1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Überregional
  4. >
  5. Wissenschaft
  6. >
  7. Selbstbestimmtes Leben mit feuchter Makuladegeneration

  8. >

Selbstbestimmtes Leben mit feuchter Makuladegeneration

Wer wegen einer Erkrankung wie der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration nicht mehr richtig sehen kann, hat es im Alltag oft schwer. Hier berichten eine Patientin und die Leiterin einer Selbsthilfegruppe, wie Betroffene Unterstützung und hilfreiche Tipps bekommen können.

Aschendorff Medien

Foto: Klaus Becker

„Vor etwa fünf Jahren merkte ich, dass mit meinen Augen etwas nicht stimmt. Das betraf gleich alle Bereiche. Selbst Texte mit großen Buchstaben musste ich mir regelrecht erarbeiten, um sie lesen zu können“, berichtet Elisabeth Canisius (76) aus Warstein in Nordrhein-Westfalen. Der Augenarzt verschrieb ihr nicht wie erhofft eine neue Brille, sondern verkündete eine schockierende Diagnose: feuchte altersabhängige Makuladegeneration (feuchte AMD).

Alterserkrankung Makuladegeneration

Die Makuladegeneration gehört zu den zehn bedeutendsten altersabhängigen Erkrankungen. Sie betrifft die Sehzellen in dem Bereich der Netzhaut, der für das scharfe Sehen zuständig ist: die Makula (gelber Fleck). In Deutschland sind rund 7,5 Millionen Menschen von einer AMD betroffen, zumeist von der trockenen, sehr langsam verlaufenden Form. Bei ihr schädigen Ablagerungen in der Netzhaut die Sehzellen nach und nach. Doch in 15 Prozent der Fälle entsteht daraus die feuchte AMD. Die verläuft schnell und aggressiv, da sich schädliche Flüssigkeit in und unter Netzhaut ansammelt, die die Sehzellen absterben lässt. Unbehandelt kann die feuchte Form innerhalb kürzester Zeit zu schweren Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung führen. Ein Schicksal, das jährlich 5.000 AMD-Betroffene in Deutschland trifft. Zwar ist die feuchte AMD nicht heilbar, aber ihr Verlauf lässt sich medikamentös verlangsamen oder sogar stoppen. Je früher die Erkrankung festgestellt wird, desto mehr Sehkraft kann erhalten werden.

Foto: Klaus Becker

Dauerhafte Therapie

Auch Elisabeth Canisius hat schnell erkannt, dass es ohne entsprechende Therapie nicht geht: „Seither bekomme ich regelmäßig eine Spritzentherapie ins Auge. Vor drei Jahren hat die Therapie begonnen, und seitdem muss ich mich alle vier bis sechs Wochen spritzen lassen. Es wird immer wieder überprüft, ob sich was verändert hat und ob sich die Intervalle verlängern lassen. Auf dem einen Auge habe ich nur noch drei Prozent Sehkraft und auf dem anderen Auge 20 Prozent.“

Eingeschränkter Alltag

Die schwindende Sehkraft wirkt sich maßgeblich auf den Alltag der früheren Verwaltungsangestellten aus. „Alleine käme ich nicht klar. Alles ist sehr anstrengend, weil man sich permanent konzentrieren muss. Das macht mich dann sehr schnell müde“, erzählt die 76-Jährige. Unterstützung findet sie nicht nur bei ihrem Mann, sondern auch in einer örtlichen AMD-Selbsthilfegruppe von PRO RETINA Deutschland e. V., die das Ehepaar gemeinsam besucht. Am besten gefällt Elisabeth Canisius daran der Austausch mit anderen Betroffenen und die vielen hilfreichen Informationen, die sie dort bekommt: „Man ist mit seinem Problem nicht mehr alleine, obwohl ich ja glücklicherweise einen verständnisvollen Mann habe. Man kann sich in der Gruppe gegenseitig Tipps geben, weil die anderen einen ja bestens verstehen. Und die Gruppenleiterin gibt uns auch viele Tipps bezüglich Hilfsmittel, Alltagsverhalten und Ernährung.“

Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben

Die Gruppenleiterin heißt Heike Ferber und hat selbst eine schwere Augenerkrankung. Seit zehn Jahren leitet sie ehrenamtlich die Warsteiner AMD-Selbsthilfegruppe. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, dass wir nach Perspektiven und Möglichkeiten suchen, um weiterhin ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das können bestimmte Taktiken ebenso sein wie Hilfsmittel“, erläutert die 56-Jährige und fügt hinzu: „In der Regel ist es so, dass wir ein Schwerpunktthema haben und natürlich dürfen alle berichten, was sie in der letzten Zeit erlebt haben. Wir haben auch regelmäßig Experten dabei, etwa einen Optiker oder einen Hilfsmitteldienstleister.“ Der Austausch und die Beratung, zusammen mit der Therapie, ermöglichen es den Betroffenen, ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alter zu erhalten.

Startseite