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Gesundheit

Mal zu hoch, mal zu niedrig: Blutdruckschwankungen

Zu den am häufigsten auftretenden Gesundheitsbeschwerden gehören Kreislaufstörungen. Dazu zählen unter anderem Blutdruckschwankungen: Viele kennen das Gefühl, wenn es beim Aufstehen aus dem Bett kurz etwas schwarz vor den Augen wird. In der Regel stellt sich das wieder schnell ein – doch einige Menschen leiden regelmäßig unter Problemen mit dem Blutdruck.

Aschendorff Medien

Foto: Colourbox

Typische Symptome von Blutdruckschwankungen sind unter anderem Schwindel, „Schwarz werden“ vor den Augen, Benommenheit, Herzrasen, Übelkeit und sogar kurze Bewusstlosigkeit. Vor allem beim raschen Wechsel in die aufrechte Körperhaltung (Orthostase) können die beschriebenen Beschwerden schnell auftreten – mehr zur Orthostatische Dysregulation erfahren.

In der Regel sind die meisten Menschen, die unter Problemen mit dem Blutdruck leiden, von zu niedrigem Blutdruck (medizinisch Hypotonie) betroffen. Es werden bei einer Messung immer zwei Zahlen angegeben: Bei Frauen kann von niedrigem Blutdruck gesprochen werden, wenn der erste Wert 105 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule, Maßeinheiten des Druckes) und der zweite Wert 65 mmHg unterschreitet. Bei Männern liegt bereits ab dauerhaften Werten unter 110 mmHg zu 70 mmHg eine Hypotonie vor.[1] Ist der Blutdruck zu niedrig, fühlen sich Betroffene sehr oft müde, antriebslos, leistungsschwach und leiden häufig unter Kopfschmerzen, kalten Gliedmaßen sowie Augenflimmern. Für den Blutdruckabfall kommen verschiedene Ursachen infrage: ein Flüssigkeitsmangel, hormonelle Veränderungen (Schilddrüsenunterfunktion, Pubertät oder Schwangerschaft) und langes Liegen (Bettlägerigkeit).

Neben der Hypotonie zählt aber auch ein zu hoher Blutdruck (Hypertonie, über 140/90 mmHg) zu den am meisten verbreiteten Kreislaufstörungen.[2] Diese Form der Blutdruckveränderung wird meist sehr spät von Betroffenen bemerkt, weil sie kaum Symptome verursacht. Leider zum Nachteil für die Organe Herz, Hirn und Nieren — denn dauerhafter Bluthochdruck schädigt die Gefäße, sorgt für eine Verengung der Arterien oder führt zu einer Bildung von Blutgerinnseln. Vor allem Menschen mit Hypertonie-Patienten im familiären Umfeld, sollten besonders sensibel für das Thema sein und sich gegebenenfalls ärztlich untersuchen lassen. Auslöser für Bluthochdruck sind, neben erblichen Faktoren, vermehrter und anhaltender Stress, Übergewicht sowie ein zu hoher Konsum von Kochsalz (über 6 Gramm).[3] Wenn der Blutdruck plötzlich und sehr stark ansteigt, Atemnot und Brustschmerzen dazu auftreten, ist es dringend erforderlich, unter 112 den Rettungsdienst zu rufen – es besteht Lebensgefahr! Es könnte sich um einen Herzinfarkt handeln!

Doch was können Betroffene unternehmen, wenn ab und an Probleme mit dem Blutdruck auftreten? Wichtig sind beispielsweise das Vermeiden von plötzlichen Wechseln der Körperposition (von liegend zu stehend) sowie von Situationen, die zu einer plötzlichen Weitung der Blutgefäße führen (zum Beispiel heiße Bäder). Es kann hilfreich sein, nachts mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen (bis zu 15 – 30 Zentimeter, 45°).[4] Betroffene sollten sich kochsalzreich ernähren (doch 6 Gramm nicht überschreiten) und mindestens 2 bis 3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.[3] Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt belasten den Körper nicht so sehr wie wenige große. Leichte sportliche Betätigung trainiert den Kreislauf. Besonders empfehlenswert sind hier Schwimmen, Aerobic und Fahrradfahren. Regelmäßiges Wechselduschen kann den Blutdruck positiv beeinflussen. Eine weitere Maßnahme ist — vor allem bei regelmäßigen Blutdruckschwankungen — die Anschaffung und das Tragen von elastischen Strümpfen beziehungsweise Kompressionsstrümpfen. Das Material ist sehr feinmaschig und übt einen Druck von außen auf die Venen in den Beinen aus. Dadurch kann weniger Blut in die unteren Extremitäten absacken und der Blutdruck bleibt stabiler.

Im akuten Fall von Blutdruckproblemen sollten Betroffene Gegenmanöver einleiten: Um Stürze durch Schwindel oder gar Bewusstlosigkeit zu verhindern, muss bei den ersten Anzeichen reagiert werden und eine bodennahe Körperposition eingenommen werden: In die Hocke gehen, sich auf den Boden setzen oder hinlegen.

Wenn Blutdruckschwankungen mit den beschriebenen Beschwerden häufiger oder besonders stark auftreten, sollten sie auf jeden Fall von einem Mediziner untersucht werden. Erster Ansprechpartner ist hier der Hausarzt, in einem weiteren Schritt kann an einen Kardiologen (Facharzt für Herz-Kreislauf-Gesundheit) überwiesen werden. Dieser kann gegebenenfalls medikamentöse Maßnahmen zur Behandlung einleiten.

Grundsätzlich sind leichte Blutdruckschwankungen aber im Laufe eines Tages auch natürlich — so ist der niedrigere Blutdruck zum Beispiel wichtig, um am Abend zur Ruhe zu kommen und gut ein- sowie durchschlafen zu können. Zuweilen kann der Körper von Hypotonie-Patienten beim morgendlichen Aufstehen noch nicht so rasch den Blutdruck anpassen und wieder erhöhen. Daher ist es hilfreich, einen kurzen Moment innezuhalten und auf der Bettkante sitzen zu bleiben.

[1] Menche, Nicole: Pflege Heute. Lehrbuch für Pflegeberufe. München: Elsevier 62014. S. 362.

[2]Barmer: Hohen Blutdruck senken. URL: https://www.barmer.de/blob/8580/ea0721a069d18304d27c28ffd86ebb96/data/hohen-blutdruck-senken-626990.pdf (17.02.2021).

[3]Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Salzkonsum in Deutschland: Ergebnisse der DEGS-Studie. 2019. URL: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/degs-salzstudie.html (17.02.2021).

[4]Ziemssen, Tjalf u.a.: Das „weite Feld“ der orthostatischen Dysregulationen. In: Ärzteblatt Sachsen 6/ 2006. S. 247–252, S. 250. URL: https://www.slaek.de/media/dokumente/04presse/aerzteblatt/archiv/2001-2010/2006/06/0606_247.pdf (15.02.2021).

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