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Herforder Bugatti-Chef Klaus Brinkmann fordert Staatshilfe auch für die Bekleidungshersteller

„Wir sind zu 50 Prozent Händler“

Herford (WB)

Das die gesamte Modebranche extrem unter den Einschränkungen der Pandemie leidet, hat sich herumgesprochen.

Bernhard Hertlein

Schwer verkäuflich: Mode auch von den heimischen Herstellern

Insofern begrüßt Klaus Brinkmann, geschäftsführender Gesellschafter der Herforder Bugatti-Gruppe, dass nun wenigstens dem Modehandel geholfen werden soll. Doch brauche die Industrie mindestens die gleiche Unterstützung.

Brinkmann begründet dies damit, dass die Verbindung zwischen Hersteller und Handel existenziell sei. „Üblicherweise bleiben fünfzig Prozent der an den Handel ausgelieferten Ware bis zum Verkauf im Besitz des Lieferanten.“ Für diese Ware trage er das volle Risiko. In der Regel sei sogar vorab festgelegt, ab wann Rabatte gegeben werden und in welcher Höhe sich der Produzent an den Mindereinnahmen beteilige.

Endgültig zu einem Minusgeschäft werde die Lieferung für den Hersteller dann, wenn er die liegen gebliebene Ware an einen Zweitverwerter weiterreiche. „Es ist klar, dass gerade jetzt in der Pandemie besonders viel Ware liegen bleibt“, sagt Brinkmann. Berge von Bekleidung seien das teilweise. Sie belasteten die Industrie nicht nur mit Mindereinnahmen, sondern auch mit Lagerkosten. Und weil Mode irgendwann aus der Mode komme, sei die Gefahr groß, dass sie am Ende nur zum Schleuderpreis verkauft werden könne.

Eine andere, durchaus übliche Vertragskonstruktion, die besonders bei großen Handelshäusern eingesetzt werde, sei die der „Concessions“. Dabei betreibe der Hersteller eine genau abgegrenzte Fläche im jeweiligen Kaufhaus selbst – mit dem vollen Risiko bei Nichtverkauf. Der Handel werde in dieser Konstruktion für seinen Aufwand durch eine Beteiligung am Umsatz der Fläche schadlos gehalten, erklärt der Herforder Bekleidungsmacher.

Klaus Brinkmann Foto: Oliver Schwabe

Eine sichere Bank sind für die Textilindustrie normalerweise die sogenannten NOS-Produkte. NOS steht für „never out of stock“ – also Ware, für die es immer Nachfrage gibt und deren ausreichende Bevorratung der Hersteller garantiert. Beispiele dafür sind das weiße Hemd, die Standard-Bluse oder die Standard-Jeans. Doch in Zeiten von Homeoffice und Zukunftsängsten würden auch solche Käufe gern verschoben. Brinkmann: „Entsprechend ist auch dieser Teil unseres Lagers proppevoll“.

Zusammen gefasst leidet die Textilindustrie nach Angaben des Herforder Unternehmers nicht nur darunter, dass der stationäre Handel in der jetzigen Krise naturgemäß weniger ordert: „Die meisten Hersteller erzielen auch 50 Prozent des Umsatzes selbst direkt im Handel.“ Und dabei seien die eigenen Mono-Markengeschäfte, von denen auch Bugatti einige betreibe, nicht einmal eingeschlossen. Zwar sei es den meisten Betrieben der Branche in der Anfangszeit der Pandemie gelungen, durch Kurzarbeit und andere Sparmaßnahmen die Liquidität zu sichern. Doch die Insolvenzgefahr sei damit für die heimische Textilindustrie nicht vom Tisch – zumindest wenn es keine staatlichen Hilfen gebe.

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