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Betroffene klagen häufiger über Entzündungen – Ursache: Kaltes Frühjahr und jetzt Regen

Mücken werden diesen Sommer zur Plage

Bielefeld

Mückenalarm in Deutschland: Nach zwei trockenen Sommern, in denen die Insekten nur wenig Chancen hatten, beklagen sich derzeit viele Menschen über besonders entzündliche und schmerzhafte Stiche. Immer häufiger werden in Krankenhäusern entzündete Mückenstiche behandelt. Es kann sogar zu Blutvergiftungen kommen.

WB

Sind Mücken aggressiver als in den Jahren zuvor? Foto: Patrick Pleul/dpa

Am Stachel können Bakterien hängen, die in den Körper gelangen. Bei einer bakteriellen Infektion des Mückenstichs ist meist eine Therapie mit Antibiotika erforderlich. Experten wie der Forscher Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut sehen aktuell sehr gute Bedingungen für Mücken.

Fakt ist: Nach einem kalten Frühjahr gibt es viel Regen und warmes Wetter – ein Dorado für Überschwemmungsmücken, deren Eier sich in Pfützen oder auf überschwemmten Wiesen rasant entwickeln. „Die können regelrecht zur Plage werden, wenn Milliarden Mücken gleichzeitig schlüpfen“, meint Kampen. Hoffnung macht Doreen Werner vom Projekt Mückenatlas des Leibniz-Zen­trums für Agrarlandschaftsforschung. „NRW ist kein klassisches Gebiet für Land unter“, sagt die Forscherin. Sie untersucht seit Jahren Insekten, die eingeschickt werden und spricht von einer Dreierkombination von Wirkungen: Nicht nur die Überschwemmungs­mücken seien besonders aktiv. Auch die „frühen“ Wald- und Wiesenmücken sind noch da. Zudem sei abzusehen, dass die Hausmücken, deren Hauptsaison im Spätsommer sei, ebenfalls in starkem Ausmaß schlüpften.

Dass die Stiche generell gefährlicher sind als früher, können beide Forscher nicht bestätigen. Auf die bio­aktiven Substanzen beim Mückenstich würden Menschen je nach Hauttyp sowie Faktoren wie Hitze oder Alter unterschiedlich reagieren, so Kampen. Beide raten dringend davon ab, sich zu kratzen, da dann Bakterien in die Wunden eindringen könnten. Exotische Arten wie die Tigermücke gebe es in NRW nicht. Zudem hätten sie bislang keine Krankheiten wie das West-Nil-Fieber übertragen – anders als in anderen Ländern.

Was man tun kann? „Die Körperstellen bedecken“, so Kampen. Und „larvenfreundliche“ Regentonnen oder ähnliche Gefäße ab­decken oder das Wasser immer wieder austauschen. „Sonst züchten sich die Menschen die ­Mücken im heimischen Garten.“

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