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Regionale Lebensmittel:
Aus diesen Gründen sind sie zu bevorzugen

Es gibt viele Gründe, beim Einkauf auf regionale Produkte zu setzen. Einer davon: Der Klimawandel. Wer Nahrungsmittel aus heimischem Anbau oder regionaler Produktion bevorzugt, tut gleichzeitig etwas für die Umwelt. Gleichzeitig unterstützen Verbraucher die örtliche Wirtschaft. Sehr oft sind Erzeugnisse vom Bauern um die Ecke nährstoffreicher und damit gesünder als Ware aus Übersee. Auch der Frische-Faktor und die Authentizität der Waren spielen eine Rolle, warum immer mehr Verbraucher zu regionalen Erzeugnissen greifen. Und noch ein Grund: Bei tierischen Produkten entfallen lange Transportportwege des Viehs zu den Schlachthöfen.

Aschendorff Medien

Foto: adobe.stock /svitlini

Eines vorweg: Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist das Wörtchen „regional“ gesetzlich nicht definiert und kann deshalb unterschiedlich verwendet werden. Verbraucher verstehen unter dem Begriff meistens eine Region im Großraum rund um ihren Wohnort, in dem die Waren produziert und vermarktet werden. Das kann ein Landkreis sein, aber auch ein Bundesland, oder auch Regionen wie die Nordseeküste, den Schwarzwald oder die Eifel.

Die Werbung macht sich die fehlende Definition des Begriffs „regional“ oft zu Nutze, auch wenn von Regionalität in vielen Fällen kaum die Rede sein kann, so die Verbraucherschützer. Sie raten dazu, in Supermärkten auf den Etiketten nachzuschauen und auf dem Wochenmarkt den Verkäufer zu fragen, woher die Ware stammt.

Regionale Lebensmittel sind im Trend

Regionale Produkte liegen im Trend:

  • Nach Angaben des Statistik-Portals Statista waren es im Jahr 2020 rund 37,6 Millionen Personen in Deutschland, die bei ihrem Einkauf regionale Erzeugnisse bevorzugten.
  • Der Deutsche Bauernverband berichtet, dass die Frische-Orientierung in den deutschen Haushalten innerhalb der vergangenen zehn Jahre um 44 Prozent angestiegen sei.
  • Darüber hinaus sei rund 73 Prozent der Verbraucher beim Einkauf wichtig, dass die Lebensmittel aus der Region stammen.
  • Ein Großteil der Produkte wird im Supermarkt gekauft – allen voran Milchprodukte, Eier, Obst und Gemüse sowie Fleisch.

Klimafreundlicher: Regionale Waren ohne lange Transportwege

Die guten Gründe für die Bevorzugung regionaler Erzeugnisse sind nicht von der Hand zu weisen: Frische Produkte, die ohne lange Transportwege auf den Tisch der Verbraucher kommen, sind deutlich klimafreundlicher als ihre Verwandten aus der Dose oder aus fernen Ländern. So verursacht die Herstellung von Konserven und Tiefkühlprodukten erheblich mehr Treibhausgase als unverarbeitete, saisonale Waren.

Ein anschauliches Beispiel dafür liefert die Verbraucherzentrale: Bei dem mehr als 10.000 Kilometer langen Flugtransports der edlen Stangen von Lima bis nach Frankfurt werden für jedes Kilo Spargel rund 30.000 Gramm Treibhausgase freigesetzt. Eine 100-kilometer lange Anfahrt mit dem LKW bei regional geerntetem Spargel hingegen setzt etwa 19 Gramm schädlicher Gase für Kilo Spargel frei.

Regional ist nicht gleich Bio

„Regional“ bedeutet jedoch nicht gleichzeitig „Bio“, denn auch lokale Anbieter produzieren Obst, Gemüse, Milchprodukte und Fleisch auf herkömmliche Weise. Das bedeutet unter anderem, dass viele Obst- und Gemüsesorten nach konventioneller Methode auch gegen Schädlingsbefall gespritzt oder nicht im Freiland, sondern in beheizten Treibhäusern oder unter Folientunneln - wie zum Beispiel Spargel - gezogen werden.

Umweltbewusste Käufer achten deshalb darauf, Gemüse und Obst, aber auch Fleischwaren und Milchprodukte nach Bio-Kriterien einzukaufen. Was bedeutet, dass nicht gleich beim ersten regionalen Spargel, der meist unter Folien gedeiht, zugegriffen wird, denn beim Anbau von Gemüse und Obst aus beheizten Treibhäusern und unter Folie entstehen deutlich mehr schädliche Emissionen als beim Freiland-Anbau.

Und: Wer auf regionale Bio-Produkte setzt, schont die Umwelt einmal mehr, weil im Vergleich zu herkömmlichen Anbaumethoden bei der Erzeugung von Bio-Waren zum Beispiel wegen des Verzichts auf Pflanzenschutzmittel und chemisch-synthetischem Dünger nur ein Drittel fossiler Energie benötigt wird.

Foto: adobe.stock / jackfrog

Saisonale Produkte: Mehr Nährstoffe

Ob im Supermarkt oder bei Direktvermarktern auf dem Wochenmarkt: Noch besser für Umwelt, Gesundheit und auch für den Geldbeutel ist der Kauf saisonaler Produkte. Das ist nicht nur umweltschonender, sondern auch gesünder, wenn auch manchmal etwas teurer. Gesünder auch deshalb, weil die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln durch drei Faktoren beeinflusst wird:

  • Den Reifegrad,
  • den Erntezeitpunkt und
  • den Umgang mit den Produkten nach der Ernte.

