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Commerzbank in OWL mit 2020 „sehr zufrieden“ – Folgen des Konzernumbaus noch offen

Starke Zuwächse in der Krise

Bielefeld

Für die Commerzbank ist in OWL das Corona-Krisenjahr 2020 besser gelaufen als erwartet. Frank Brüggemann, Leiter der Niederlassung Bielefeld, berichtet von starken Zuwächsen des Geldhauses in allen wichtigen Bereichen.

Oliver Horst

Die Commerzbank-Niederlassung Bielefeld hat ihren Sitz am Jahnplatz. Foto:

„Auch unsere Kunden sind bislang gut durch die Krise gekommen. Im Firmenkundengeschäft haben wir noch keinen einzigen Kreditausfall gesehen“, sagt Hans-Jürgen Stricker. Der bald 66-Jährige gibt Anfang April die Leitung der Mittelstandsbank-Niederlassung mit 2300 Firmenkunden an Simone Putsch (47) ab.

In der ersten Schockphase habe die Commerzbank die Unternehmen dabei unterstützt, mit Krediten der Förderbank KfW Liquidität sicherzustellen, sagt Stricker. Bundesweit seien 7,7 Milliarden an KfW-Krediten beantragt worden, rund 110 Millionen davon in OWL. In Anspruch genommen wurden bislang aber nur 3,3 Milliarden und in der Region 63,8 Millionen. Gerade im zweiten Lockdown würden aber weitere Kredite gezogen.

Plus bei Baufinanzierungen von fast 23 Prozent

Aber auch direkte Darlehn der Commerzbank waren weiter gefragt. In der Region erhöhte sich das Kreditvolumen um fast zehn Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Ein Treiber waren Immobilienfinanzierungen. Brüggemann spricht für seine Niederlassung, die etwa die Hälfte von OWL umfasst, von einem Plus im Neugeschäft von 22,7 Prozent auf 239,6 Millionen. Bundesweit waren es nur zehn Prozent.

45 Prozent der Zahlungen erfolgen inzwischen kontaktlos

Deutlich gespürt habe die Bank den Digitalisierungsschub in Pandemie-Zeiten. Inzwischen würden 45 Prozent der Einkäufe kontaktlos per vorgehaltener EC-Karte oder Handy gezahlt. „Experten erwarten bis Ende 2022 einen Anstieg auf 60 Prozent.“ Die Nutzung der Bank-App sei sprunghaft gestiegen. In Kürze sollen Kunden so auch Wertpapier-Sparaufträge abschließen können. Diese hätten 2020 bei vielen das zinslose Sparkonto abgelöst. „Das klassische Einlagevolumen bei uns ist stabil bei 1,7 Milliarden Euro geblieben, das Depotvolumen um 3,7 Prozent auf 2,6 Milliarden gestiegen“, sagt Brüggemann. Im Schnitt legten seine Kunden 261 Euro im Monat per Wertpapiersparen an. Im Trend lägen Investments mit Nachhaltigkeitsfaktor. Im Privatkundenbereich erfolgten 90 Prozent der Überweisungen online, bei Firmenkunden 100 Prozent.

Diesen Entwicklungen trage die Commerzbank mit ihrer „Strategie 2024“ Rechnung. Bundesweit soll die Zahl der Filialen von 790 auf 450 sinken und sollen 10.000 Jobs wegfallen. „Wir werden eine Direktbank mit persönlicher Beratung“, so Brüggemann. Er erwarte auch in OWL mit aktuell noch 16 Standorten Schließungen. Entscheidungen sollten im Laufe des Jahres fallen, die Umsetzung 2022 beginnen.

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