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Gesundheit

Blasenentzündung beim Mann: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Blasenentzündung kommt bei jungen Männern deutlich seltener vor als bei Frauen. Ab einem Alter von 60 Jahren allerdings steigt die Zahl der betroffenen männlichen Patienten.*1 Das hat vor allem anatomische Gründe.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Die Zystitis – wie die Blasenentzündung fachsprachlich auch genannt wird – ist eine Infektion der Harnwege. Hervorgerufen wird sie in den meisten Fällen durch Escherichia-coli-Bakterien oder Enterokokken. In diesem Fall sprechen Experten von einer bakteriellen Zystitis. Es gibt zudem auch andere Verursacher wie beispielsweise Pilze.

Die besagten Bakterien kommen natürlicherweise im Mikrobiom des Darms vor – auch als Darmflora (Gesamtheit aller im Darm vorkommenden Mikroorganismen) bekannt. Gelangen diese Bakterien allerdings in die Harnblase, lösen sie dort häufig eine Infektion aus. Bei Frauen ist die Harnröhre mit vier bis fünf Zentimetern sehr kurz, sodass die Bakterien nur einen geringen Weg bis zur Blase überwinden müssen. Beim Mann dagegen misst sie rund 25 Zentimeter und zieht unter anderem durch die Prostata.*2 Die Strecke, die die Bakterien zurücklegen, ist somit beschwerlicher. Mehr Informationen über die männliche Anatomie gibt es auf dem Ratgeber für urologische Erkrankungen und Beschwerden.

Weitere Ursachen einer Blasenentzündung beim Mann

Eine Reihe von Faktoren begünstigt das Auftreten einer Blasenentzündung beim Mann: Dazu zählen unter anderem:

  • mangelnde Hygiene im Intimbereich
  • häufiger Geschlechtsverkehr
  • geschwächtes Immunsystem

Die Ursache, warum die Häufigkeit der Blasenentzündung im Alter beim Mann zunimmt, ist oft eine gutartige Prostatavergrößerung. Ab etwa 50 Jahren wächst die Prostata (Vorsteherdrüse) natürlicherweise. So kommt es vor, dass sie auf die Harnröhre drückt und sie dadurch verengt. Die Folge: Der Urin kann beim Wasserlassen nicht mehr problemlos abfließen, sodass stets ein Restharn in der Blase zurückbleibt. Dieser bildet den idealen Nährboden für die Vermehrung von Bakterien. Escherichia-coli und Co. haben nun leichtes Spiel, können sich verbreiten und letztendlich sogar eine Infektion auslösen.

Die Symptome: So äußert sich eine Zystitis bei Männern

Die Symptome einer Blasenentzündung beim Mann sind vielfältig. Mögliche Anzeichen sind:

  • Harndrang mit nur wenig Urin
  • sehr schwacher Harnstrahl
  • Brennen beim Wasserlassen
  • gelegentliche Inkontinenz (unkontrollierter Urinverlust)
  • Schmerzen im Unterleib, Genitalbereich oder in der Nähe des Damms
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • in einigen Fällen Schüttelfrost sowie Fieber

Tritt eine dieser Beschwerden auf, besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass es sich um eine Zystitis handelt. Für gewöhnlich bemerken Betroffene allerdings mehrere Symptome der Blasenentzündung gleichzeitig. In jedem Fall ist es dringend angeraten, bei entsprechenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen. Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Dieser überweist den Patienten bei Bedarf an einen Spezialisten, den Urologen.

Behandlung einer Blasenentzündung beim Mann

Der Arzt führt nach einer Anamnese (Patientenbefragung) normalerweise zunächst einen Urintest durch. Auf diese Weise stellt er fest, um welche Bakterien es sich handelt und wie stark die Blasenentzündung fortgeschritten ist.

Tritt die Blasenentzündung beim Mann immer wieder auf, sprechen Experten von einem chronischen Verlauf. Hierbei führt der Urologe weitere Untersuchungen wie etwa eine Sonografie (Ultraschall) oder eine Computertomografie (CT) durch, um andere Ursachen der Blasenentzündung wie etwa eine Fehlbildung des Harntraktes auszuschließen.

Je nachdem, um welche Art der Blasenentzündung es sich handelt, kommt eine andere Behandlung infrage. Bei einer bakteriellen Zystitis verschreibt der Arzt meist ein Antibiotikum. Ist es eine Blasenentzündung, die durch Pilze verursacht wurde, greift der Urologe auf pilztötende Mittel (Antimykotika) zurück. Eine unkomplizierte Zystitis (leichter Verlauf) kann häufig mit Schmerzmitteln, wie beispielsweise Ibuprofen, und Hausmitteln behandelt werden. Zur Selbsttherapie – aber auch als Ergänzung zur Einnahme von Medikamenten – sollten betroffene Männer täglich zwei bis drei Liter Flüssigkeit trinken und oft Wasserlassen. Dadurch können die Verursacher aus der Blase herausgespült werden. Statt Wasser bietet sich zudem ein spezieller Blasentee aus der Apotheke an. Dieser enthält oft Bärentraubenblätter, denen eine antibakterielle Wirkung zugesprochen wird.

Tipps zur Vorbeugung einer wiederkehrenden Zystitis

Männer, die an einer chronischen Zystitis leiden, können versuchen, dieser mit ein paar Maßnahmen in Zukunft vorzubeugen. Dazu zählt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich. Außerdem sollten betroffene Männer darauf achten, dass sie ihre Blase regelmäßig und vor allem vollständig entleeren, um Bakterien keine Umgebung zur Vermehrung zu schaffen. Eine regelmäßige Intimhygiene gehört ebenfalls zu den Vorsorgemaßnahmen. Dabei genügt es, wenn die Genitalien mit warmem Wasser gereinigt werden. Auch ein angeschlagenes Immunsystem, beispielsweise durch Stress, Schlafmangel oder falsche Ernährung, kann eine wiederkehrende Zystitis begünstigen. Mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Entspannungsmethoden sorgen Betroffene für ein gesundes Immunsystem und bringen ihre Abwehrkräfte auf Trab. Weitere Tipps, um den Lebensstil zu ändern und somit auch das Immunsystem positiv zu beeinflussen, erhalten Patienten unter anderem bei ihrem Hausarzt.

*1Vahlensieck, W.: Nieren- und Harnwegsinfektionen. URL: https://www.urologenportal.de/patienten/patienteninfo/patientenratgeber/nieren-und-harnwegsinfektionen.html (18.01.2021).

*2Prof. Dr. med. May, Christian Albrecht: Harnröhre (Urethra). URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/557217/subject/anatomie/bauch-+und+beckensitus/ableitende+harnwege/harnr%C3%B6hre+urethra (18.01.2021).

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