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Universität Bielefeld ist an einem Projekt zur Stillförderung beteiligt

Mehr Muttermilch für Frühchen

Bielefeld (epd)

Die Versorgung von Frühgeborenen mit Muttermilch soll besser werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Bielefeld und anderer Hochschulen in Nordrhein-Westfalen wollen in einem neuen Projekt die Stillbereitschaft von jungen Müttern erforschen und das Beratungsangebot verbessern.

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Ein Forschungsprojekt hat das Ziel, die Versorgung von Frühchen mit Muttermilch auf Geburtsstationen zu verbessern. Foto: imago

Für das Forschungsvorhaben „Neo-Milk“ sollen unter anderem 2700 Mütter mit Babys auf Frühgeborenenstationen nach ihren Erfahrungen und Bedürfnissen befragt werden. Auf dieser Grundlage solle ein Stillförderungskonzept für Geburtskliniken entwickelt werden. Geplant ist zudem eine App für Mütter von Frühgeborenen, die über das Stillen informieren und ihnen praktische Tipps geben soll, wie es hieß.

Start des vierjährigen Projekts ist demnach am 1. Januar, die Leitung hat die Universität Köln übernommen. Neben der Uni Bielefeld sind unter anderem das Institut für Patientensicherheit (IfPS) der Uni Bonn, der Lehrstuhl für Versorgungsforschung und Gesundheits-ökonomische Evaluation der Bergischen Universität Wuppertal sowie Juristen der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf beteiligt. Vier Krankenkassen, die Nationale Stillkommission, der Hebammenverband und der Bundesverband „Das frühgeborene Kind e.V.“ unterstützen das Vorhaben.

Ziel von „Neo-Milk“ sei es, Mütter von Frühchen mit weniger als 1500 Gramm Geburtsgewicht zum Stillen zu ermutigen. „Besonders für frühgeborene Kinder ist Muttermilch wichtig, auch, weil sie dazu beiträgt, gefährliche Erkrankungen zu verhindern“, erklärt Diplom-Psychologin Friederike Eyssel vom Bielefelder Hochschulinstitut Citec. Trotz Stillbetreuung im Krankenhaus und weiteren Beratungsangeboten führten unterschiedliche Faktoren dazu, dass manche Mütter nicht oder nur kurze Zeit stillen. Hier solle unter anderem ermittelt werden, welche psychologischen Faktoren dahinter steckten. Zudem wird den Angaben zufolge der Frage nachgegangen, warum stillende Mütter die eigene Muttermilch über sogenannte Frauenmilchbanken anderen Kindern zur Verfügung stellen. „Ob eine Mutter stillt, hängt zum Beispiel damit zusammen, wie sehr sie sich an als typisch wahrgenommenen Geschlechtsrollen orientiert“, sagt Dr. Ricarda Wullenkord, wissenschaftliche Mitarbeiterin in Eyssels Forschungsgruppe. Die Sozialpsychologin wird in dem neuen Projekt erforschen, welche persönlichen Einstellungen die Stillbereitschaft und das Stillverhalten voraussagen können.

Diplom-Psychologin Friederike Eyssel,

Das Stillförderungskonzept soll im Jahr 2022 vorliegen und dann zwei Jahre lang an zwölf beteiligten Geburtskliniken in NRW sowie in Mainz erprobt werden. Das Projekt wird den Angaben zufolge mit insgesamt 4,7 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds der Bundesregierung gefördert. Die Ergebnisse sollen mit in Planungen zu bundesweiten Muttermilchbanken einfließen. Bislang stehen den über 200 Perinatalzentren nur etwa 30 solcher Milchbanken zur Verfügung.

In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 10.500 Frühgeborene mit weniger als 1500 Gramm Geburtsgewicht zur Welt. Sie sind in besonderem Maße von Komplikationen betroffen, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder zum Tod führen können. Stillförderung ist ein Schlüsselelement. Muttermilch ist gerade für frühgeborene Kinder essenziell, zum einen für die Verhinderung vital bedrohlicher Infektionen wie nekrotisierende Enterokolitis (NEC), eine häufig akute Erkrankung des Magen-Darm-Traktes. Zum anderen ist sie für die Prägung des Immunsystems und die kognitive Entwicklung entscheidend.

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