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Wenn die grüne Lunge stirbt: Was wir über Natur- und Artenschutz wissen sollten

Alle reden vom Klimawandel. Doch das, was wir davon tatsächlich wahrnehmen, ist nur ein Bruchteil dessen, was sich wirklich auf unserem Planeten abspielt. Das Thema ist für Viele nicht greifbar, weil sie die Auswirkungen nicht spüren. Manche wollen sie auch nicht wahrhaben. Zeit, sich an die Orte zu begeben, wo der Klimawandel deutlich sichtbar wird.

Foto: stock.adobe.com © bennymarty

Die Rote Liste

Über 30.000 Tier- und Pflanzenarten gelten inzwischen als bedroht. Aufgelistet hat diese die Weltnaturschutzunion IUCN in ihrer sogenannten „Roten Liste“. Insgesamt 112.432 Arten hat die IUCN untersucht und davon 27 Prozent als bedroht deklariert. Darunter auch Eukalyptus, eine wichtige Nahrungsquelle der Koalas. Faste ein Viertel aller gut 800 Eukalyptusarten sind bedroht, bis auf wenige Ausnahmen findet man diese nur in Australien.

In Südamerika sind immer mehr Affenarten bedroht. Sie werden entweder gejagt, oder ihr Lebensraum muss Rodungen für Plantagen und Äcker weichen.

Die Erderwärmung macht ebenfalls vielen Arten zu schaffen, das gilt auch für Meerestiere. Mehr als ein Drittel der australischen Süßwasserfischarten sind bedroht, ebenso Haie und Rochen. Unregulierte Fischerei sorgt neben dem Klimawandel dafür, dass viele Meerestiere vom Aussterben bedroht sind.

Bedrohte Regenwälder

Foto: stock.adobe.com

Regenwälder gibt es nicht nur in Australien, sondern auch in Süd- und Mittelamerika, Afrika, Südasien und Südostasien. Durch Bergbau-, Palmöl-, Sojakonzerne und die Holzbauindustrie werden sie immer weiter vernichtet. Mehr als die Hälfte der Regenwälder wurden inzwischen bereits abgeholzt, 10,4 Mio. Hektar Tropenwälder, davon 6,3 Mio. Hektar Primärwälder verschwinden jährlich.

Tropenholz ist eine lukrative Einnahmequelle. Oft findet ein regelrechter Raubbau von sehr alten Bäumen statt. Für bestimmte Holzarten besteht inzwischen ein Ausfuhrverbot, beispielsweise für Rio-Palisander, der nur in Brasilien vorkommt.  Für das als „Brazilian Rosewood“ bekannte Rundholz besteht bereits seit 1968 ein Ausfuhrverbot, 1992 wurde es im Washingtoner Artenschutzabkommen gelistet, weitere Dalbergia-Arten wurden 2017 aufgenommen. Palisander wird auch häufig zum Bau von Musikinstrumenten verwendet, die deshalb bis vor kurzem nicht ohne entsprechenden Nachweis verkauft werden durften. Dass bereits seit etwa acht Jahren in Ghana illegal Bäume gefällt werden und mehr als 400.000 Kubikmeter des Holzes nach China exportiert wurde, um daraus Luxusmöbel herzustellen, wurde erst Ende vergangenen Jahres bekannt.

Auch Wälder in Deutschland bedroht

Wälder und Naturlandschaften speichern Kohlenstoff. Durch die industrielle Revolution wurde immer mehr Kohlenstoff freigesetzt. Werden Wälder abgeholzt und Ökosysteme zerstört, wird wiederum Kohlenstoff freigesetzt. In der Summe wird also durch menschliche Aktivitäten mehr Kohlenstoff freigesetzt als durch natürliche Prozesse wieder gebunden werden können. Die Erderwärmung sorgt für enorme Klimaveränderungen, die Unwetter hervorrufen und somit zu einer Bedrohung für das gesamte menschliche Leben werden können. Wälder spielen daher in unserem Ökosystem eine große Rolle. Durch Luftverunreinigungen leiden auch unsere Wälder in Deutschland. Schädlinge nehmen zu, immer mehr Baumarten erkranken. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sind in Baden-Württemberg bereits über 40% des Waldes geschädigt.

Foto: stock.adobe.com

Wegen des Braunkohleabbaus sollte der Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen gerodet werden, doch Umweltschützer sorgten durch Demonstrationen dafür, dass der Energiekonzern RWE daran gehindert wurde. Durch eine Klage des BUND konnte ein vorläufiger Rodungsstopp erreicht werden. Mittlerweile hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Bundesländern, die vom Kohleausstieg betroffen sind, die Erhaltung des Hambacher Forst vereinbart. Dem Wald wird eine besondere ökologische Wertigkeit zugesprochen, die ältesten Bäume sind 350 Jahre alt, zwei Kolonien der vom Aussterben bedrohten Bechsteinfledermaus sind hier angesiedelt.

Wer Arten rettet, schützt das Klima

Die Lösung all dieser Probleme ist einfach: Plastikmüll darf nicht mehr in die Meere gelangen, der CO²-Ausstoß muss verringert werden, beispielsweise durch weniger Fleischproduktion und den Verbrauch von Energie durch fossile Brennstoffe. Die Folge: Die Erderwärmung wird verringert, weniger Arten sterben aus. Es könnte so einfach sein und ist doch so schwer. Weil wir auf Vieles nicht verzichten können: Auto fahren, Fliegen, mit Öl heizen, Fleisch und Fisch essen und und und…

Vielleicht hätten wir früher mit all dem anfangen sollen? Ist es schon zu spät, oder ist die Erde noch zu retten? Wenn die Emission von Treibhausgasen, insbesondere CO², schnellstmöglich reduziert werden, das Aussterben von Arten verlangsamt wird, Wälder und andere landschaftliche Lebensräume nicht mehr zerstört und die Meere nicht mehr verschmutzt werden, kann man das Schlimmste vielleicht noch verhindern.

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