Saisonprodukte aus heimischem Anbau sind nicht nur frischer als konventionelle Waren aus dem Supermarktregal, sondern auch aromatischer, weil sie ausreichend Zeit hatten, zu reifen. Anders als importierte Lebensmittel, die häufig in unreifem Zustand geerntet werden, damit sie auf dem Weg nach Deutschland nicht verderben. Tomaten zum Beispiel, die im Ausland unreif gepflückt werden, verlieren auf dem Transportweg nicht nur viel von ihrem Aroma, sondern auch gesunde Nährstoffe.

Außerdem: Je frischer das Produkt, desto mehr gesunde Nährstoffe enthält es. Auch der Pestizid-Anteil ist bei regionalen Waren häufig geringer als bei eingeführten Produkten. Hinzu kommt, dass der Erwerb von regionalem Saisongemüse den Geldbeutel schont und gleichzeitig die Anbieter und damit auch die örtliche Wirtschaft unterstützt werden.

Im Sommer gibt es naturgemäß die größte Auswahl an saisonalem Obst und Gemüse: Dann haben zum Beispiel Tomaten, Gurken, Bohnen, Kohlrabi, Beerenfrüchte oder Kirschen Hochkonjunktur. Wer glaubt, dass die Gemüsebauern während der kalten Monate keine schmackhaften Produkte im Angebot haben, irrt. Ob Kürbis im Herbst, Rosenkohl oder Grünkohl oder Steckrüben und Rote Beete – die Auswahl ist zu jeder Jahreszeit groß.

Keine langen Transporte zum Schlachthof

Dem NABU zufolge hat sich die Fleischproduktion weltweit in den vergangenen 50 Jahren vervierfacht. Demnach verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich 60,5 Kilogramm Fleisch jährlich. Um dem Fleischhunger gerecht zu werden, wurde die Produktion von Fleischprodukten – Stichwort Massentierhaltung – industrialisiert, und das mit fatalen Folgen. Massentierhaltung schadet nicht nur den Tieren erheblich, sondern auch Natur und Klima.

Hier fallen zum Beispiel besonders große Mengen Ammoniak an. Wenn Ammoniak in die Atmosphäre abgegeben wird, entstehen dort Ammonium und Ammoniumsalze – chemische Verbindungen, die die Umwelt erheblich negativ beeinflussen und viel Schaden anrichten.

Wer seine Fleischwaren von regionalen Anbietern bezieht, kann davon ausgehen, dass die Tiere auf dem Weg zum Schlachthof keinen langen Transportwegen ausgesetzt sind. Dem Vieh wird viel Leid erspart, wenn es nicht im LKW über Tage quer durch Europa zum Schlachter transportiert wird. Viele Landwirte bieten in ihren Hofläden Fleischerzeugnisse aus eigener Aufzucht an. Das bedeutet nicht gleichzeitig, dass die Tiere vor dem Schlachtgang artgerecht gehalten worden sind. Auch darauf ist beim Kauf zu achten.

Hinzu kommt: Artgerecht gehaltene Tiere haben zu Lebzeiten weniger Stress, was sich wiederum auf die Qualität des Fleisches auswirkt. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass zum Beispiel Schweine, die sich regelmäßig bewegen können und nicht täglich mit Artgenossen um Futter rivalisieren müssen, hochwertigeres Fleisch produzieren.

Grund ist eine höhere Konzentration des Muskelfarbstoffs Myoglobin in den Muskelfasern. Deshalb sei das Fleisch artgerecht gehaltener Tiere weniger blass und schrumpfe beim Bratvorgang nicht derart wie Fleisch aus Massentierhaltung – nur einer von vielen Aspekten, an denen gutes Fleisch zu erkennen ist.

Regionale Produkte schaffen Transparenz

Foto: adobe.stock / master1305

Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind es in Deutschland etwa 30.000 bis 40.000 Landwirte und Direktvermarkter, die ihre Erzeugnisse anbieten. Regionalität wird von den Verbrauchern vielfach als Quelle von Glaubwürdigkeit angesehen. Viele Kräuterbauern, Landwirte, aber auch Jäger, Imker und Fleischerzeuger vermarkten ihre Erzeugnisse nicht nur über Hofläden, sondern auch auf regionalen Wochenmärkten, über Abo-Kisten und Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften.

Für den Verbraucher ist das eine gute Sache: Sie wissen, woher ihr Essen kommt, und sie wissen auch, wer es erzeugt hat. Diese Transparenz gibt Verbrauchern in Zeiten regelmäßiger Nahrungsmittelskandale ein Stück weit Sicherheit darüber, was zu Hause auf den Tisch kommt. Außerdem wird mit dem Erwerb regionaler Lebensmittel auch ein Zeichen gegen die industrielle Herstellung von Nahrungsmitteln gesetzt.

Regionale Produkte: Gut für die heimische Wirtschaft

Durch die Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe durch die Verbraucher werden weniger Importprodukte benötigt und Arbeitsplätze geschaffen. Gerade im Bio-Bereich spielt die Direktvermarktung eine große Rolle: Nach einer Erhebung geben dreimal so viele Biobetriebe ihre Produkte an Endkunden weiter wie konventionell arbeitende Landwirte.

Insgesamt gibt es mittlerweile über 1800 Biohofläden in Deutschland, teilt das Informationsportal ökolandbau.de mit Bezug auf die Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) mit. Die meisten nachhaltig wirtschaftenden Betriebe existieren in Bayern, dort sind rund ein Fünftel aller Biohofläden Deutschlands zu finden. Auf Platz zwei liegt Baden-Württemberg, Niedersachsen belegt Rang 3. Im Schnitt, so heißt es, erwirtschaften Hofläden in der Umsatzklasse von rund 200.000 Euro bis 400.000 Euro einen durchschnittlichen Umsatz von jährlich rund 269.000 Euro.

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