1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Ueberregional
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Visionärer Modeschöpfer

  8. >

Pierre Cardin auch Lizenzgeber für den Herforder Bekleidungshersteller Ahlers

Visionärer Modeschöpfer

Herford/Paris (WB...

Pierre Cardin ist mit seiner Schneiderkunst zu einem der reichsten Männer Frankreichs geworden. Der Nachwelt hinterlässt der Designer futuristische Kreationen und ein wahres Mode-Imperium.

Paul Edgar Fels und Sabine Glaubitz

Der französische Modedesigner Pierre Cardin präsentiert seine Ausstellung „Design und Mode 1950 - 2005“ in der Akademie der Künste in Wien. Das Foto entstand vor 15 Jahren. Foto: Ronald Zak/AP/dpa

Pierre Cardin steckte seine Haute-Couture-Models in Overalls aus Plastik und metallisch glänzende Bodysuits und nannte seine Kollektionen „Star Trek“ und „Cosmocorps“. Er entwarf Mode für die Masse, schneiderte Unterwäsche, die bei Lidl vertrieben wurde, und war mit seinem Namen Lizenzgeber beim Herforder Bekleidungshersteller Ahlers. Nun ist der „größte Visionär der Mode“ im Alter von 98 Jahren bei Paris gestorben.

Mit seiner futuristischen Mode hatte Cardin so manchen Ästhetiker vor den Kopf gestoßen. Cardin war der erste Couturier (Modeschöpfer der Haute Couture), der eine Prêt-à-porter-Kollektion auf den Markt brachte. Er war der erste seiner Branche, der seine Marke für unzählige Produkte wie Mineralwasser, Essbesteck, Plattenspieler, Bettwäsche, Armbanduhren und Autos hergab. In über 70 Jahren erschuf er ein Mode-Imperium aus über 800 Fabriken und Lizenzen weltweit – das machte ihn auch zu einem der reichsten Männer Frankreichs.

Der Herforder Männermode-Spezialist Ahlers verfügt seit 1992 über die Lizenz für die Modemarke „Pierre Cardin“ in Deutschland. „Der Tod von Pierre Cardin macht uns tief betroffen. Seine Ideen und seine unaufhörliche Schaffenskraft bis ins hohe Alter haben nicht nur mich begeistert, sondern alle, die ihn hier kennenlernen durften“, sagte Vorstandsvorsitzende Stella A. Ahlers am Abend.

Das Lizenzportfolio umfasst unter anderem Jeans, Hemden und Jacken für Herren in Deutschland, Frankreich, Polen, Russland und weiteren 33 Ländern. Ahlers beliefert mit Pierre Cardin 4300 Kunden im In- und Ausland und betreibt 20 eigene Pierre-Cardin-Stores. Hinzu kommen 83 Partnerstores, viele in Osteuropa.

Cardin bietet aber mehr als Mode. 1969 kaufte er in der Nähe des Pariser Präsidentenpalasts Elysée ein altes Theater und funktionierte es in den „Espace Pierre Cardin“ um – ein Kulturzentrum mit Konferenzsälen, einem Luxusrestaurant, einer Kunstgalerie und einem Vorführraum für seine Kollektionen. Er interessierte sich für das „Maxim's“, in dessen Namen er Delikatessen wie Champagner und Gänseleber kommerzialisierte. 1981 kaufte er das legendäre, gleichnamige Jugendstilrestaurant im Herzen von Paris. 2001 kaufte Cardin das Schloss des Grafen und Schriftstellers Marquis de Sade im südfranzösischen Lacoste, ließ sich das futuristische Ferienhaus Palais Bulles an der Côte d'Azur erbauen, eine der teuersten Villen Frankreichs, und eröffnete in Paris sein eigenes Museum. Denn für den steinreichen Schneidermeister war Mode zwar ein Handwerk, vor allem aber Kunst.

Der Designer wurde am 2. Juli 1922 als Sohn eines französischen Weinhändlers in Italien geboren. Nach der Befreiung Frankreichs ging er Mitte der 40er Jahre nach Paris und begann als Modezeichner im Haus Paquin, wechselte dann zu Christian Dior, wo er 1947 bei der Kreation des legendären „New Look“ mitwirkte, der mit seiner schmalen Taille und den runden Schultern die Weiblichkeit betonte. Drei Jahre später gründete er sei eigenes Haute-Couture-Unternehmen.

Startseite
ANZEIGE