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Sonderveröffentlichung

Schuppenflechte – das Auf und Ab der Schübe

Eine Schuppenflechte tritt meist in Schüben auf. Dr. Dagmar Wilsmann-Theis von der Universitätsklinik Bonn erklärt, wie Schübe entstehen und wie eine individuelle und konsequente Therapie die Symptome weitgehend lindern kann.

Bei Psoriasis-Schüben sind oft auch die Handoberflächen betroffen Foto: Marian Jenis

Bei einem Schuppenflechte-Schub entstehen die für die auch Psoriasis genannte Erkrankung typischen Hautveränderungen: rote Flecken, die mit silbrigen Schuppen bedeckt sind und häufig stark jucken. Die Dermatologin Dr. Dagmar Wilsmann-Theis von der Psoriasis-Spezialsprechstunde am Universitätsklinikum Bonn begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Schuppenflechte. Bei der Behandlung der Krankheit verfolgt die Oberärztin einen ganzheitlichen Ansatz, der Faktoren des Lebensstils ebenso berücksichtigt wie eine medikamentöse Therapie.

Was löst Psoriasis-Schübe aus?

Ein Psoriasis-Schub kann verschiedene Auslöser haben. Bei manchen Betroffenen reagiert die Haut besonders empfindlich auf bestimmte Stoffe. Kleidung aus synthetischem Material, Uhren oder Schmuck können Symptome hervorrufen. Im Sommer oder bei sportlicher Aktivität kann übermäßiges Schwitzen einen Schub begünstigen. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sollten als mögliche Auslöser genauer betrachtet werden.

„Bei besonders starken Symptomen kommen Patienten auch stationär in die Klinik“, erzählt Wilsmann-Theis: „Hier versuchen wir, den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen. Meist gelingt das innerhalb einer Woche. Durch den Umgebungswechsel findet der Patient zum einen Abstand vom Alltagsstress, zum anderen wird er ganzheitlich auf einen möglichen Auslöser hin untersucht.“

Für Wilsmann-Theis spielt die Ernährung eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Psoriasis-Schübe zu reduzieren: „Betroffene sollten auf Normalgewicht achten und sich möglichst fett-, zucker- und fleischarm ernähren mit viel Gemüse, Fisch und Obst. Auf Alkohol möglichst verzichten! Alkohol kann genauso wie Rauchen die Psoriasis triggern.“

Akute Schübe führen bei Menschen mit Psoriasis oft zu Stress und Isolation Foto: Anete Lusina

Chancen der Behandlung nutzen

Psoriasis ist chronisch und unheilbar. Umso wichtiger ist es, persönliche Auslöser zu kennen und zu vermeiden. Wilsmann-Theis empfiehlt ihren Patienten auch, Stress und Belastung aktiv auszugleichen: „Im Alltag kann Achtsamkeit helfen, die Psyche im Gleichgewicht zu halten. Außerdem offen gegenüber anderen mit der Erkrankung umgehen, lernen, sie zu akzeptieren und mit ihr zu leben.“

Psoriasis zu akzeptieren, heißt aber nicht, die Krankheit als Schicksal hinzunehmen. Im Gegenteil: Mit dem entsprechenden Engagement haben Schuppenflechte-Patienten gute Chancen, weitgehend beschwerdefrei zu leben. Dank medizinischer Fortschritte gibt es heute zahlreiche therapeutische Möglichkeiten. Bei milden Verläufen werden Salben, Cremes oder UV-Licht eingesetzt, um die Hautsymptomatik zu lindern. Bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis kann die Immunreaktion medikamentös reguliert werden.

„Bei Schuppenflechte kommt es aufgrund einer genetischen Veränderung (Mutation) zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems und in Folge im Körper zu einer erhöhten Entzündungsreaktion“, erklärt Wilsmann-Theis: „Diese unverhältnismäßig viel produzierten Entzündungsstoffe führen dazu, dass sich die Hautzellen häufiger teilen als bei Gesunden, nämlich etwa alle 6 bis 7 Tage statt nur alle 28 Tage. In einer Welle ist diese Entzündungsreaktion verstärkt.“

Auf das Immunsystem kommt es an

Um die Entzündungsreaktion zu mildern, werden zum einen immunsuppressive Medikamente eingesetzt, die die Abwehrmechanismen des Immunsystems dämpfen. Zum anderen können sogenannte Biologika gezielt in die Immunreaktion eingreifen, um Entzündungen zu verhindern. Diese biotechnologisch hergestellten Medikamente werden injiziert und ermöglichen vielen Psoriasis-Patienten ein beschwerdefreies Leben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Therapie auch dann fortgesetzt wird, wenn die Hautsymptomatik verschwunden ist. Wenn die Medikamente abgesetzt werden, beginnt das Entzündungsgeschehen in den meisten Fällen von Neuem.

Dagmar Wilsmann-Theis erlebt in der Psoriasis-Spezialsprechstunde häufig, dass eine erfolgreiche Therapie stark vom persönlichen Engagement abhängt: „Stellt man fest, dass der Patient die Behandlung nicht korrekt durchgeführt beziehungsweise sie unterbrochen hat, setzen wir diese hier wieder fort und trainieren ihn zur korrekten Behandlung.“

Unbehandelte Schuppenflechte ist ein Gesundheitsrisiko

Ein Besuch beim Dermatologen lohnt sich. „Es gibt inzwischen eine ganze Reihe an Alternativen“, ermutigt Wilsmann-Theis. Jeder kann seine individuelle Therapie finden. Auch bei milden Verläufen wächst bei unbehandelter Schuppenflechte das Risiko für Folge- und Begleiterkrankungen. Die Schuppen auf der Haut sind nur das sichtbarste Zeichen einer Systemerkrankung, die den ganzen Körper gefährdet.

Etwa zehn Prozent der Menschen mit Schuppenflechte erkranken zusätzlich an Psoriasis-Arthritis, einer chronischen Entzündung der Gelenke. Auch Adipositas, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Gefäßentzündungen treten im Zusammenhang mit Psoriasis überdurchschnittlich häufig auf. Eine frühzeitige und dauerhafte Behandlung lindert nicht nur die Hautsymptome, sondern schützt den gesamten Organismus.

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