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf den Agrarhandel beherrschbar.“ Wegen längerfristiger Kontrakte und Vorverkäufe mit der Industrie und der Landwirtschaft sei die Versorgung mit Betriebsmitteln für die nächsten Monate sichergestellt, so der Chef des Agrarhandelskonzerns Agravis.

Doch die extremen Preissteigerung – vor allem bei Getreide und Düngemitteln – werden auch die Verbraucher noch stärker spüren. „Das kommt im Supermarkt an.“ Von einer „deutlichen Teuerung in den Regalen“, sprach der Vorstandschef am Donnerstag bei der Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2021 in einer Videokonferenz.

Weizenpreis gestiegen

Die Preisexplosion auf den globalen Agrarmärkten ist enorm: So habe sich der Preis von Mineraldünger inzwischen verfünffacht, berichtete der neue Agravis-Finanzvorstand Hermann Hesseler. Und der Weizenpreis sei nach dem russischen Angriff von ehedem 200 € pro Tonne auf teilweise 420 € pro Tonne gestiegen, sagte Hesseler.

Das Jahr 2021 hat Agravis nach eigener Einschätzung „respektabel abgeschlossen“. Vor allem aufgrund eines deutlich gestiegenen Preisniveaus, aber auch wegen hinzugewonnener Marktanteile bilanziert Agravis das vergangene Jahr mit einem Umsatzplus von knapp 14 Prozent auf 7,3 Milliarden €. Der Vorsteuer-Gewinn kletterte um neun Prozent auf 33,2 Millionen €. „Damit zeigt sich“, so Finanzvorstand Hesseler, „dass Agravis in der Lage ist, dauerhaft Gewinne zu generieren.“ Vorstandschef Köckler formulierte als dauerhaftes Ziel, einen jährlichen Gewinn vor Steuern von über 30 Millionen € erzielen zu wollen.

Umsatz und Gewinn zurückhaltend geplant

Für das laufende Jahr präsentierte Köckler einen sehr zurückhaltenden Umsatz- und Gewinnplan. Grund seien die aktuell hohen Kosten und Ausfallrisiken bei Energie und Fracht. „Beim Umsatz gehen wir in 2022 von 6,8 Milliarden Euro aus und beim Ergebnis vor Steuern streben wir mit 31,1 Millionen Euro einen Wert an, der mit der gegenüber 2021 leicht reduzierten Umsatzerwartung korrespondiert“, erklärte der Konzernchef.

Um die aktuellen Logistikkosten in den Griff zu bekommen, appellierte Köckler an die Politik, über die aktuelle Lenkzeiten-Regeln für Lkw-Fahrer nachzudenken. Auch eine Aufhebung des deutschen Sonntagsfahrverbots brachte er ins Gespräch. Im übrigen zwinge die aktuell volatile Marktlage Agravis zu einer konsequenten Kostendisziplin. Die Straffung von Strukturen und Prozessen im Konzern werde dadurch beschleunigt, so Köckler. Deshalb sei es richtig, dass Agravis massiv in eine zukunftsgerichtete, einheitliche Warenwirtschaft auf SAP-Basis und stabile digitale Prozesse investiere.

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