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Julian Hinz von der Universität Bielefeld über die Wirksamkeit von Sanktionen im Ukraine-Krieg

Ökonom: „Russland hat seine wirtschaftliche Zukunft verspielt“

Bielefeld

Sanktionen sind mit der Hoffnung verknüpft, Kriege zu verhindern. Der wirtschaftliche Schaden soll Staaten zum Einlenken bewegen. So auch Russland. Professor Dr. Julian Hinz ist Ökonom und Juniorprofessor am Lehrstuhl für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Bielefeld und forscht zu den Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland. Im Interview erklärt er, wie die Wirtschaftsstrafen den russischen Staat treffen und wie tiefgreifend sich globale Wertschöpfungsketten aufgrund der Sanktionen auf Dauer ändern werden.

Von Ludmilla Ostermann

Die Europäische Union hat ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft gesetzt. Foto: Arno Burgi/dpa

Die Sanktionen gegen Russland sind umfangreich. Politisch bewegt sich jedoch nicht viel. Wie wirksam sind die Strafen?
Julian Hinz: Wirtschaftlich haben die Sanktionen gehörige Auswirkungen, die wirtschaftliche Aktivität ist massiv eingebrochen. Die russische Zentralbank erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um etwa 10 Prozent, und das wäre der größte Rückgang seit den 1990ern. Hinzu kommt die Inflation. Die Verbraucher*innenpreise gehen gerade durch die Decke. Verwundern tut dies nicht: Die russische Wirtschaft importiert normalerweise sehr viel. Das ist nun schwierig oder bleibt ganz aus. Die wirtschaftliche Effektivität der Sanktionen ist also durchaus gegeben. Was die politischen Auswirkungen angeht, so müssen wir uns die Frage stellen: Was wäre, wenn es die Sanktionen nicht gegeben hätte? Die massiven wirtschaftlichen Folgen haben zumindest eine stark abschreckende Wirkung auf weitere Eskalation.

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